X-Men: Erste Entscheidung. Bitte nicht vom Titel auf den Film schliessen!

Geschrieben am 29. Juni 2011 in DVD, Kino von Reaktorblock || Keine Kommentare

Was für ein bescheuerter deutscher Titel. Okay, das englische X-Men: First Class hört sich natürlich fürchterlich nach Teeny-Schmonzette an. Und das ist gar nicht mal so falsch, denn junge Superhelden, pardon Mutanten, waren schon immer ein zentrales Thema des X-Men-Universums. Wobei die Superkräfte der Helden selten im Mittelpunkt standen, sondern meistens die Frage, wie man mit ihnen klar kommt und was man draus macht. Das Potential dieses Themas hatte einst der Regisseur Bryan Singer erkannt und so die beiden exzellenten Marvel-Verfilmungen X-Men I & II in die Kinos gebracht. Der Rest ist Geschichte: Hugh Jackman avancierte nach seiner saucoolen Darstellung des Outlaw-Mutanten Wolverine zum Frauenschwarm und stieg in die erste Garde Hollywoods auf. Das Superhelden Genre bekam einen fetten Anschub und wurde später durch Spiderman und Ironman salonfähig. Doch dann kam X-Men: Der letzte Widerstand, an dem Singer nicht mehr mitarbeitete, und fuhr die Serie gegen die Wand.

So cool wie in den 60ern wird's nie wieder.
So cool wie in den 60ern wird’s nie wieder.

Nun aber X-Men: First Class. Der Film ist ein Reboot des X-Men Universums mit komplett ausgewechselter Darsteller-Truppe, ähnlich wie die neuen Batman-Filme. Allerding bricht der Film nicht mit der bisherigen Geschichte, sondern geht zurück zu den Wurzeln der Saga in die 60er Jahre.  Und das ist ein Pluspunkt, den erstens sieht das Sixties-Setting atemberaubend aus und zweitens beweist der Film dadurch eine große Treue zur Comic-Vorlage, die schliesslich in dieser Zeit geboren wurde. First Class ist kurzweilig und sehr emotional. Auch Bryan Singer ist diesmal wieder dabei, wenn auch nur als Produzent. Vielleicht liegt es an seiner jüdischen Herkunft oder daran, dass er bekennender Schwuler ist, dass er sich in das Aussenseiter-Thema so gut einfühlen kann. Die X-Men finden auf jeden Fall wieder zurück zu ihren interessanten moralischen und menschlichen Konflikten. Die Geschichte um den Humanisten Charles Xavier und seinen darwinistischen Freund und späteren Gegner Magneto (Michael Fassbender, coool!) funktioniert wunderbar und bietet 130 Minuten tolles Genre-Kino. Der Film ist in 2D und sollte auch auf DVD oder Bluray für einen schönen, bunten Abend sorgen.

Wer ist Hannah? Jason Bournes langweilige Tochter.

Geschrieben am 18. Juni 2011 in DVD, Kino von Reaktorblock || Keine Kommentare

Um den Film wurde ein ziemlicher Wirbel gemacht. Sonst wären die Exploratoren nicht rein gegangen. Und das wäre wohl auch besser so gewesen. Wir können den Hype um den Film nur ansatzweise verstehen. Ok, ‘Wer ist Hannah?’ sieht klasse aus. Fast jede Einstellung ist ein Deko-Foto für den Flur eines Hamburger Thirtysomething-Single-Haushalts. Die blasse Saoirse Ronan, die durch den Film zum Teeny-Idol wurde, ist die zentrale Projektionsfläche dieser pubertären Action-Phantasie. Sie verprügelt mit Leichtigkeit Menschen, die locker ihr dreifaches Körpergewicht haben dürften, erlegt mit ihrem modelhaften und muskelfreien Körper Grosswild und CIA Agenten. Die Story ist nichts weiter als eine erneute Aufwärmung der zig mal kopierten ‘Bourne Identität’-Geschichte (die ja schon damals nicht unbedingt neu war). Aber trotz aller fotografischen Kunstgriffe erreicht der Film nicht die visuelle Intensität des Vorbildes.  Hannah ist am interessantesten, wenn die distanzierte Kamera deutsche Innenstädte,  stillgelegte Vergnügungsparks, und triste ostdeutsche Wohn-Silos anvisiert. Auf die darin herum irrenden Darsteller kann man eigentlich verzichten. Vielleicht hätte Joe Wright besser einen Bildband zum Thema Deutschland gemacht.



Kings Bounty. 100% Old School.

Geschrieben am 15. Juni 2011 in RPG, Single Player von Reaktorblock || 1 Kommentar

Normalerweise sind Zugabe DVDs auf Spielezeitungen ja Schrott. Aber vor ein paar Monaten ist uns mit Kings Bounty: The Legend (Gimmick auf diversen Gaming-Magazinen), seit langem mal wieder etwas wirklich Feines in die Finger gefallen. Auf den ersten Blick wirkt das Game wir ein aufgemotzter Abklatsch von Heroes of Might & Magic, wenn man aber genauer hinschaut, ist dann aber doch alles ganz anders. Fast.

Um was geht’s?

Um das Erkunden von grossen Weltkarten. Konflikte werden (wie bei HOMM) auf  Mini-Karten als Runden-Taktik ausgetragen. Der eigentliche Spielablauf findet aber auf einer wunderhübschen und immens grossen Weltkarte statt, während man sich bei HOMM von Szenario zu Szenario hangelt. Das macht einen beträchtlichen Reiz des Spieles aus. Durch die grosse, persistente Weltkarte identifiziert man sich stärker mit Held, Truppen und Spielwelt. Ja, richtig gehört: auch der Held bleibt das ganze Spiel über erhalten. Man wird nicht von Charakter zu Charakter gescheucht, wie in den Heroes Kampagnen. Während man die Welt Stück für Stück erkundet, findet man Items, neue Truppen und Mission. Im Prinzip ist Kings Bounty also ein Rollenspiel mit taktischen Rundenkämpfen. Der Spielfluss ist gemächlich. Man muss vorsichtig Erkunden und reichlich hin- und her reisen, um immer die richtigen Gegner zum aktuellen Level zu finden.

Totaaaal schnucklig. Die Kings Bounty Spielwelt sieht aus, wie eine überzuckerte Spielzeuglandschaft.

Was gibt’s zu sehen?

Vor allem die Weltkarte. Die sieht, wie bereits erwähnt, großartig aus. Man kann in verschiedenen Stufen heran zoomen, um die zahlreichen animierten Details zu genießen. Der Grafikstil ist zwar ziemlich altbacken, passt aber dadurch zur klassischen Tollkien-Sandkasten Welt mit Elfen, Zwergen, Orks und Dämonen. Das Spiel will Old-School sein und schafft das zu 100%. Auch die Rundenkämpfe sehen cool aus. Leider kann die Story absolut nicht mithalten. Die vollkommen dröge Geschichte handelt von einem Viel-Völker-Krieg, der von irgendeinem X-beliebigen austauschbaren Verräter-Bösewicht angezettelt wurde. Zudem wird vollkommen auf Cut-Scenes oder Audio-Texte verzichtet. Alles läuft in winzigen Textfenstern ab. Wie gesagt, Old-School. Auch erwähnenswert: Kings Bounty ist recht lang, was heute ja fast schon eine Seltenheit ist. Die Exploratoren sind schließlich nach gut 3/4 der Handlung ausgestiegen. Bis dahin sind wir aber (von einem Heft-Zugabe-Spiel) gut unterhalten worden.

Man reitet nicht nur durch Aussengebiete, sondern auch durch Dungeons. Und da man nicht vom Pferd absteigen darf, reitet man auch mal durch fremde Schlafzimmer.
Man reitet nicht nur durch Aussengebiete, sondern auch durch Dungeons. Und da man nicht vom Pferd absteigen darf, reitet man auch mal durch fremde Schlafzimmer.

Wer soll das spielen?

Alle, die eine Vorliebe für rundenbasierte Schlachten haben, dürfen sich das Spiel mal ansehen. Die gemütliche Erkundung der Welt ist wirklich gelungen. Ein echtes Exploratoren-Spiel also. Wer sich nicht an den bescheuerten Might & Magic-Stories gestört hat, wird sich auch nicht an der dämlichen Kings Bounty-Story stören. Wenn man das Spiel nicht auf Heft CD erwischt hat, lohnt es sich vielleicht, die Nachfolger Armored Princess oder Crossworlds anzutesten. Bei dem niedrigen Preis kann man nicht viel falsch machen. Aufgrund der niedlichen Grafik kann man das Spiel auch gut zusammen mit Kindern am PC spielen.

Bunte Rundenkämpfe. Wenn man die mag, mag man auch Kings Bounty.
Bunte Rundenkämpfe. Wenn man die mag, mag man auch Kings Bounty.

Hin und wieder gibt es einen (ziemlich leichten) Bosskampf zu erledigen.
Hin und wieder gibt es einen (ziemlich leichten) Bosskampf zu erledigen.

Ranzoomen lohnt sich. Die detailverliebte Spielwelt bietet manchen netten Anblick.

Ranzoomen lohnt sich. Die detailverliebte Spielwelt bietet manchen netten Anblick.

Und hier noch die Kauflinks:

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