Über komische Würfel

Geschrieben am 20. Januar 2010 in Netzkultur, RPG, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Thomas Hillenbrand hat wieder einen exzellenten Artikel in seiner Reihe über Rollenspiele auf Spiegel.de veröffentlicht. Diesmal geht es um einen der Ur-Mythen der Pen and Paper Szene …Würfel ;-D. Wie immer sehr lesenswert.

Mein Freund Ârágòrn

Geschrieben am 7. Januar 2010 in Der Name des Monats, Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene, Netzkultur, RPG, WOW von Reaktorblock || 2 Kommentare

In Fantasy Romanen haben die Helden episch klingende Namen. Wenn die Geschichte gut und der Held interessant ist, bleiben uns diese Namen im Gedächtnis und wir erinnern uns mit wohligem Schauer an Gandalf, den Grauen, der auf einer dünnen Steinbrücke dem turmhohen Balrog entgegen schleudert: “Du kannst nicht passieren!”  Aber wenn wir uns am Samstag-Abend einer Zufallsgruppe im MMO unserer Wahl anschliessen, und dabei auf einen Charakter namens Gändalf treffen, holt uns die Wirklichkeit wieder ein. Wir denken nicht an den Herrn der Ringe, sondern an die zahllosen Hirnleichen, die gemeinsam mit uns in diesen Spielen unterwegs sind. Wir denken an die armen Menschen, für die der Augenblick der Namensfindung bei der Charakter-Erschaffung offensichtlich zur schlimmsten Folter ihres Lebens gehören muss. Anders ist es nämlich nicht zur erklären, dass sich vollkommen bescheuerte Namens-Mutationen in Online-Rollenspielen einer immensen Beliebtheit erfreuen.

Die WOW-Armory, ein herrlicher Ort, der un viele Abgründe offenbahrt. Unter anderem finden wir hier auch Gändalf, den gräuen.
Das WOW-Arsenal, ein Ort, der viele Abgründe offenbahrt. Unter anderem finden wir hier auch Gändalf, den gräuen. Und zwar 52 mal.

Und dabei ist der eigene Charakter in einem MMO das einzige, was noch ansatzweise mit Rollenspiel zu tun hat. Der Rest ist klicken, sammeln, stapeln und im besten Fall etwas Taktik um den WOW-Ringelpietz zu überleben. In Spielen, bei denen der Druck von Gamedesign und Community zwangsläufig dazu führen, das alle Spieler einer Klasse die selben Fähigkeiten (Skills) haben und die gleiche Ausrüstung tragen, ist der Name der letzte Ausdruck von Individualität. Und dann trifft man Gändalf. Ein PnP-Spieler, der diesen Namen mit an den Spieltisch bringt, würde sofort achtkantig aus dem Haus fliegen. Gilden- und Charakter-Name sind Visitenkarten. Sie verraten immer ein bisschen über den dahinter steckenden Spieler. Und wenn man dann dem Char Cool-Alli-Killa über den Weg läuft, hat man sofort eine ungefähre Vorstellung  von dem Typen, und dessen Spielweise. Namen sollten also mit Bedacht gewählt werden. Im richtigen Leben muss man damit klar kommen, was die Eltern-Generation für chique und wohlklingend hielt. In einem MMO hat man selber die Wahl. Eigentlich ein herrlicher Luxus.

Wenn man etwas tiefer in den Sumpf des schlechten Geschmackes eintauchen möchte, empfiehlt sich eine Suche in den Web-Datenbanken der grossen MMOs. Besonders die WOW-Armory ermöglicht ein herrliches Stöbern in den Produkten unserer verkümmerten Phantasie. Ein Ausgangspunkt sollen die Namen aus dem bereits erwähnten Fantasy Standardwerk “Der Herr der Ringe” sein. Eigentlich haben die Gefährten um Gandalf und Aragorn ja nichts auf einem WOW-Server verloren. Aber siehe da, eine Suche liefert immerhin sechs Gandalfs und sieben Aragorns. Eigentlich hätten wir mehr erwartet angesichts der Massen von dämlichen Namensklonen, die einem ständig über den Weg laufen. Ein Blick auf die Support-Seiten von Herstellern wie Blizzard oder Codemasters schafft Klarheit: Namen aus eigenen oder fremden Fantasy-Werken sind unerwünscht. Und natürlich auch alles, was irgendwie mit Sex zu tun hat, klar.  Auch ‘Leetspeak’ oder ‘Dudespeak’ sind untersagt. Das wirft natürlich die Frage auf, wie es besagte sechs Gandalfs und sieben Aragorns geschafft haben, dem wachsamen Auge von Mordor.. ähhh…Blizzard zu entgehen, aber das ist wohl eine Frage, die wir hier nicht abschliessend klären können.

Suchen wir also lieber noch etwas weiter und fügen mal den einen oder anderen kuriosen Strich hinzu. Elfensprache und Tschechisch sind ja offensichtlich eng verwandt. Erste Erfolge haben wir mit der Version Gândalf. 64 Einträge, nicht übel. Unser Stein des Anstosses, der Zauberer Gändalf, der Gräue, schafft es nur auf 52 Server. Ganz offensichtlich schlägt das â den Umlaut ä. Selbst Aragórn kommt weiter mit 76 Servern. Jetzt wollen wir es richtig wissen und verteilen Striche und Dächer was die Tastatur hergibt. Kein Vokal bleibt nackt: Ârágòrn. 3 Einträge, enttäuschend. Schade, denn der Name ist so bescheuert, das er schon fast wieder ironisch ist.

Aragorn
Den ‘echten’ Aragorn finden wir nur sieben mal, Gandalf schafft es nur auf sechs Server.

Kollege Aragórn hingegen existiert sage und schreibe 76 mal im WOW Universum. Soviel zum Thema Individualität.
Kollege Aragórn hingegen existiert sage und schreibe 76 mal im WOW Universum. Soviel zum Thema Individualität.
Fast schon wieder witzig. Allerdings eine Qual für alle Spieler, die den Namen irgendwo mal eintippen müssen. Und auch bestimmt lustig, falls man ihn mal buchstabieren soll.
Fast schon wieder witzig. Allerdings eine Qual beim Eintippen. Oder beim Buchstabieren.

Die absolute Top-Position wird übrigens nicht von einer Tolkien-Verwurstung besetzt, sondern von dem schnittigen, coolen Dunkelelfen Drizzt  Do’Urden aus den Werken des Hack’n'Slay-Poeten R.A. Salvatore. Drizzt selber bringt es nur auf 4 illegale Namens-Kopien, aber sein Schwippschwager Drîzzt hat eine weltweite Fanbase von 102 Kreativ-Zombies. Da kann man nur sagen: Gratz! Oder vielleicht besser: Grâtz?

Drizzt
Zwei rasiermesserscharfe Scimitars und ein gut geeichter Moral-Kompass zeichnen den Forgotten Realms-Helden Drizzt Do’Urden aus…
drîzzt
…und machen ihn zum absoluten Renner für dâch-freudige Namensdiebe: Drîzzt toppt alles mit satten 102 Namenskopien.

Aber nun ist es gut ,wir wollen das ganze nicht zu eng sehen. Das überlassen wir lieber den beinharten Rollenspielern. Auch ein Spassname kann nett klingen und eine Menge gutes über den Spieler dahinter aussagen. Wir erwähnen hier einfach mal den einmaligen Hannebambel Heckeschisser, ein DDO-Char mit einem Urhessischem Gebabbel-Namen, dessen humoriger Spieler eine Zier für jede Gilde ist. Hanne: Rock on!

Trotzdem gibt es, wie man oben sieht, eine Menge wirklich dämlicher Namen die, selbst aus der liberalen Sicht der Exploratoren heraus, am liebsten verboten werden sollten. Ârágòrn ist nicht nur peinlich, sondern er schädigt das Erlebnis der Mitspieler in schmerzhafter und zwanghafter Weise. Ârágòrn, Drîzzt und Gändalf sind nerviger Kreativmüll, dem man einfach nicht ausweichen kann. Man trifft sie nicht nur in Zufallsgruppen, sondern auch vor Auktionshäusern und Briefkästen. Sie erinnern uns immer wieder daran, das ein MMO eben kein Rollenspiel ist und dass gute Geschichten in einem Spiel Perlen vor die Säue sind. Und dass man mal wieder ein ordentliches Buch lesen sollte.

Um allen Geschädigten endlich eine Stimme zu verleihen, haben wir uns entschlossen, eine neue Rubrik einzurichten: den Namen des Monats. Wir wollen aber nicht nur die Deppen anprangern, sondern auch die Poeten ehren. Schickt uns also einen Screenshot von einem Char mit einem bemerkenswerten Namen. Bemerkenswert schön oder bemerkenswert blöd. Dazu einen kurzen Text, wo ihr den Spieler getroffen und warum ihr ihn ausgewählt habt. Die Exploratoren erledigen den Rest. Wir sind gespannt…

Ärägôrn
Und hier der Matchwinner für diesen Monat: Ärägôrn, der Untalentierte. Exakter kann ein Charakterbogen nicht werden…

DDO ganz unten

Geschrieben am 27. Oktober 2009 in Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene, RPG von Reaktorblock || Keine Kommentare

Es gibt Momente in Spielen, die man nie vergisst. Weil sie besonders schön, besonders hässlich, poetisch oder vielleicht auch rotzig sind. Oder manchmal auch nur sauschwer. Eine dieser bemerkenswerten Stellen in Dungeons & Dragons Online ist die Instanz  ’The Pit’. Dieser Artikel ist keine Komplettlösung. Die gibt es nämlich bereits hier. Es geht nur darum zu zeigen, wie schön es sein kann, eine abendfüllende Tour durch Schleim, Fallen und verwirrende Architektur zu machen. Und wenn Sie dabei ein paar kleine Tipps auflesen, umso besser.

Die Story hinter der Instanz ist schnell erzählt: in der Haus Deneith-Enklave liegt die unterirdische Abfallvernichtungs-Anlage von Stormreach. Leider ist in dem Dreckloch irgendetwas schief gelaufen und nun droht die Stadt an ihrem eigenen Müll zu ersticken. Also werden Sie angeheuert, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. Soweit der konventionelle RPG-Einheitsbrei. Aber schon direkt nach dem Betreten des Dungeon wird deutlich: hier ist alles ganz anders! Denn: ‘The Pit’ ist eine senkrechte Instanz.

Die Handlung spielt sich in zwei riesigen runden Treppenhäusern ab, die wie zwei parallele Rohre in die Tiefe gerammt wurden. Um dieser beiden Röhren herum findet man zahlreiche weitere Verliese und Höhlen, die man im Laufe des Abenteuers besuchen muss.  Der Ablauf der Story ist linear: erst den Ersatzgenerator wieder in Gang bringen, dann den ersten Hochofen anfeuern, danach das Sicherheitssystem einschalten usw… Details entnehmen Sie – wie gesagt – besser der Komplettlösung.

Das Treppenhaus von The Pit. Federfall erspart zumindest
Das Treppenhaus von The Pit. Federfall verkürzt zumindest den Weg nach unten.
Der Weg nach Oben dauert naturgemäss länger.
Der Weg nach oben dauert dann naturgemäss länger.

Was man bei den einzelnen Aufgaben erledigen muss, ist die perfekte Essenz von DDO. Es wird geklettert, gesprungen, gerätselt. Es werden Fallen entschärft und diverse Gegner-Hinterhalte überwunden. Spieler, die unvorbereitet in The Pit gehen, haben keine Chance. Der Zauber Federfall ist ein absolutes Muss. Hohe Werte beim Balancieren und Springen sind ebenfalls vorteilhaft. Und natürlich eine ausgewogenen Gruppe: Heiler, Tank, Schurke und eine Schadensklasse sollten bei der Expedition dabei sein.

Eine der bemerkenswertesten Stellen im Abenteuer ist die Aktivierung des dritten Hochofens. Zu Beginn der Aufgabe muss sich die Gruppe aufteilen. Während ein einzelner Recke am Boden zurück bleibt, steigen die restlichen Abenteurer auf ein Ventil, dass von dem zurückbleibenden Charaktere aus einiger Entfernung bedient werden muss. Wird das Ventil geöffnet, werden die Freunde von den austretenden Gasen hoch in die Luft geschossen. Beim Rücksturz (Federfall!!!) müssen die Helden auf einer schmalen Querstrebe landen, denn nur von dort geht der Weg nach oben weiter. Bösartigerweise erscheinen nun am Boden zahlreiche Gegner, mit denen sich der zurück gelassenen Spieler alleine rumschlagen muss. Wer jetzt an Jump’n'Run denkt, liegt gar nicht mal falsch. Hat das etwas in einem MMO verloren? Unbedingt, denn es macht einen Heidenspass, dem Gruppentrottel zum ‘zigsten Mal dabei zuzusehen, wie er nach einem Fehltritt wieder in die luftigen Höhen katapultiert werden muss. Abgefahrener kann DDO nicht mehr werden. Und die Keksfabrik in Super Mario Galaxy ist allemal schwerer…

I believe I can Fly! Der Sprung im Dampfstrahl ist einmalig in DDO. Und wahrscheinlich auch einmalig in der gesamten MMO-Welt.
I believe I can Fly! Der Sprung im Dampfstrahl ist einmalig in DDO. Und wahrscheinlich auch einmalig in der gesamten MMO-Welt.

Übrigens: die grösste Herausforderung in dem Modul ist es, die Orientierung in dem Röhrensystem zu behalten. Was nicht heissen soll, dass The Pit ein verworrenes Labyrinth ist. Man muss nur den Kopf anschalten, sobald man die Röhren betreten hat. Wenn man den generellen Plan erst mal verstanden hat, kommt man gut voran. Ansonsten verschenkt man sehr viel Zeit mit hin-und-her rennen. Was schnell frustrieren kann.

Gleich zu Beginn des Dungeons wird man mit diesem SChalterrätsel konfrontiert. Warmduscher nutzen die Komplettlösung.
Gleich zu Beginn des Dungeons wird man bei der Reaktivierung des Ersatzgenerators mit diesem Schalterrätsel konfrontiert. Für Warmduscher gibt’s eine Komplettlösung.

Auch als direkter Durchmarsch ist The Pit ungewöhnlich lang für eine DDO-Instanz. 2-3 Stunden Spielzeit muss man einplanen, wenn man nicht über Charaktere verfügt, die wesentlich über dem Level 7 der Instanz liegen. Auch mit Chars der Stufen 8-10 ist The Pit noch sehr interessant, denn die lange Spielzeit wird mit einer prallen XP-Ladung versüsst. Also: Gummistiefel anziehen und rein in die Scheisse! Hinterher darf man sich wirklich auf die Schulter klopfen.

Troglodyten trifft man in unangenehm grossen Mengen. Dazu kommen noch eine Vielzahl von schleimigen Blobs.
Troglodyten trifft man in unangenehm grossen Mengen. Dazu kommt eine Vielzahl ekliger, schleimiger Blobs.
Der Endkampf ist zwar schwer...aber eine Gruppe, die es bis hierher geschafft hat, sollte damit fertig werden.
Der Endkampf ist zwar schwer…aber eine Gruppe, die es bis hierher geschafft hat, sollte damit fertig werden.
Ein Sturz bis auf den Boden der Grube endet natürlich in einem Lavasee. Gierige Abenteuer können nach dem Ende der offiziellen Quest hier noch eine Zusatzaufgabe erledigen. Als Loot winkt ein Streitkolben, der resistent gegen Säureschaden ist.
Ein Sturz bis auf den Boden der Grube endet natürlich in einem Lavasee. Gierige Abenteuer können nach dem Ende der offiziellen Quest hier noch eine Zusatzaufgabe erledigen. Als Loot winkt ein Streitkolben, der resistent gegen Säureschaden ist.

DDO: Charaktere mit Charakter

Geschrieben am 17. September 2009 in Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene, RPG, WOW von Reaktorblock || Keine Kommentare

Wenn man frisch mit einem MMO startet, ist der Charakter-Erschaffungs-Screen im allgemeinen der erste Berührungspunkt mit dem Spiel. Grund genug, dass wir unsere neue Artikel-Reihe über DDO mit einem Bericht die Charaktere (Toons, Avatare, Chars…) des Spiels beginnen möchten.

DDO ist die MMO-Umsetzung des weltweit erfolgreichsten Pen und Paper Rollenspiels ‘Dungeons und Dragons’. Es bezieht sich auf die (nicht mehr aktuelle) 3.5 Version der PnP-Regeln, die als extrem umfangreich und komplex gilt. Zu Recht. Allein der Seitenumfang der D&D 3.5 Regeln sollte deutlich über  5.000  Seiten betragen und ausreichen, um jeden noch so ausgefuchsten Simulationsfreak damit tot zu prügeln. Aus diesem hochgradig nerdigen Fundus haben sich die MMO-Bastler von Turbine bedient, um ihre Online-Version des Spieles zu erschaffen.

Wie im PnP-Spiel basieren die Chars auf den traditionellen sechs D&D Attributen Stärke, Geschicklichkeit, Konstitution, Intelligenz, Weisheit und Charisma. Ähnliche Systeme findet man so ziemlich in allen MMOs. Nichts ungewöhnliches also. Aber schon wenn man sich die spielbaren Rassen ansieht, trifft man auf die ersten erfrischenden Abweichungen vom WOW/Tollkien-Einheitsbrei. Denn neben den Rassen Mensch, Elf, Dunkelelf, Halbling und Zwerg (gähn), darf man sich einen zwei Meter grossen ‘Kriegsgeschmiedeten’ (englisch: Warforged) aussuchen. Diese roboterartigen Kunstwesen aus Metall, Holz und Fleisch sind eine Spezialität der Spielwelt ‘Eberron’, auf der DDO angesiedelt ist. ‘Eberron’ wurde gezielt als Kontrastprogramm zu der bekannten (und vielleicht etwas verbrauchten) D&D-Welt ‘Forgotten Realms’ konzipiert, die man aus ‘Baldurs Gate’, ‘Neverwinter Nights’ oder ‘Pools of Radiance’ kennt. Aber zurück zum Charakterdesign…

Stahl, Blut, Holz und lila Klamotten. Die Warforged sind eine willkommene Abwechslung vom MMO-Einheitsbrei.Stahl, Blut und lila Klamotten. Die Warforged sind eine willkommene Abwechslung vom MMO-Einheitsbrei.

Wie es sich für ein MMO gehört, muss man seiner Figur nach der Wahl der Rasse einen Beruf verschaffen. Bei DDO stehen folgende Jobs zur Auswahl: Kämpfer, Magier, Schurke, Kleriker, Kung-Fu-Mönch, Hexer, Barde, Barbar, Paladin, Waldläufer und seit neuestem die Heiler-Klasse ‘Favored Soul’. Das besondere daran: man kann bis zu drei Klassen miteinander kombinieren, um eigene Mischklassen zu erzeugen. Eine Kombination wie Lvl2-Kämpfer/Lvl2-Hexer/Lvl10-Kleriker ist bei DDO keine Seltenheit. Das System bietet also jede Menge Platz für die seltsamsten Experimente. Was man noch wissen muss: nicht alle Optionen stehen von Anfang offen. Je nachdem auf welchen Servern man spielt (free2play bei Turbine oder Abo bei Codemasters) muss man sich die exotischen Varianten (Mönch, Warforged, Dunkelelf, Favored Soul) mit Turbine Points kaufen oder durch Rufpunkte  frei spielen.

Auch durch das Multi-Classing grenzt sich DDO von anderen MMOs ab.Auch durch das Multi-Classing grenzt sich DDO von anderen MMOs ab.

Wenn man sich dann endlich für eine Rassen/Klassen Kombination entschieden hat, müssen noch Punkte auf Fertigkeiten und Talente verteilt werden. Nirgendwo steht geschrieben das Charakter-Erschaffung schnell gehen muss… Immerhin bietet Turbine dem Casual-Gamer auch ein vereinfachtes System an, bei dem man sich nur für einen Basis-Spielstil (Nahkampf, Zaubern, Spezialist) entscheiden muss. Alle tiefer gehenden Entscheidungen (Attribute, Fertigkeiten, Talente) werden dabei vom Spiel getroffen.

Ein Wort zum Leveln und Aufsteigen in DDO: traditionsgemäss hat Dungeons & Dragons 20 Level. Da nun das gesamte Spiel als MMO viel, viel schneller läuft als ein PnP-Spiel, sind diese 20 Stufen zu wenig, um die Spieler lange im Abo zu halten. Deshalb hat Turbine jeden Level nochmal in 5 ‘Ranks’ unterteilt. Jeder Rank bringt einen neuen ‘Action-Point’, den man sammeln kann, um ihn früher oder später für die sogenanneten ‘Enhancements’ einzutauschen. Die Enhancements dienen ähnlich den Talenten und Fertigkeiten der weitergehenden Spezialisierung des Charakters.

Welchen Nutzen hat nun dieser immense Aufwand, der hier dem Spieler abverlangt wird? Das Ziel der Übung ist es, dem Gamer möglichst viele Freiheiten und Spiel-Stile zu ermöglichen. Man kann z.B. seinen Schurken als klassichen Nahkampf-Schleich-Damage-Dealer à la WOW spielen, man kann ihn zu einem Fernkampf-Sniper ausbilden, oder man macht einen Indiana Jones – Spezialisten für Fallen, Schlösser und Geheimtüren aus dem Burschen. Und das sind nur ein paar Beispiels-Optionen zwischen denen man wählen kann. DDO bietet in seinen Instanzen wesentlich mehr Aktionsmöglichkeiten an, als die herrkömmlichen Feld-, Wald- und Wiesen-MMOs. Neben den bereits erwähnten Beschäftigungen (Fallen entschärfen, Schlösser knacken, Türen finden) muss man Springen, Balancieren und Tauchen. Dazu kommen natürlich die klassischen MMO-Beschäftigungen: Tanken, Draufhauen, Heilen. Eine erfolgreiche DDO Gruppe sollte also folgende Rollen abdecken:

  1. Tank (Kämpfer, Paladin, vielleicht Kleriker, Favored Soul, Barbar)
  2. Damage Dealer (Magier, Schurke, Barbar, Mönch, Hexer, Waldläufer, Kämpfer)
  3. Heiler (Kleriker, Favored Soul, Paladin, Barde)
  4. Fallen-Spezialist (kann nur der Schurke)
Durch das Multiclass-System können sich diese Rollen soweit überschneiden, dass sogar eine 2 Mann-Gruppe erfolgreich sein kann, wenn sie sich in Dungeons wagt, die 1-3 Level unterhalb der eigenen Charakter-Stufe liegen. Zudem können offene Plätze durch Nichtspieler-Söldner aufgefüllt werden. Allerdings werden die Instanzen zum Ende des Spieles hin deutlich härter, was Mini-Gruppen aus Misch-Charakteren das Leben recht schwer machen kann. Solo-Spielen sollte man sich ganz von der Backe meisseln. Das funktioniert lediglich in den unteren Bereichen des Spieles (Stufe 1-6). Danach wird das Alleine-Spielen zu einer elenden Quälerei, die nur noch mit wenigen Klassen und nur durch fricklige exploits in der Gegner-KI funktioniert. DDO ist wie die Vorlage Dungeons & Dragons ein Gruppenspiel. Kein Solo-Spiel und kein ausbalanciertes (also faires) PvP. Das mag für viele Spieler ein sofortiges KO-Kriterium sein, ermöglicht aber das Design von wirklich abwechslungsreichen Instanzen. Und die werden wir uns in einem späteren Bericht mal genauer ansehen.

Wir halten für heute erstmal fest:  ein Spiel mit anspruchsvollen Dungeons braucht anspruchsvolle Helden!

Die Gesichter der Charactere sind gelungen. Hier ein planarer Explorator mit einen blauen Drachenmal im Gesicht.Die Gesichter der Charactere sind detailliert. Hier ein planarer Explorator mit einen blauen Drachenmal im Gesicht.

Auch die Ausrüstung ist reich an Polygonen (rund) und fein texturiert (schick beklebt). Hier ein Pala in seiner stolzen Rüstung.Auch die Ausrüstung ist reich an Polygonen (rund) und fein texturiert (schick beklebt). Hier der stolze Martasou von den Exploratoren in seiner Rüstung.

Diese Schwert wird benutzt. Eine entsprechende Textur auf der Klinge sorgt für den 'used-look'. Dafür findet man weniger Leuchti-Bunti-Glitzi-Effekte, als beim Marktführer.Diese Schwert wird benutzt. Eine entsprechende Textur auf der Klinge sorgt für den ‘used-look’. Dafür findet man weniger Leuchti-Bunti-Glitzi-Effekte, als beim Marktführer.

Noch mehr Details: eine Giftflasche am Rucksack. Leider zeigt DDO nicht wirklich alle Ausrüstung, die der Charakter trägt. Mäntel, Gürtel, Schuhe und leider auch Brillen werden nicht angezeigt. Dafür wirken die Rüstungen aber auch mehr wie 'aus einem Guss' und nicht wie eine Altkleidersammlung.Noch mehr Details: eine Giftflasche am Rucksack. Leider zeigt DDO nicht wirklich alle Ausrüstung, die der Charakter trägt. Mäntel, Gürtel, Schuhe und leider auch Brillen werden nicht angezeigt. Dafür wirken die Rüstungen aber auch mehr wie ‘aus einem Guss’ und nicht wie ein schriller Einkaufsbummel durch die Second-Hand-Shops.

Insgesamt sehen die Chars weniger cartoonhaft aus, als in WOW. Dieser 'realistische' Look von DDO führt aber auch dazu, dass die Figuren sich alle etwas ähnlich sehen. Hier ein DDO-Zwerg mit stilecht griesgrämigem Gesicht.Insgesamt sehen die Chars weniger cartoonhaft aus, als in WOW. Dieser ‘realistische’ Look von DDO führt aber auch dazu, dass die Figuren sich alle etwas ähnlich sehen. Hier ein DDO-Zwerg mit stilecht griesgrämigem Gesicht.

Auch diese beiden Elfen sehen sich im Gesicht recht ähnlich. Die extravaganten Klamotten schaffen dann aber wieder die nötige Individualität. Die beiden französchischen Spieler(innen?) scheinen jedenfalls zufrieden zu sein. Auch diese beiden Elfen sehen sich im Gesicht recht ähnlich. Die extravaganten Klamotten schaffen dann aber wieder die nötige Individualität. Die beiden französchischen Spieler(innen?) scheinen jedenfalls zufrieden zu sein.

Mass Effect: Kämpfen ist Silber, Reden ist Gold.

Geschrieben am 7. September 2009 in RPG, Single Player, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Endlich wieder eine Solo-Expedition der planaren Exploratoren. Unser Ziel: das Mass Effect Universum von Bioware. Warum?

Weil wir gerne mal in Ruhe Solo spielen.

Weil wir seit ‘Baldurs Gate II’ (eine halbe Ewigkeiten her) kein Bioware Spiel mehr gespielt haben.

Weil wir uns warm spielen wollen für ‘Star Wars: The Old Republic’.

Weil es, selbst als englischer Import, nur ein paar lächerliche Euros kostet.

Also ran an die Railgun. Aber bevor wir das erfrischend trockene (!) Sience Fiction Universum von Mass Effect betreten, ein kurzer Hinweis: wenn Sie Wert auf wirklich gute Dialoge legen, spielen sie die englische Sprachversion. Die deutsche Synchro ist sicher keine Katastrophe im Range einer Asteroidenkollision… aber die englischen Orginalstimmen sind um Längen besser. Nebenbei bekommt man sogar ein paar C-Promis der Nerdszene wie Marina Syrtis auf die Ohren (a.k.a. ‘Councelor’ Dianna Troy, Star Trek).

Sobald man etwas in den Gameplay-Mix aus Rollenspiel, Taktik-Shooter und Adventure eingetaucht ist, merkt man schnell, warum Bioware zur Zeit als eine der heissesten Spiele-Schmieden der Welt gelten. Mass Effect hat all seine Preise zu Recht verdient. Das es während des Launchs etwas in den Schatten von GTA4 und Fallout 3 geriet, ist schade, aber das sollte niemanden abhalten, das Spiel jetzt nicht doch noch als Budget zu schiessen. Also eine prima Chance, um die Abenteuer des intergalaktischen Spezialagenten ‘Commander Shepard’ im verregneten Herbst fix mal durchzudaddeln.

Es knallt, raucht und strahlt in allen Farben. Taktische Gefechte, in Echtzeit oder auch mit Timestop.

Es knallt, raucht und strahlt in allen Farben. Taktische Gefechte, in Echtzeit oder auch mit Timestop.

Kern des Gameplays sind die sehr schicken Kämpfe, die man als 3-Mann/Alien-Team absolviert. Zahlreiche Optionen wie Psi-Fähigkeiten, Spezial-Manöver oder technische Gimmicks machen die Klopperei abwechslungsreich, bunt und spannend. Leider lässt die erbeutete Ausrüstung (Loooot!) und ihre Integration ins Spiel etwas zu wünschen übrig. Die meisten Items gleichen sich wie ein Ei dem Anderem und unterscheiden sich lediglich an der Versionsnummer hinter dem Waffennamen (nach Killerpistole III kommt Killerpistole IV). Tja, wer mehr will, muss WOW spielen, da hat jedes Taschenmesser einen eigenen Neon-Effekt mit Partikel-Schweif.

Mass Effect strahlt am hellsten in seinen Dialogen. Im Prinzip hat sich hier seit ‘Baldurs Gate’ nichts wirklich geändert. Der Spieler entscheidet sich per Mausklick aus 1-5 Dialogzeilen für ’seine’ Antwort. Je nach RPG-Talenten (‘Einschüchtern’, ‘Einschleimen’, etc…) und beteiligten Personen ergeben sich im selben Gespräch durchaus unterschiedliche Auswahl-Möglichkeiten. Was ist daran jetzt toll? Ganz einfach. Die Antworten sind cool.

Erstens bietet ‘Mass Effect’ mindestens drei unterschiedliche ‘Stimmungen’ an: Arschkriecher (sozusagen), Diplomat (sozusagen) und Drecksack (wirklich…). Man hat also immer wieder die Gelegenheit der (virtuellen) Welt richtig die Meinung zu sagen. Klasse.

Shepard plauscht mit seiner Crew. Das Aussehen des Spezialagenten kann bis zu den Augenfalten manipuliert werden. Sie müssen also nicht zwangsläufig so hässlich aussehen wie dieser planare Explorator...

Shepard plauscht mit seiner Crew. Das Aussehen des Spezialagenten kann bis zu den Augenfalten manipuliert werden. Sie müssen also nicht zwangsläufig so hässlich aussehen wie dieser planare Explorator...

Zweitens: der Überraschungseffekt. Die Antwort-Möglichkeiten, aus denen man auswählt, stimmen NICHT zu 100% mit den finalen Antworten des Helden Shepard überein. Sie geben nur die grobe Richtung vor (zur Erinnerung: Arschkriecher, Diplomat, Drecksack). Was Shepard aus diesen Vorgaben macht, ist durchaus spannend. Besonders die aggressiven Varianten enden durchaus mal mit einer Handgreiflichkeit oder einem Kopfschuss (zur Erinnerung: Drecksack). In Szene gesetzt werden die Gespräche durch die Grafik-Engine mittels grossformatiger Kameraschüsse auf die Gesichter der virtuellen Sprecher. Die Animation der Gesichtszüge passt dabei immer gut zu den Emotion, die durch Text und Stimme rüber gebracht werden. Lediglich zwischen den Animationen der einzelnen Antworten erscheinen winzige Ruckler, die den filmischen Eindruck etwas trüben. Ansonsten perfekt.

Wenn ihnen jemand komisch kommt...

Wenn ihnen jemand komisch kommt...

Wählen Sie doch mal die unterste Antwort...

Wählen Sie doch mal die unterste Antwort...

...und es kommt sofort Schwung ins Gespräch!

...und es kommt sofort Schwung ins Gespräch!

Wir haben Mass Effect zur Zeit zu gefühlt 50% durchgespielt. Als Höhepunkte bleiben neben den feinen Grafiken vor allem die Dialoge in den Neben-Missionen hängen. Hier haben sich die Missionsdesigner teilweise selbst übertroffen. Man trifft auf eine hochrangige Diplomatin, die den Agenten Shepard auf die Suche nach ihrer verschollenen Schwester schickt – in der Hoffnung, das die abtrünnige, unliebsame Verwandte am Ende möglichst sauber und leise über den Haufen geschossen wird. Oder man muss einen eifersüchtigfen Admiral zur Routine-Inspektion auf das eigene Raumschiff lassen, dass normalerweise in der Flotte dieses verärgerten Militärs gelandet wäre, wenn man nicht selbst schon längst zum intergalaktischen Geheimdienst abkommandiert worden wäre. Klar, dass der ranghohe Kotzbrocken kaum ein gutes Haar an Shepards schickem Prototyp-Flitzer lässt. Für das gleiche Geld hätte man 1.000 reguläre Raumjäger bauen können! Herrlich, militärische Anschisse sind immer eine feine Sache.

Ein Universum voller Arschlöcher. Gut das wir Stiefel anhaben.

Ein Universum voller Arschlöcher. Gut das wir Stiefel anhaben.

Und schnell noch der letzte Tipp: lesen (oder besser hören) sie mal in das Compedium rein! Hier wird das ganze komplexe Mass Effect Universum erklärt. Und zwar meistens von einer schicken, sehr SF-mässigen Sprecher-Stimme. Dazu ein schönes Flaschenbier oder ein Glas Rotwein. Schöner kann nicht mal Guido Knopp die intergalaktische Geschichte erklären.

Mass Effect nimmt sich selber ernst und will kein Comic mit stereotypen Helden und Superschurken sein. Und siehe da: es funktioniert!

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