Nachdem wir fest gestellt hatten, dass die Vollversionen auf der Gamestar DVD nicht unserem Geschmack entsprachen, machten wir uns also auf die Suche nach weiterem Gaming-Futter. Und siehe da, die lieben Redakteure hatten doch tatsächlich eine Sammlung von 20 Independent-Games mit auf ihre Zugabe DVD gepackt. Als erstes fiel unser Blick auf das Strategie-Spiel Battle for Wesnoth. Nach der Installation begriffen wir schnell, dass wir hier ein waschechtes Rundenstrategiespiel in der Tradition von Empire, Battle Isleund dem klassischen Warlords (das klassische Warlords, nicht der bescheuerte Echtzeit-Mist, der später als Warlords Battlecry verkauft wurde). Damit war der Urlaub gerettet. Battle of Wesnoth wird offensichtlich von einer riesigen Community entwickelt. Der Abspann mit den beteiligten Personen scrollte jedenfalls runter bis zum Erdmittelpunkt. Auch die unglaubliche Anzahl der Sprachen, in die das Spiel übersetzt wurde (es gibt z.B. eine Version in Afrikaans) und die hohe Versionsnummer des Spieles (1.9.7), deuten darauf hin, dass an dem Projekt schon seit langer Zeit gearbeitet wird. Und man spürt den Aufwand und die Liebe, die in dieses Spiel gesteckt wurden, sofort. Die Software lief stabil, es gibt ein Tutorial und eine Vielzahl von Optionen, mit denen man das Spiel an den eigenen Geschmack anpassen kann. Der absolute Hammer sind aber die diversen Kampagnen, die als Futter zur Verfügung stehen. Die Feldzüge reichen von kurz (4 Karten) bis episch (30 Karten) und variieren auch im Schwierigkeitsgrad. Natürlich ist auch ein Multiplayermodus mit entsprechenden Karten vorhanden. Den haben wir allerdings nicht getestet und können deshalb nix dazu sagen. Was Wesnoth fehlt, sind Zufallskarten und Einzelszenarien. Da eine kleine Kampagne aber problemlos an einem Abend durch gespielt werden kann, fällt das kaum ins Gewicht. Am besten gefallen hat uns das Feature, mit dem kampferfahren Truppen innerhalb einer Kampagne von einem Szenario ins nächste übernommen werden können. So entwickelt sich nicht nur der Held, sondern auch seine Truppen. Da man jeder einzelnen Einheit einen eigenen Namen geben kann, wachsen einem die Burschen extrem schnell ans Herz.
Bitmaps soweit das Auge reicht. Zur Abwechslung gibt es handgemalte Charaktere. Aber…genau so muss es sein!
Ein ernster Kritikpunkt ist natürlich die Grafik. Wesnoth verzichtet vollkommen auf 3D Grafik und arbeitet nur mit 2d Bitmap-Bildern. Die sind zwar teilweise ganz niedlich animiert, wirken aber bei einer hohen Bildschirmauflösung schnell ziemlich fitzelig. Alles andere hätte natürlich dem Geist der Geist der guten alten Runden-Strategie widersprochen. Wer damit nichts anfangen kann, greift zum x-ten Aufguss von Civilisation, Heroes of Might & Magic oder dem empfehlenswerten Kings Bounty. Alle Spieler aber, die sich wehmütig an die guten alten Zeiten erinnern, dürfen sich Battle for Wesnoth (das ja keinen Cent kostet) sofort runter laden. Solche Spiele werden heute nicht mehr gemacht. Gut das es fleissige und begabte Fans gibt, die mit Projekten wie diesem diese Art von Gamedesign am Leben halten. Ach ja Versionen für MAC, Linux und Iphone gibt’s natürlich auch.
Es gibt nicht nur Landschaften, sondern auch Dungeons zu erforschen. Viele Abenteuer haben durchaus einen netten RPG touch. Auch wenn man keine Items einsammelt.
Trotz der Retro-Technik schafft es Battle for Wesnoth durch handgemalte Grafiken einen eigenen Charme zu entwickeln.
Normalerweise sind Zugabe DVDs auf Spielezeitungen ja Schrott. Aber vor ein paar Monaten ist uns mit Kings Bounty: The Legend (Gimmick auf diversen Gaming-Magazinen), seit langem mal wieder etwas wirklich Feines in die Finger gefallen. Auf den ersten Blick wirkt das Game wir ein aufgemotzter Abklatsch von Heroes of Might & Magic, wenn man aber genauer hinschaut, ist dann aber doch alles ganz anders. Fast.
Um was geht’s?
Um das Erkunden von grossen Weltkarten. Konflikte werden (wie bei HOMM) auf Mini-Karten als Runden-Taktik ausgetragen. Der eigentliche Spielablauf findet aber auf einer wunderhübschen und immens grossen Weltkarte statt, während man sich bei HOMM von Szenario zu Szenario hangelt. Das macht einen beträchtlichen Reiz des Spieles aus. Durch die grosse, persistente Weltkarte identifiziert man sich stärker mit Held, Truppen und Spielwelt. Ja, richtig gehört: auch der Held bleibt das ganze Spiel über erhalten. Man wird nicht von Charakter zu Charakter gescheucht, wie in den Heroes Kampagnen. Während man die Welt Stück für Stück erkundet, findet man Items, neue Truppen und Mission. Im Prinzip ist Kings Bounty also ein Rollenspiel mit taktischen Rundenkämpfen. Der Spielfluss ist gemächlich. Man muss vorsichtig Erkunden und reichlich hin- und her reisen, um immer die richtigen Gegner zum aktuellen Level zu finden.
Totaaaal schnucklig. Die Kings Bounty Spielwelt sieht aus, wie eine überzuckerte Spielzeuglandschaft.
Was gibt’s zu sehen?
Vor allem die Weltkarte. Die sieht, wie bereits erwähnt, großartig aus. Man kann in verschiedenen Stufen heran zoomen, um die zahlreichen animierten Details zu genießen. Der Grafikstil ist zwar ziemlich altbacken, passt aber dadurch zur klassischen Tollkien-Sandkasten Welt mit Elfen, Zwergen, Orks und Dämonen. Das Spiel will Old-School sein und schafft das zu 100%. Auch die Rundenkämpfe sehen cool aus. Leider kann die Story absolut nicht mithalten. Die vollkommen dröge Geschichte handelt von einem Viel-Völker-Krieg, der von irgendeinem X-beliebigen austauschbaren Verräter-Bösewicht angezettelt wurde. Zudem wird vollkommen auf Cut-Scenes oder Audio-Texte verzichtet. Alles läuft in winzigen Textfenstern ab. Wie gesagt, Old-School. Auch erwähnenswert: Kings Bounty ist recht lang, was heute ja fast schon eine Seltenheit ist. Die Exploratoren sind schließlich nach gut 3/4 der Handlung ausgestiegen. Bis dahin sind wir aber (von einem Heft-Zugabe-Spiel) gut unterhalten worden.
Man reitet nicht nur durch Aussengebiete, sondern auch durch Dungeons. Und da man nicht vom Pferd absteigen darf, reitet man auch mal durch fremde Schlafzimmer.
Wer soll das spielen?
Alle, die eine Vorliebe für rundenbasierte Schlachten haben, dürfen sich das Spiel mal ansehen. Die gemütliche Erkundung der Welt ist wirklich gelungen. Ein echtes Exploratoren-Spiel also. Wer sich nicht an den bescheuerten Might & Magic-Stories gestört hat, wird sich auch nicht an der dämlichen Kings Bounty-Story stören. Wenn man das Spiel nicht auf Heft CD erwischt hat, lohnt es sich vielleicht, die Nachfolger Armored Princess oder Crossworlds anzutesten. Bei dem niedrigen Preis kann man nicht viel falsch machen. Aufgrund der niedlichen Grafik kann man das Spiel auch gut zusammen mit Kindern am PC spielen.
Bunte Rundenkämpfe. Wenn man die mag, mag man auch Kings Bounty.
Hin und wieder gibt es einen (ziemlich leichten) Bosskampf zu erledigen.
Ranzoomen lohnt sich. Die detailverliebte Spielwelt bietet manchen netten Anblick.
Jetzt hat es auch die Planaren Exploratoren erwischt. Minecraft. Schaffe, schaffe Häusle baue. Lego zum drin rum laufen.
Die Faszination dieses Indi-Games ist nur schwer zu verstehen. Aber spätestens wenn die eigenen Kinder auf ihre angestammte Runde Super Mario Brothers verzichten, um zuzusehen, wie man die Pixelwildnis Stück für Stück in Zivilisation verwandelt (betoniert), beginnt man zu ahnen, dass es sich bei Minecraft um ein echtes Spiel handelt. Im eigentlichen Sinne des Wortes. Frei, undefiniert, vertraut und seltsam.
Mit dem letzten Patch hat der (der, nicht die) Entwickler Notch Wölfe als zähmbare Haustiere eingeführt. Die Tierchen sind damit das erste Pet in diesem Spiel. Auch das macht den Reiz dieses Games aus: man kann zusehen, wie es Stück für Stück weiter wächst. Also NEEEED Wölfe! Falls Ihr die gleichen Probleme mit dem Zähmen habt wie die Exploratoren, hier die Kurzanleitung zur Haustiergenerierung:
1. Wolf suchen und finden. Das kann dauern. Einige Leute behaupten, dass es mit dem eingestellten Schwierigkeitsgrad zu tun hat. Halten wir für ein Gerücht.
2. Auf jeden Fall einen grossen Stapel Knochen mit auf die Suche nehmen.
3. Wenn der Wolf gefunden ist, einen Knochen in die Hand nehmen
4. Wilden Wolf anvisieren
5. Ganz wichtig: RECHTS klicken! (Links ist ein Angriff. Der Wolf wird aggressiv und muss getötet werden…)
6. Solange mit Knochen in der Hand rechts klicken, biss kleine Herzchen über dem Wolf aufpoppen.
7. Der Wolf ist nun zahm und hat ein rotes Halsband. Er folgt euch auf Schritt und Tritt.
8. Ein Rechtsklick auf seinen Poschi lässt ihn Sitz machen. Falls ihr mal alleine aufs Klo (oder sonst wo hin) wollt.