Sektion Tabula Rasa
Eine der erfolgreichsten und aufregensten Expeditionen der Gesellschaft der planaren Exploratoren führte in das Spiel ‘Richard Garriotts Tabula Rasa’. Leider wird TR (Gamer lieben Abkürzungen, sorry) im Februar 2009 geschlossen. Aus diesem Grund haben die planaren Exploratoren ihre Sektion Tabula Rasa inzwischen eingestellt. Trotzdem möchte ich dem Spiel hier eine letzte Ehre erweisen und über die grossartigen Inhalte berichten, die TR seinen Spielern bot.
Tabula Rasa war vor allem für seine innovativen Spiel-Mechanismen bekannt, auf die ich kurz eingehen möchte. Die Steuerung erinnerte mehr an eine Shooter als an ein klassiches MMO. Es gab nur zwei kurze Buttonleisten: eine für die linke und eine für die rechte Maustaste. Der Vorteil dieses dürren User-Interfaces war, dass man sich vollkommen auf das Spielgeschehen konzentrieren konnte – anstatt auf die kleinen bunten Knöpfchen am Bildschirmrand zu glotzen. Und Konzentration auf das Spiel war auch nötig, den TR bot die lebhafteste und beweglichste Welt, die man je in einem MMO zu sehen bekommen hatte. Mit Hilfe einer hammercoolen KI machte das Spiel die Schlachtfelder im Krieg der Menschen gegen die Fremdrassen der Bane zu einem einmaligen Erlebnis. Die Gegner bewegten sich, wichen aus, gingen in Deckung und versuchten alles, um dem Spieler das Licht auszuknipsen. Respawn poppte nicht einfach in die Landschaft hinein, sondern wurde elegant mit Landungsschiffen abgesetzt. Battlemechs stampften zwischen den Soldaten herum und Sniper warteten darauf, unachtsame Greenhorns umzupusten. Es ging um Deckung, taktische Planung und natürlich wie in jedem MMO um den richtigen Character-Build. Tabula Rasa lebte.
Die Inhalte waren an dieses schnelle und abwechslungsreiche Spiel angepasst. Man merkte, das es den Entwicklern in erster Linie darum ging, das Erlebnis der Kämpfe und Massenschlachten zu intensivieren. Es gab zwar auch einiges zu erkunden, aber Schauwerte hatte Tabula Rasa nicht viele. Ich würde nicht behaupten, dass das Spiel hässlich war, aber einem Vergleich mit WOW oder AOC hält es einfach nicht stand. Zu of wurden die Texturen recycelt und zu oft wurde der Krieg so dargestellt, wie er auch ist: braun, grau und schmutzig. Erwähnenswert sind noch die Modelle der Gegner und Spieler. Hier glänzte Tabula Rasa mit verschrobenen Kreationen, die irgendwo zwischen Krieg der Welten und Starship Troopers einzuordnen waren.
Bei der Story wurde leider einiges an Potential verschenkt. Die Logos-Sprache, von Richard Garriott selber entwickelt, hatte sicher bei vielen Spielern während der Launch-Phase Interesse geweckt. Im weiteren Verlauf der Handlung wurden die niedlichen, blauen Ikonen jedoch immer mehr vernachlässigt. Sie waren weder für die Entwicklung des Charakters nötig, noch wurden sie in Instanzen und Storys eingebunden. Schade drum. Trotzdem bot Tabula Rasa ein paar ziemlich interessante Handlungs-Questen und Orte, die man unbedingt erlebt haben sollte. Als erstes fällt mir der Höhlen-Level ‘Torden Abyss’ ein, der mit seinen riesigen Kavernen und Lava-Flüssen einen tollen Kontrast zum restlichen Setting bot, das normalerweise unter freiem Himmel spielte. Ebenfalls in Torden Abyss konnte man die ‘Penumbra Black Ops’ Story-Line entdecken, die sich mit dem übereifrigen Geheimdienst der AFS beschäftigte und frappierend an die aktuellen amerikanischen Probleme in Guantanamo oder im Irak erinnerte. Diese Art von Content-Perlen und die aufregenden PvE Schlachten machen die Einstellung von Tabula Rasa so unverständlich. Aber letztendlich regieren Gewinn und Marktanteil das MMO Business. Als Tribut an dieses einzigartige Spiel hier die schönsten Bilder unserer Expeditionen auf den Planeten Foreas und Arieki.
Rest in Peace Tabula Rasa.

Kai Kreuzfeuer von den planaren Exploratoren in Zusammenarbeit mit den Foreanern.

Kai Kreuzfeuer besichtigt eine Waffensammlung in der Basis des zwielichtigen Geheimdienstes 'Penumbra'.

Kane Kreuzfeuer verspeist ein Logos zum Frühstück. Obwohl die pseudo-magischen Zeichen einen wichtigen Teil der Hintergrundgeschichte ausmachten, gerieten sie im weiteren Verlauf des Spieles mehr und mehr in den Hintergrund. Trotzdem war ein zufällig gefundenes Logos immer ein Grund zum Jubeln. Und Bier aufmachen.

Die Lava-Fälle von Torden Abyss boten einen der schönsten Anblicke in ganz Tabula Rasa. Da es die Spieledesigner mit der Tödlichkeit von Gas und Hitze nicht allzu genau nahmen, konnte man problemlos auf den festen Felseninseln zwischen dem Magma hin und her hüpfen. Im Bild ist Kai Kreuzfeuer zu sehen. Die zweite Person ist ein Clone von Kai, der durch Kais Xeno-Biologen-Fähigkeiten erschaffen wurde. Ausflüge in gefährliche Gebiete sollte man bekanntlich nie alleine machen