RoboGeisha (in der Provinz)

Geschrieben am 17. Juli 2010 in DVD, Kino von Reaktorblock || Keine Kommentare

Freitag Nacht, 23.00 Uhr, ein kleine Stadt am nördlichen Rand der Republik. Im einzigen Kinoplex in Nuklearschlagreichweite läuft RoboGeisha von Noboru Iguchi. Natürlich müssen die planaren Exploratoren diese Chance nutzen, um ihren kulturellen Horizont nach Osten zu erweitern. Und Hey, als MitternachtsMovie ist der Film gratis. Lediglich 5 Euro Mindestverzehr fallen an. Also, Redbull rein ballern und auf ins Gefecht.

Poster: schöner Vorgeschmack auf den Film...

Wir wurden nicht enttäuscht. Jedenfalls nicht vom Film. GoboGeisha ist voll supi! Das Teil ist eine vollkommen irrwitzige Persiflage (durften wir dieses Wort überhaupt schonmal auf dieser Website verwenden?) auf die gesamte japanische Manga-Kultur. Der Trailer macht schon deutlich um was es geht:  eine sich ständig steigernde Freakshow, die aus sämtlichen Klischees besteht, die zum Kulleraugen-, Riesenroboter-, Schwertkampf-, Megatitten-Genre dazu gehören. Alles wird ständig hochgradig überzeichnet und sexuell aufgeladen. Bis es platzt. Und dann geht die Bilder-Disco wieder von vorne los. Also was gibt es zu sehen? Gesichter, die mit hoch erhitzter Höllenmilch verbrüht werden. Schwertklingen, die aus so ziemlich allen Körperöffnungen hervor schiessen. Ein tödlicher Fangschuss in die Analregion mit dazu gehöriger Strahlblutung. Busenmaschinengewehre.

Das Interessante daran ist, dass der Film tatsächlich über eine Handlung verfügt, die das Ganze zusammen hält.  Langeweile kommt nicht auf. Erstens, weil der Film vor absurden Situationen einfach sprüht. Zweitens, weil die Dialoge zwar genretypisch bescheuert & verschwurbelt sind (‘Du musst an deine innere Stärke glauben, Yoshi, blah, blah, blah…‘), aber trotzdem immer wieder lustiger Wortwitz dazwischen gestreut wird. Und das sogar in der deutschen Synchro.  Die Schauspieler benehmen sich – wie es sich gehört – wie eine Horde Knallchargen. Auch hier wäre alles andere falsch gewesen. Kameratechnisch ist RoboGeisha zwar ein Undergroundfilm, was aber keinesfalls heisst, dass er zusammen gestümpert wurde. Der Look der Einrichtungen und Effekte ist aber naturgemäss vollkommen unterirdisch und albern. Das Schönste was wir vielleicht über den Streifen sagen können, ist, dass er uns (wehmütig) an Russ Meyer erinnert hat.

Für Leute mit Sinn für’s Skurrile ist der Film ein Muss. Manga/Anime-Fetischisten dürfen auch zuschlagen, wenn sie kritikfähig sind. Gibt es etwas Trauriges zu berichten von unserem Nachtausflug? Leider ja. Die DVD-Projektion und der lausige Ton haben uns weniger gestört. Aber offensichtlich ist der gute Geschmack immer noch nicht in der Provinz angekommen. Das Kino wurde nämlich beherrscht von einer dämlich johlenden Horde Twens, die einfach nicht verstanden, um was es eigentlich ging. Jede nicht Hollwood-kompatible Einstellungen wurde mit lautstarken Kommentaren und abfälligem Gegrunze bedacht (Ey Mann, der schlechteste Film aller Zeiten! Wer von euch hatte die Scheiss-Idee, in diesen Film zu gehen, usw, usw). Die Mühe, das Kino einfach zu verlassen, machten sich die Gehirnraupen leider nicht. Schade, dass preiswerte Vorstellungen auch diese Art Publikum anziehen. Und der IQ steht ja leider noch nicht kontrollfähig im Perso.

Falls jemand Lust auf den Film bekommen hat, hier der Kauflink für Amazon.

Blizzard wieder bei Bewusstsein (vorerst)

Geschrieben am 12. Juli 2010 in MMO-Szene, Netzkultur, WOW von Reaktorblock || Keine Kommentare

Mike Morhain, grösster Kürbis beim grossen Blizzard-Kürbis hat die vollkommen stupiden Änderungen am Battle.net offiziell zurück genommen, durch die User gezwungen werden sollten, mit ihrem IRL Namen zu schreiben. Immerhin, sie lesen offensichtlich ihre eigene Foren…

Blizzard und ihr Feingefühl für Freiheit und Datenschutz

Geschrieben am 8. Juli 2010 in MMO-Szene, Netzkultur, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Am 06.07.2010 (letzte Nacht) änderten Blizzard, die Hersteller des Giganto-Seller-MMOs World of Warcraft die Spielregeln des Internet. In ihrem Forum verkündeten sie, dass in Kürze  bei jeder Forums-Antwort auf einen Blue Post (also eine offizielle Mitteilung) die sogenannte Real ID des Schreibers mit angezeigt wird. Mit anderen Worten: wer auf offizielle Blizzard-Nachrichten antwortet, muss das mit seinem echten Real-Namen tun, den Blizzard sich aus den Account- und Bezahldaten zusammen setzt. Schluss mit Reaktorblock, Schluss mit Grassfroschfresser, Schluss mit Noobkilla21. Schluss mit Netzfreiheit.

Ist Blizzard komplett durch gedreht? Oder ist das der Preis, den man dafür zahlen muss, wenn man zum weltgrössten Spiele-Konzern (Activision-Blizzard) dazu gehört? Ist das noch der Geist der Firma, denen Gameplay einst über alles ging? In deren Spielen ein Mensch ohne Einschränkungen gut oder böse sein dürfte? In deren Rollen-Spielen man als einzelne Person eine Vielzahl von verschiedenen Charakteren gleichzeitig entwickeln, spielen und sein durfte? Oder ist es eine verkrampfte Trotz-Reaktion, erzwungen durch endlose Angst-Diskussionen zwischen Konzern-PR-Krawatten-Zombies?

Es ist mit Sicherheit eines: der erste Fall, in denen eine Spiele-Community höchst offiziell mundtot gemacht werden soll. Blizzard ist es offensichtlich egal, dass nun jeder durch eine einfache Google-Suche herausbekommen kann, welche Spiele ich spiele: meine Frau, mein Boss und natürlich alle, die sich aus irgend welchen obskuren Marketing-Daten-Sammel-Gründen für mich interessieren.

Die erste (noch anonyme) Antwort, in dem inzwischen 74 Seiten langen Forums-Beitrag, in dem Blizzard ihre neue Weltordnung erläuterten war:

This is possibly the worst thing I’ve ever read in blue. I can’t even begin to fathom why you would do this.

Besser kann man die Traurigkeit der Spieler über den Verlust der Freiheit wohl nicht auf den Punkt bringen. Die MMO-Seite massively fragte nicht ganz abwegig: ist das vielleicht der WOW-Killer? Nicht Aion. Nicht Warhammer Online. Nicht Old Republic. Blizzard selber verliert offenbar komplett die Bodenhaftung. Man wird sehen, was passiert.