Das hier ist nicht real!

Geschrieben am 5. August 2010 in DVD, Kino von Reaktorblock || Keine Kommentare

Sondern ein Traum. Oder ein Film. Oder vielleicht auch ein Computerspiel. Egal, auf jeden Fall verändert es mit Absicht unsere Gedanken. Es pflanzt uns eine Idee ein und je einfacher und passender diese Idee ist, je stärker wird sie unser Handeln bestimmen. Das ist die Idee hinter Christopher Nolans Film ‘Inception’. Und schwupps, da haben wir die Idee im Kopf. Wo sie auch bleiben wird. Selten wurde ein Film gedreht, der mit der soft power von Hollywood kritischer umging.

inception-poster

Die Botschaft ist schön verpackt. Es geht ja eigentlich nicht um Filme sondern um gemeinsam erlebte Träume. Diese sehen bei Nolan am Anfang aus wie moderne Escher-Bilder. Wow.  Am Ende leider nur noch wie (ziemlich coole) Actionfilme. Trotzdem ist der Film der beste Mind-Fuck, den man seit Jahren im Kino zu sehen bekam. Damit kehrt Nolan dorthin zurück, wo er nach ‘Prestige’ stehen geblieben war. Der kommerzielle Batman Erfolg hatte ihn erstmal zum Geld verdienen gezwungen. Nun ist er wieder ganz bei sich selbst und gibt mit grossem Budget Gas. Mitten drin steht Leo Dicaprio, der eine Menge Gelegenheit bekommt, kaputt, müde und  trotzdem entschlossen auszusehen. Das komplexe und sehr action-lastige Drehbuch lässt leider kaum Raum für mehr. Das wäre auch der einzige Kritikpunkt der Exploratoren, die ihre Filme ja immer gerne konform zum Genre haben. Es bumste uns eine Spur zuviel und der unvermeidliche Hans Zimmer wummerte mit seinem Orchester dazu eine Spur zu laut. Aber das ist Kritik auf extrem hohen Niveau.

Der Film wagt eine Menge liebevoller Zitate, von 2001, über Star Trek (schwebendes Blut!) bis zu Bladerunner, und macht sich dadurch bewusst etwas kleiner als er ist. Ist es ein grosser Film? Auf jeden Fall ist das Drehbuch ein heisser Kandidat für den Oscar, denn es lässt den Zuschauer niemals den Überblick über die vielschichtige Handlung verlieren und bietet – wir erwähnten es bereits – trotzdem jede Menge massentauglicher Knallerei. Und wenn noch ein wenig mehr Platz für die Menschen darin gewesen wäre, um die es ja eigentlich geht, hätte es Inception zu einem Kino-Meilenstein gemacht. So bleibt der Film hinter der traurigen Poesie eines Bladerunners zurück. Und auch die visuelle Konsequenz eines 2001 vermeidet er leider zu Gunsten der Hollywood-Kompatibilität. Was bleibt, ist ein immer noch grandioser Gegenentwurf zu den Comic-haften Matrix-Filmen. Und geiles Entertainment – mit einem ernsten Ansatz zur Gesellschaftskritik.

RoboGeisha (in der Provinz)

Geschrieben am 17. Juli 2010 in DVD, Kino von Reaktorblock || Keine Kommentare

Freitag Nacht, 23.00 Uhr, ein kleine Stadt am nördlichen Rand der Republik. Im einzigen Kinoplex in Nuklearschlagreichweite läuft RoboGeisha von Noboru Iguchi. Natürlich müssen die planaren Exploratoren diese Chance nutzen, um ihren kulturellen Horizont nach Osten zu erweitern. Und Hey, als MitternachtsMovie ist der Film gratis. Lediglich 5 Euro Mindestverzehr fallen an. Also, Redbull rein ballern und auf ins Gefecht.

Poster: schöner Vorgeschmack auf den Film...

Wir wurden nicht enttäuscht. Jedenfalls nicht vom Film. GoboGeisha ist voll supi! Das Teil ist eine vollkommen irrwitzige Persiflage (durften wir dieses Wort überhaupt schonmal auf dieser Website verwenden?) auf die gesamte japanische Manga-Kultur. Der Trailer macht schon deutlich um was es geht:  eine sich ständig steigernde Freakshow, die aus sämtlichen Klischees besteht, die zum Kulleraugen-, Riesenroboter-, Schwertkampf-, Megatitten-Genre dazu gehören. Alles wird ständig hochgradig überzeichnet und sexuell aufgeladen. Bis es platzt. Und dann geht die Bilder-Disco wieder von vorne los. Also was gibt es zu sehen? Gesichter, die mit hoch erhitzter Höllenmilch verbrüht werden. Schwertklingen, die aus so ziemlich allen Körperöffnungen hervor schiessen. Ein tödlicher Fangschuss in die Analregion mit dazu gehöriger Strahlblutung. Busenmaschinengewehre.

Das Interessante daran ist, dass der Film tatsächlich über eine Handlung verfügt, die das Ganze zusammen hält.  Langeweile kommt nicht auf. Erstens, weil der Film vor absurden Situationen einfach sprüht. Zweitens, weil die Dialoge zwar genretypisch bescheuert & verschwurbelt sind (‘Du musst an deine innere Stärke glauben, Yoshi, blah, blah, blah…‘), aber trotzdem immer wieder lustiger Wortwitz dazwischen gestreut wird. Und das sogar in der deutschen Synchro.  Die Schauspieler benehmen sich – wie es sich gehört – wie eine Horde Knallchargen. Auch hier wäre alles andere falsch gewesen. Kameratechnisch ist RoboGeisha zwar ein Undergroundfilm, was aber keinesfalls heisst, dass er zusammen gestümpert wurde. Der Look der Einrichtungen und Effekte ist aber naturgemäss vollkommen unterirdisch und albern. Das Schönste was wir vielleicht über den Streifen sagen können, ist, dass er uns (wehmütig) an Russ Meyer erinnert hat.

Für Leute mit Sinn für’s Skurrile ist der Film ein Muss. Manga/Anime-Fetischisten dürfen auch zuschlagen, wenn sie kritikfähig sind. Gibt es etwas Trauriges zu berichten von unserem Nachtausflug? Leider ja. Die DVD-Projektion und der lausige Ton haben uns weniger gestört. Aber offensichtlich ist der gute Geschmack immer noch nicht in der Provinz angekommen. Das Kino wurde nämlich beherrscht von einer dämlich johlenden Horde Twens, die einfach nicht verstanden, um was es eigentlich ging. Jede nicht Hollwood-kompatible Einstellungen wurde mit lautstarken Kommentaren und abfälligem Gegrunze bedacht (Ey Mann, der schlechteste Film aller Zeiten! Wer von euch hatte die Scheiss-Idee, in diesen Film zu gehen, usw, usw). Die Mühe, das Kino einfach zu verlassen, machten sich die Gehirnraupen leider nicht. Schade, dass preiswerte Vorstellungen auch diese Art Publikum anziehen. Und der IQ steht ja leider noch nicht kontrollfähig im Perso.

Falls jemand Lust auf den Film bekommen hat, hier der Kauflink für Amazon.

Von Panzern und Prinzen: willkommen im Action-Kino-Sommer!

Geschrieben am 6. Juni 2010 in DVD, Kino, Netzkultur von Reaktorblock || Keine Kommentare

Der Sommer ist da. Zeit raus zu gehen und sich wie ein Pusteblumenfallschirm durch die Juninächte treiben zu lassen. Weniger romantische Nerds wie die Exploratoren gehen statt dessen ins Kino. Denn dort haben inzwischen die unvermeidlichen Sommer-Action-Blockbuster Einzug gehalten. Zwei davon laufen in direkter Konkurrenz: Ironman 2 von Marvel und Prince of Persia von Jerry ‘Pirate of the Carribean’ Bruckheimer. Welcher ist die bessere Wahl?  Wo gibt es bessere Specialeffects? Die besseren Kämpfe? Die fetteren Explosionen? Die Exploratoren haben nachgeforscht und beide Filme an einem Wochenende durchgezogen.

Fangen wir erstmal mit der Traditionsmarke Marvel an. Das neueste Werke der Comic-Imperatoren, Ironman 2, ist schon ein paar Tage in den deutschen Kinos. Die wichtigste Frage ist natürlich: reicht IM2 an den brillianten ersten Teil heran, oder hat er die Zweite-Teil-Krankheit? Die tritt nämlich des öfteren auf, wenn Produzenten versuchen, den Vorgänger dadurch zu übertrumpfen, dass einfach MEHR aufgefahren wird. Mehr Action, mehr Computerkino-Effekte (CGI) und (immer gerne genommen) eine möglichst verschwurbelte Handlung, die dann das MEHR dürftig zusammen kittet. Vorneweg: Ironman2 ist ein würdiger Erbe des ersten Teiles. Dieser lebte zu 110% von der Verkörperung des genialen Ingenieur-Playboy-Superhelden Tony Stark durch Robert Downey Jr. Da Robert auch diesmal wieder am Start war, konnte eigentlich nichts schief gehen. Ist es auch nicht. Es macht immer noch einen Riesenspass Tony Stark dabei zuzusehen, wie er sein Leben als unangreifbarer, fliegender Panzer in vollen Zügen geniest. Der Plot ist wieder angemessen dünn, was aber nicht im geringsten stört.  Unter anderem leidet Tony an einer Vergiftung, die durch seinen eigenen Anzug erzeugt wird und sieht sich mit einem (etwas plötzlichen) Vater-Sohn-Komplex konfrontiert. Das ganze wird nie wirklich dramatisch, sondern prallt an Stark/Ironman eher ab, was aber auch ein bisschen die Essenz dieses Superhelden ist. Ein weiterer, freundlicher Kritikpunkt ist der etwas schwache Superschurke Ivan Vanko. Mikey Rourke macht seine Sache eigentlich ganz ordentlich und schafft es sogar trotz Botox-Fresse ein paar Falten in die Stirn zu furchen. Gegen den schillernden Tony Stark verblasst er aber einfach. Aber auch hier gilt: macht nix. Was uns sonst noch aufgefallen ist: der Film spart sich überflüssige Kampf- und Baller-Szenen. Eigentlich gibt es nur zwei echte Konfrontationen, von einer freundlichen Prügelei unter gepanzerten Superhelden-Kumpels mal abgesehen. Die beiden Fights haben es dafür aber in sich. Kurz, knackig und mit ziemlich grandiosen Bildern. Besonders das zersägte Grand-Prix-Rennen in Monaco hat den Exploratoren gefallen. Trotzdem ist der Film kurzweilig. Die Überlänge merkt man Dank des fluffigen Drehbuchs nicht ein bisschen.

Prince of Persia (kürzen wir das mal mit PoP ab, heheh…) hat hingegen kein Kino-Erbe zu schleppen. Was man natürlich erwarten darf, ist das die Truppe um Super-Erfolgs-Produzent Jerry Bruckheimer das Videospiel, das als Vorlage diente, angemessen umsetzt. Die PoP-Spiele, von denen es in den letzten 20 Jahren gefühlte 40 Folgen gab, zeichnen sich im wesentlichen durch extrem geschmeidige Hüpf und Kletter-Action aus. In dieser Hinsicht macht der Film nichts falsch. Jake Gyllenhaal läuft fast schwerelos an den schicken Palastwänden hoch, entlang und –  schwupps –  drüber hinweg. Das ganze wirkt nie krampfhaft; man hat immer das Gefühl, das zu mindestens der junge Jacky Chan das sogar wirklich hinkriegen könnte. Gylli traut man das allerdings nicht wirklich zu. Dafür kann er aber schön dackel-blicken.  Als weiteres Element kommt der ‘Sand der Zeit‘ hinzu. Im Spiel ist das die logische Weiterentwicklung des Abspeichern-Neuladens, mit dem man sich ansonsten durch schwierige Stellen hindurch quält. Wenn was schief geht, dreht der Sand die Zeit zurück und man fängt kurz vor der schweren Passage wieder an. Bis es klappt. Im Film wird daraus ein schicker CGI-Effekt und die Möglichkeit, krepierte Kumpels und Protagonisten wieder auf die Leinwand zu holen. Die Radikalität, mit der das Drehbuch diese Möglichkeit benutzt, fanden wir ganz beeindruckend. Mehr wird aber nicht gespoilert… Leider, leider macht der Film an anderen Stellen nicht alles richtig. Die Kämpfe wirken ungenau choreografiert. Oft stehen Personen einfach nicht an den Stellen, wo man sie erwarten würde. Überblick und Glaubhaftigkeit gehen im Stroboskop der schnellen Schnitte leider flöten.  Und das mögen die Exploratoren gar nicht. Und natürlich sieht keiner, aber auch keiner, der Darsteller persisch oder arabisch aus. Nun ja, das ist man generell aus Hollywood gewöhnt. Sei’s drum. Am niedlichsten ist vielleicht die kleine Han Solo/Prinzessin Leia-Story, die zwischen Gylli und der chiquen Gemma Arterton abläuft.  Reicht zwar nicht an die Star Wars Vorlage ran (es fehlt sowohl an Witz, als auch an Dramatik), macht den Film aber Frauen-kompatibler als… sagen wir mal, Ironman 2.

Welchen Film sollte man also im Kino geniessen und welchen kann man sich besser auch als  DVD (oder sonstwie) zu Hause an sehen? Wenn man vor der Wahl steht, raten die Exploratoren zu Ironman 2. Ehrlicher, lauter, verchromter. Ein Film für den Ingenieur im Kind. Und den Militär-Fetischisten. Und den Playboy.

Und PoP? Ist die bessere Wahl, wenn man seine Freundin mit ins Kino nehmen muss. Aber wer macht das denn, wenn man sie in der Zwischenzeit auch alleine in ‘Sex in the City‘ schicken kann?

Kampf der Titanen: Tradition in 3D

Geschrieben am 16. April 2010 in DVD, Kino von Reaktorblock || 2 Kommentare

Die Leute wollen 3D. Spätestens seit Avatar. Also liefert Hollywood 3D. Natürlich ist es nicht unbedingt sinnvoll eine Story, wie, sagen wir mal… Brokeback Mountain, als optisches Blockbuster Event aufzuziehen. Also wird nach Stoffen gesucht, die dem Kinobesucher mit voller Wucht ins Gesicht ballern. Die einen in die Sitze drücken und einem den Mund offen stehen lassen. Achterbahn-Jahrmarkts-Kino. Fündig geworden ist man bei einem grossen Pionier des optischen Unterhaltungskinos: Ray Harryhausen (geboren 1920, immer noch am Leben, cool). Ray zog in den 50er, 60er, 70er-Jahren die amerikanischen Kids mit Monster-Märchen in die Kinos. Das waren Filme mit einfachen Geschichten, klaren Helden und wunderschön gemachten Monstern, die sich diesen Helden in den Weg stellten. Nicht nur die planaren Exploratoren lieben ihn, sondern auch Filmemacher wie Peter Jackson oder George Lucas. Harryhausens letzter Film war ‘Kampf der Titanen’ (Clash of the Titans), einer von Rays (sehr freien) Ausflügen in die griechische Mythologie. Und genau dieser Streifen ist als Remake nun wieder in den Kinos. Natürlich grösser, lauter und in 3D.

Plakat leider nicht in 3D

Was die Exploratoren gefreut hat: der Film von Louis Leterrier (Regie) behandelt sein Orginal mit Charme und vielleicht sogar ein bisschen Ehrfurcht. Es gibt das eine oder andere lustige gemeinte Zitat; es gibt aber auch Settings und Einstellungen, die komplett aus dem 81′er Film übernommen wurden. Insbesondere der Kampf von Perseus gegen die Gorgo Medusa, deren Blick einen Menschen versteinert, sieht erstklassig aus. Harryhausens Idee, dem Schlangenmonster Medusa zusätzlich noch einen Bogen als Distanzwaffe in die Hand zu drücken, wurde beibehalten. Das führt zu einer Kampfsituation, in der Perseus seiner Gegnerin immer der Rücken zudrehen muss (sonst wird er versteinert), aber gleichzeitig auch verhindern muss, das ihm die Medusa einen Pfeil zwischen die Schultern pflanzt. Grossartig. Das Design der Medusa wurde später übrigens in zahlreichen PC/Video-Spielen kopiert, und gehört inzwischen zum allgemeinen Canon der Nerdkultur.

Auch der restliche Film kann sich sehen lassen. Austattung und Design sind auf jeden Fall OK. Und die meisten Schauspieler machen eine ordentlichen Job. Das einzige Problem in dem Film, das die Exploratoren ausmachen konnten, war Sam Worthington als Hauptdarsteller (und Sohn des Zeus). Erstens: verglichen mit dem Rest des Casts wirkt Sam ungefähr so griechisch wie ein Hamburger neben einer Tüte Gyros. Zweitens konnten wir in seinem Gesicht kaum eine sichtbare Gemütsregung erkennen. Ein ähnliches Problem hatten wir ja schon in Avatar, schrieben es damals aber noch als Drehbuchpanne ab. Aber in Kampf der Titanen zieht diese Entschuldigung nicht mehr. Denn alle umgebenden Charaktere, allen voran die bärbeißigen Kampfgefährten des Perseus, kommen cooler und glaubhafter rüber als der doofe Sam. Aber was soll’s, wir gucken eh’ auf die Monster. Also Schwamm drüber…

Um sich etwas vom Original abzuheben, wurde auch die Story etwas umgebastelt. Bei Harryhausen ging es um einen eifersüchtigen Konflikt zwischen Göttervater Zeus und der Göttin Thetis. In der modernen Fassung ist der Kampf der Titanen höher aufgehängt: zuerst stellen sich die Menschen gegen die Götter und gegen Ende kriselt es dann noch zwischen den unsterblichen Brüdern Zeus und Hades. Uns hat es gefallen ;-)

Insgesamt müssen wir sagen: wir wurden 2 Stunden prima unterhalten. Der Film sieht toll aus, auch wenn die 3D Technik nicht an Avatar rankommt. Gegen Ende fiel uns ein leichtes Flimmern in den hellen Einstellungen auf. Im Netz kann man nachlesen, dass Kampf der Titanen ursprünglich als 2D geplant war und erst nachträglich auf stereoskopisches Kino konvertiert wurde. Man mag es kaum glauben. Aber möglicherweise ist das der Grund für das leichte Flimmern. Trotzdem hat der Film einen tollen mythischen, griechischen Look und bombastische Aktion-Sequenzen. Und mehr hatten wir auch nicht erwartet. Freuen wir uns auf das Remake von ‘Jason und die Argonauten’? Auf jeden Fall…

Avatar 3D

Geschrieben am 24. Dezember 2009 in Kino von Reaktorblock || 1 Kommentar

Vorsicht, diese Kritik enthält Spoiler. Weiterlesen auf eigene Gefahr ;-)

James Cameron hat die Seiten gewechselt. So jedenfalls könnte man den Endfight aus Avatar deuten, wenn man ihn mit Camerons legendärem Action-Meilenstein Aliens 2 vergleicht. Damals prügelte sich die nette Sigourney Weaver in einem Battlemech mit der bösen Fauna (der Alienqueen). Heute prügelt sich die nette Fauna mit den bösen Battlemechs der menschlichen Invasoren.

Bio ist toll. Die Botschaft hängt so plakativ vor dem Film, das man keine 3D Brille braucht, um sie zu erkennen. Bio sieht klasse aus. Es leuchtet schimmernd blau in der Nacht, wenn man sich nur traut, die Fackel auszumachen. Überhaupt, mit dem Feuer kam ja das Schlechte in den Menschen. Licht aus, Bio an, und alles wird gut (und blau). Etwa auf diesem Niveau bewegt sich die Moral des Filmes. Der dünne Plot ist aufgeladen mit symbolischen Bildern und erhobenen Zeigefingern. Riesenbäume stürzen zusammen wie das World Trade Center. Die Indi-Aliens vernetzen sich via Neuronen-Zopf mit ihrem planetaren Supi-Netzwerk. Netzwerke sind OK, solange sie Bio sind.

Das alles wäre soweit ganz nett, wenn eines mit dabei wäre: interessante Charaktere. Es fehlt die hemdsärmelige Ripley, die durchgeknallte Sarah Connor mit ihrem rotzfrechen Sohnemann. Es gibt keinen menschlichen Roboter, wie den T-800 und keine beinharte Vazquez, die sich am Ende mit ihrem verhassten Lieutenant zusammen in die Luft sprengt. Die beste Rolle mit der besten Dialogzeile ( “Ich muss Proben nehmen…”) hat am Ende wieder Mrs. Weaver. Der Rest beibt blass, trotz der satten Blau-Töne. Oder gerade deswegen? Ansätze sind vorhanden, werden aber nicht weiter entwickelt: Jack Scullys Querschnittslähmung und seine Avatar-Sucht oder seine nerdigen Kollegen aus dem Wissenschafts-Team. Das alles hätte viel Stoff für interessante Handlungsstränge oder den einen oder anderern witzigen Dialog liefern können. Statt dessen aber Bio in 3D. Das sieht natürlich super aus und rechtfertigt astronomische Produktions-Budgets. Und führt wieder mal dazu, dass die Charaktere des Films von der Technik an die Wand gedrückt (nicht gespielt) werden. Nennen wir es mal das Jar-Jar-Binks-Syndrom.

Der kritische Symbol-Charakter des Films ist, gerade für eine US-Produktion, sicher lobenswert. Klar, wir waren fies zu den Indianern und genauso beschissen benehmen wir uns heute in der arabischen Welt. Leider macht das Avatar nicht einen Millimeter interessanter. Die Schauwerte bleiben bunt und blau leuchtend im 3D-Vordergrund. Und da das ganze auch noch als Sience-Fiction (nicht Fantasy) rüber kommt, muss sich Avatar auch noch ein bisschen Kritik an den Plotholes gefallen lassen: wieso funktioniert die Avatar-Verbindung zwischen Jack und seinem Kunstkörper auch dort, wo alle anderen Funk und Ortungssignale ausfallen: in den (verschwurbelten) Flux-Zonen? Und welchen biologischen Zweck erfüllt eigentlich das mystische Leucht-Lametta-Netzwerk, abgesehen davon dass es am Ende als Deus Ex Machina herhalten muss?

Fazit: der Film ist eher eine Fortsetzung von Camerons Wunderbare-Welt-der-Tiefsee-Produktionen, als eine Anknüpfung an seine meisterhaften Action-Dramen.

Aber hübsch sieht er aus. Und ziemlich blau.

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