Es muss nicht immer massiv sein

Geschrieben am 31. Dezember 2008 in RPG, Single Player, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

MMOs sind anstrengend. Wenn das tägliche Farmen, Questen, Raiden (und hoffentlich auch looten) zwischenzeitlich nervt oder sogar in Arbeit ausartet, empfehle ich ein gutes Buch oder einen Gang ins nächste Kino. Künstliche Welten kann man nicht nur am Computer berreisen. Wer trotzdem nicht den schönen, warmen Platz vor dem PC verlassen will, sollte mal einen Blick auf das Action Rollenspiel ‘Titan Quest’ werfen. Das Teil ist etwas über ein Jahr alt und im Augenblick als Budget-Spiel (10 Euro) in jedem Technik-Markt (oder bei Amazon) zu bekommen. Mit dabei ist das Add-On ‘Immortal Throne’, dass man sich sofort mit installieren sollte, da es das Basis-Spiel um einige schöne Features erweitert.

Titan Quest ist ein 100%-Diablo-Clone und deshalb auch Baby-Eier-leicht. Solange man nicht am Schwierigkeitsgrad rumspielt. Da das Spiel wesentlich jünger als Diablo II ist, sieht es auch wesentlich schicker aus. Auf einem halbwegs modernen PC sieht es sogar unverschämt gut aus. Glücklicherweise verlangt einem das  Game nicht viel ab: Monster umhauen und Loot einsammeln. Titan Quest ist also ein echtes Charakter-building-Game, in dem es nur darum geht, die eigene Spiel-Figur zu entwickeln und auszurüsten. Das funktioniert angemessen komplex: es gibt jede Menge Charakter-Klassen, diverse Schadens-Arten, mehrere Fertigkeits-Bäume und Items, Items, Items (…falls ich das noch nicht erwähnt hatte…). Für einen MMO-Profi also eine wunderbare Spielwiese. Da es sich nicht um ein MMO handelt, geht der Aufstieg viel schneller als in vergleichbaren Online-Spielen. Dieser Faktor macht das Spiel auch so attraktiv, da man wesentlich unverkrampfter heran gehen kann. Es kostet ja keine Monatsgebühren und auch viel weniger Zeit.



Vor allem aber punktet Titan Quest durch die gelungene Präsentation der pseudo-antiken Spielwelt. Monster und Landschaften sind sehr liebevoll gestaltet. Der hohe Detailgrad wird dadurch erreicht, dass auf eine frei drehbare Kamera verzichtet wird. Lediglich ein Heranzoomen an den Charakter ist möglich. Dafür erscheinen die griechischen Tempel, die ägyptischen Gräber oder die chinesische Mauer in wunderbarer Pracht. Titan Quest ist ein bunter – aber stilvoller – Kurzurlaub in eine antike Sandkasten-Sagenwelt. Je nach Spielweise sollte man in 1-2 Wochen mit dem Spiel fertig sein. Wenn man Lust hat, kann man natürlich auch zusammen mit ein paar Freunden losziehen, um die Story als Multiplayer-Abenteuer zu bewältigen. Da es kein ‘bind-on-pick-up’ beim Looten und auch keine Raid-Verwaltung gibt, sollte auch das wesentlich entspannter zugehen als in den wirklich massiven Spielen…

Und Entspannung ist doch genau das, was wir wollen zwischen Weihnachten und Neujahr ;-)

Titan Quest brilliert vor allem bei der Darstellung der mytischen Orte. Hier besucht der Krieger Varelius (Abgesandter der planaren Exploratoren) das Orakel von Delphi. Man beachte die historisch korrekten Gasschwaden, die das Orakel in Trance versetzen.

Titan Quest brilliert vor allem bei der Darstellung der mytischen Orte. Hier besucht der Krieger Varelius (Abgesandter der planaren Exploratoren) das Orakel von Delphi. Man beachte die historisch korrekten Gasschwaden, die das Orakel in Trance versetzen.

Beim Einkaufen auf einem Markt für Massenvernichtungsmittel in China. Alles sehr detalliert! Leider verzichtet Titan Quest auf aufwendige Render-Filme a la Diablo II.

Beim Einkaufen auf einem Markt für Massenvernichtungswaffen (Items) in China. Leider verzichtet Titan Quest auf aufwendige Render-Filme a la Diablo II.

Die Gegner gehen über die Vorlagen der antiken Bestien weit hinaus und reichen von bunt bis versponnen. Hier prügelt sich Varelius mit Riesenkrabben am Strand von Rhodos. So soll Badeurlaub sein!

Die Gegner gehen über die Vorlagen der antiken Bestien weit hinaus und reichen von bunt bis versponnen. Hier prügelt sich Varelius mit Riesenkrabben am Strand von Rhodos. So soll Badeurlaub sein!

Wie gesagt: es geht um Items. Werfen wir also einen Blick in das Inventory. Natürlich kann man die Gegenstände problemlos zwischen den eigenen oder Gast-Charakteren transferieren. Und man kann verzaubern, verkaufen, umwandeln usw, usw, usw...

Wie gesagt: es geht um Items. Werfen wir also einen Blick in das Inventory. Natürlich kann man die Gegenstände problemlos zwischen den eigenen oder Gast-Charakteren transferieren. Und man kann verzaubern, verkaufen, umwandeln usw, usw, usw...

Ankündigen, Aufblasen, Abschalten

Geschrieben am 22. Dezember 2008 in MMO-Szene, Sonstiges, Tabula Rasa von Reaktorblock || Keine Kommentare

 

Inzwischen hat die News in der MMO-Szene die Runde gemacht: Tabula Rasa, das letzte Spieleprojekt von RPG Legende und Freizeit-Astronaut Richard Garriott ist tot. Der koreanische Publisher NC-Soft, der das Spiel finanziert hatte, hat die Reissleine gezogen. Die Tabula Rasa Server werden irgendwann im Februar 09 dicht gemacht. Konsequenterweise hat Garriott (a.k.a. General British, a.a.k.a. Lord British) seinen Rückzug aus der Spielewelt angekündigt. O-Ton Garriot: sein Trip in den Weltraum hat neue Interessen in ihm geweckt.  So weit, so esotherisch. Hoffen wir, dass er bei der Suche nach kleinen, grünen Männchen (oder was auch immer er vorhat) mehr Erfolg hat als mit Tabula Rasa. Ist ja auch irgendwie verständlich. Richard Garriott schaffte es mehrere Male auf den Olymp der Gamedesigner. Sein letzter grosser Titel ‘Ultima Online’ legte den Grundstein für eine Mega-Millionen-Dollar-Branche. Da macht es natürlich keinen Spass, an zu engen Budgets oder der koreanischen Interpretation des Wortes Deadline  zu scheitern.

Wahrscheinlich hätte Tabula Rasa besser abgeschnitten, wenn es drei, oder besser noch sechs Monate länger in der Entwicklung geblieben wäre. Der Qualität des Spieles beim Release war jedenfalls eine Schande und hat mit Sicherheit eine Menge Leute derbe abgeschreckt. Die Qualität des Spieles zum jetzigen Zeitpunkt aber ist beeindruckend. Und es ist wiederum eine Schande, dass Tabula Rasa nun einfach dicht gemacht wird. Im Angesicht von zahllosen Free-To-Play MMOs wie Anarchy Online oder Guildwars fragt man sich, ob es für NC-Soft nicht eine bessere Alternative gegeben hätte. So wie es jetzt aussieht, versuchen die Koreaner lediglich die verbliebene Energie der TR-Communty für das Marketing ihres neuen AAA Titels ‘Aion’ zu nutzen, bevor sie im Februar das Licht endgültig ausknipsen. Und was bleibt den Spielern?

Die Erinnerung an ein einmaliges, wunderbares und unwiederbringliches Experiment, bei dem Kreativität gegen Marktmacht antrat und grandios scheiterte.

Die Bewunderung für ein engagiertes Programmierer-Team, das auch noch in den letzten Tagen des Spiels unbeirrt grossartigen Content veröffentlicht.

Und es bleibt natürlich die Erkenntnis des gebrannten Kindes: von Titeln des Publishers NC-Soft hat man in Zukunft die Finger zu lassen. Genauso wie sie jetzt Tabula Rasa einfach liquidiert haben, hatten sie seinerzeit das MMO Auto Assault sterben lassen. Für NC-Soft heisst AAA offenbar: Ankündigen, Aufblasen, Abschalten.

 

Tabula Rasa Spieler vor der grossen Leere...

Die Tabula Rasa Spieler stehen nun vor der grossen Leere...