Der Status Quo des Gamedesigns: grinden macht frei

Geschrieben am 26. Januar 2011 in MMO-Szene, Netzkultur, RPG, Single Player, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Borderlands, Puzzlequest, Dawn of War II. Das waren die Spiele, die wir im Jahre des Herrn 2010 mit Freuden gespielt haben. Wenn wir diese Games mal genauer unter die Lupe nehmen, fällt uns etwas auf: alle haben einen starken Anteil von Rollenspiel-Gameplay. Mehr noch. Eigentlich ist jedes dieses Spieler ein Crossover-Game, bei dem ein anderes klassisches Genre mit einem RPG vermischt oder angereichert wurde. Borderlands ist ein RPG-Shooter, DOW II ist ein RPG-Echtzeit-Strategie-Spiel, Puzzlequest ist ein RPG-Puzzle-Spiel. Die Rollenspiele sind überall. Ein Spiel zu veröffentlichen, das nicht zumindest ein paar kleine RPG-Elemente hat, scheint heute unmöglich zu sein. Selbst ehemals beinharte PvP-Shooter wie Call of Duty haben Rangsysteme, in denen man sich nach oben grindet, um irgendwann mal die Super-Duper-Killer-Sniper-Rifle mit in dem Einsatz zu nehmen. Egal wo man hinschaut, überall findet man Erfahrungsbalken, Inventory-Verwaltung, Talentbäume. Toll, was? Oder etwa nicht?

Als wir uns vor ein paar Tagen bei den Exploratoren über unsere nächsten geplanten Multiplayerspiele unterhielten, tauchte plötzlich eine gänzlich neue Kritik auf. Endlich mal wieder einen echten Shooter spielen. Ein Spiel spielen, das wirklich die Reflexe oder die taktische Übersicht fordert. Borderlands war ja ganz nett. Aber eben doch kein Shooter. Eher Diablo mit Granatwerfer. Und davon hatten wir ein ganz kleines bisschen die Schnauze voll.

Mit Dawn of War ging es uns ähnlich. Selbst wenn man bei einer Mission versagte, bekam man einen dicken Sack XP zugeschustert. Langsam aber sicher konnte man sich zur nächsten Stufe hoch-sterben. Ok, vielleicht hätten wir das Spiel nicht auf ‘normal’ sondern auf ’sadistisch und qualvoll’ spielen sollen? Aber immerhin gab es ja noch die Einstellung ‘leicht’. Vielleicht eher ‘Baby-Eier-Leicht’ ?

Egal, der Kern der Kritik bleibt bestehen: Rollenspielelemente dienen heutzutage in erster Linie der Vereinfachung eine Spieles. Wir sagen absichtlich nicht Verflachung, denn irgendwie haben uns die genannten Titel ja auch ‘ne Menge Spass gemacht. Dieser Trend ist mit Sicherheit durch den Erfolg von MMOs wie World of Warcraft ausgelöst worden, die wiederum von Stupido-Click-Orgien wie Diablo beeinflusst wurden. Man muss sicher noch sagen, dass viele Online-Spiele über ein komplexes Endgame verfügen, das ein hohes Mass an Zusammenspiel und Übung erfordert. In den Solo-Spielen aber fehlt das komplett.

Eigentlich eine traurige Entwicklung. Die epischen Geschichten und spannenden Abenteuer, die lustigen Dialoge und die skurrilen Spielwelten, die den Reiz von Perlen wie Ultima, System-Shock oder Planescape Torment (Rest in Peace) ausmachten, sind dahin. Übrig geblieben sind Grind, Klickerei und Gier nach Items. Ist das noch Spielen oder schon wieder Arbeit? Jedenfalls ist es nicht mit der tiefen Befriedigung zu vergleichen, die man verspürt, wenn man bei Super Mario Brothers Wii im 200. Versuch einem Boss endlich zum dritten Mal auf den Schädel jumpt.

Schwamm drüber. Immerhin schafft man es jetzt jedes, aber auch wirklich jedes, Spiel durch zu zocken. Und hat hinterher nicht das Gefühl, die Hälfte des Kaufpreises zum Fenster raus geschmissen zu haben.

Für alle Puristen und Reflex-Könige: hier der Kauflink für das verdammt nochmal schwerste Spiel, dass wir in den letzten 5 Jahren angefasst haben. Es sei denn man benutzt die Auto-Durchzock-Funktion. Aber welches Weichei würde das schon tun? Schämt euch was, oder kauft gleich die offizielle Durchspielanleitung dazu…

Videos (und Screenshots) auf der PS3

Geschrieben am 15. Januar 2011 in Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Die Meinung über Spielekonsolen ist geteilt. Die einen halten sie für bequem, zuverlässig und bedienerfreundlich. Die anderen sind der Meinung, dass sie veralteter, verkapselter Hardware-Schrott mit faschistoidem Betriebsystem sind. Bei einer Sache sind wir (Exploratoren) uns allerdings einig: über Konsolen-Spiele zu bloggen ist ein Krampf. Warum? Weil man keine Screenshots von den Spielen machen kann. Mircosoft, Nintendo und Sony können noch so viele social-media-blah-features in ihre Kisten einbauen wie sie wollen. Solange keine Screenshots abspeicherbar und auf USB übertragbar sind, wird die Community der Konsolenspieler hübsch auf den Konsolen bleiben. Keine Internet-Guides und keine unabhängigen (bebilderten) Tests. Wahrscheinlich ist es genau das, was die Hersteller sich wünschen. Mission accomplished.

Das ist natürlich keine akzeptable Situation. Wenn man in den entsprechenden Foren rumblättert, stösst man neben Frustration nur auf einen einzigen Tip: bau dir eine Frame-Grabber-Karte ein. (Oder mach deine Screenshots mit dem Handy.) Frame-Grabber-Karte hört sich nach einer fiesen PC-Aufschraub-Tortur mit anschliessender Treiber-Einstell-Folter an. Aber siehe da, falsch gedacht. Denn inzwischen schreiben wir das Jahr 2011 und eine entsprechende Hardware muss gar nicht mehr kompliziert in den PC eingebaut werden. Man klipst so ein Ding einfach via USB an den PCs. Wir haben das ausprobiert. Die Waffe der Wahl wurde der LogiLink Audio und Video Grabber USB 2.0. Den gibt es bei Amazon für schlaffe 11,20 Euronen. Hier also unser Abenteuer:

LogiLink USB 2.0 4 Kabel und ein USB Stecker. Nimmt schonmal kein Platz weg.

Dem Paket liegen nur der (ziemlich kleine) USB Adapter und die Digitaliserungssoftware bei. Dabei handel es sich übrigens um die recht verbreitete Ulead VideoStudio SE DVD, die man nebenbei auch als Video-Schnitt-Software nutzen kann. Stinkt nicht an gegen Adobe Premiere oder andere Profitools, ist aber eine brauchbare Alternative, wenn man nicht mit dem Windows Movie Maker arbeiten möchte.

Klein aber Ok. Dieses Ende gehört in den PC…sozusagen ein Stöcksel ;)

Als erstes sollte man also mal die Software installieren. Das ging bei uns problemlos. Danach den USB-Diggi-Stöcksel in den PC rein frickeln. Nun muss man das Videokabel (gelb) und die beiden Audio-Chich-Stecker (Rot & Weiss, wie es sich gehört) mit der Playstation verbinden. Dazu braucht man ein herkömmliches Playstation-Kabel. HDMI geht nicht, da hier ja ein Kopierschutz eingebaut ist. Und damit trifft man auf den ersten Nachteil dieses Systems: es gibt nur Bilder in klassicher Fernseh-Auflösung, die dazu auch noch analog übertragen werden. Viel Bildqualität sollte man da besser nicht erwarten.

Normales Playstation-Kabel. Liegt in jeder Playstation-Packung. Auch die alten PS2 Kabel sollten übrigens funktionieren.
Playstation-Kabel mit Digi-Stöcksel farblich passend verbinden. Sollte nicht soooo schwer sein, oder?
Digi-Stöcksel (Framegrabber) ins nächstbeste freie USB-Loch stöckseln.

Wenn man alles brav zusammen gesteckt hat (Framegrabber in den PC, PS-Kabel, an den Framegrabber, PS-Kabel an die PS3), sollte man erstmal die Software auf dem PC starten. Dann erst die Konsole anwerfen.

Ganz Wichtig: wenn man die PS3 normalerweise mit einem HDMI Kabel am HD-TV betreibt, sendet sie kein normales Composit-Bild mehr. Dieser Videoausgang wird von der PS3 (ohne zu fragen…) still gelegt. Man muss also vorher den Videoausgang resetten. Das geht natürlich nicht im PS3-Menü, weil man zur Zeit ja kein Bild sieht, weil die dumme Kiste auf dem Composit-Signal, das wir in den LogiLink-Grabber einspeisen, nichts sendet. Natürlich hat Sony sich was einfallen lassen: für einen Reset muss man, während die Konsole im Standby ist,  5-6 Sekunden lang den Ein/Aus Schalter gedrückt halten. Also wie normales Anschalten, nur länger den Finger drauf lassen. Presto, HDMI ist aus, altes, gammliges Analog-TV-Signal ist an. Um später wieder auf HDMI umzustellen reicht es aus, wenn man die Konsole wieder via HDMI-Kabel mit dem TV verbindet. HDMI erkennt sich selbst.

Einfach im Standby 5-6 Sekunden auf den Ein/Aus-Schalter drücken und der Reset ist gemacht. Bei einer PS3 Slim sieht der entsprechende Schalter natürlich etwas anders (weniger stylig, ähem…) aus.

Wenn man alles richtig verbunden hat, sollte man in der Grabber-Software (Ulead) auf den Karteireiter ‘Aufnehmen’ klicken. Hier stellt man nun die richtige Videoquelle ein. Die Quellen sind durch verschiedene Treiberbezeichnungen gekennzeichnet, was leider ziemlich kryptisch klingt. Einfach im entsprechenden Dropdown-Menü etwas rumprobieren. Wenn es passt, sieht man im linken Kontroll-Fenster das Bild der PS3.

In der Digitalisierungssoftware auf den Karteireiter ‘Aufnehmen’ klicken. Hier muss man nun die passende Art des eingehenden Videosignals einstellen.
Diese Einstellungen haben für uns funktioniert. Nicht das wir wüssten, was das kryptische Geschreibsel da bedeuten soll. Aber, Hey! Wir hatten ein Bild!

So, nun muss man nur noch auswählen, wo die Video-Datei hin geschrieben werden soll. Dann auf Aufnahme drücken und los spielen. Videoaufnahmen sehen übrigens besser aus als Screenshots, da auf letzteren die (beschissen) niedrige Auflösung deutlich zu erkennen ist. Bei Filmen fällt das nicht so auf. Hier ein kurzer Clip, der zeigt, wie wir ein Spiel (Borderlands) auf der PS3 starten…

Und hier die notwendigen Bestelllinks via Amazon:

Die explorativen TOP 5 von 2010: Platz 1 (endlich)

Geschrieben am 9. Januar 2011 in Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene, RPG von Reaktorblock || Keine Kommentare

Oops, das neue Jahr ist schon 10 Tage alt. Höchste Zeit die explorativen Top5 zu Ende zu bringen. Bevor es 2012 ist.
Unser Top1 ist das MMO mit dem Monsternamen Dungeons & Dragons Online: Eberron Unlimited. Die Entscheidung fällt uns leicht, da wir in 2010 ohne Zweifel die meiste Spielzeit in DDO verbracht haben. Da das Spiel hier in Deutschland komplett ignoriert wird (abgesehen von skurrilen Blogs wie diesem hier), erklären wir euch gerne, was wir an DDO so schätzen…

1. DDO wird gepflegt. DDO wird sogar besser gepflegt als alle anderen MMOs, die uns bekannt sind. Wären MMOs Frisuren, wäre DDO der Kopf von Beyonce Knowles.  Turbine, der Hersteller, des von uns ach so verehrten Spieles, hat allein im Jahr 2010 sechs Updates für das Spiel veröffentlicht. Unter anderem wurde ein komplettes Gildensystem und zwei neue Rassen hinzugefügt. Frische Inhalte sind bei DDO selbstverständlich.

Diese niedliche Hexe gehört zum neuen Inhalte-Paket "Attack on Stormreach". Auch sie ist der Meinung: frischer Content ist immer eine gute Idee!
Diese niedliche Hexe gehört zum neuen Inhalte-Paket “Attack on Stormreach”. Auch sie ist der Meinung: frischer Content ist immer eine gute Idee!

2. DDO ist innovativ. Manchmal könnte man glauben, dass DDO für Turbine eine Art Labor ist, in dem skurille Ideen getestet werden, bevor sie auf LOTRO los gelassen werden. Dazu zählt der gewagte Schritt zum Free-to-Play Modell, die DX11 Unterstützung, aber auch die ungewöhnliche Fantasy Welt Eberron. DDO versucht immer wieder anders zu sein. Und meistens funktioniert das ziemlich gut. Übrigens sind wir nicht alleine mit dieser Meinung ;-)

3. DDO ist das Paradies für Twinker. Die verschiedenen Klassen spielen sich alle extrem unterschiedlich. Was übrigens daran liegt, dass DDO kein Klassen-Balancing benötigt, da es auf PvP verzichtet. Die Basis der elf Charakter-Klassen geht weit über das Tank, Heiler, Damage-Schema der Konkurrenz hinaus. Hinzu kommen sieben Rassen, mit denen die Klassen kombinierbar sind. Für echte Twinkaholics bietet sich noch die Möglichkeit, jede Klasse mit zwei weiteren zu Multi-Klassen-Chars zu verschmelzen. Aber auch das ist noch nicht genug: jede Basis-Klasse hat bis zu drei Spezialisierungen, die praktisch wieder eine eigene Sub-Klasse bilden.

4. DDO ist D&D. Das Spiel hat keinen Ideen-Diebstahl oder irgendeine Form von Plagiat nötig. Es basiert auf dem ursprünglichen und ersten Pen-and-Paper Rollenspiel Dungeons&Dragons, das in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Gary Gygax & Dave Arneson entwickelt wurde. Seit dieser Zeit liefert D&D einen immensen Berg von Ideen, Welten und Geschichten. DDO nimmt diese Herkunft ernst, aber fügt auch ständig neue Dinge hinzu. Dieses ist der wahre Geist von RPGs. Und davor ziehen wir unseren Hut (meistens ist das übrigens ein Dreispitz.)

Oger Kapitän mit Dreispitz
Ein Oger-Piraten-Kapitän mit stilsicherem Hut. Fantasy ist Fantasy, wenn sie mit Phantasie (und Liebe) gemacht wird.

5. Olli’s Axt. Olli’s Axt? Genau: Olli’s Axt! Was soll das heissen? Das heisst, dass DDO ein extrem ausgefeiltes Item-System hat, welches das oben erwähnte Charakter-System super ergänzt. Olli’s Axt ist nämlich eine Waffe, die wir irgendwann, so gegen Stufe 12 herum, von einem Mitglied der Exploratoren (-> Olli) geschenkt bekommen haben. Das gute Stück war ein Glücksfund im Auktionshaus, der anschliessend durch Crafting doppelt verzaubert wurde. Inzwischen spielen wir auf Stufe 18 und die Axt ist immer noch unserer Hauptwaffe. Man kann sicher sein, dass diese Axt auch auf Stufe 20 (Endgame) noch extrem nützlich sein wird.  Sie mag hier als Beispiel dienen für das robusteste, komplexeste und coolste Ausrüstungs-System, das wir kennen.

Rosti auf dem Schiff
Der Exploratoren-Char ‘Rostfreier Federstahl’ auf unserem Gildenschiff. Mit Dreispitz. Und natürlich mit Olli’s Axt.

Aber trotz allen Lobgesanges glauben wir nicht daran, dass DDO auch die 2011er Top5 anführen wird. Inzwischen sind wir seit über 2 Jahren mit dem Spiel beschäftigt. Das ist die längste Zeitspanne, die uns irgendein Computerspiel je gebunden hat. Selbst Space Invaders (Atari2600) und Master of Orion II konnten uns nicht so langfristig fesseln. Die meisten Dungeons haben wir gespielt – und zwar X-mal. In nicht allzu ferner Zukunft werden wir unser Abo auslaufen lassen und das Spiel auf free-to-play umstellen. Und sollte wieder mal interessanter Content veröffentlicht werden, können wir uns den in aller Ruhe Stück für Stück im DDO-Store kaufen. Und auch das lieben wir an DDO: wenn man seine Ruhe haben will, kann man jederzeit gehen.

Wer es ausprobieren will, klickt hier ;-)

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