Blizzard und ihr Feingefühl für Freiheit und Datenschutz

Geschrieben am 8. Juli 2010 in MMO-Szene, Netzkultur, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Am 06.07.2010 (letzte Nacht) änderten Blizzard, die Hersteller des Giganto-Seller-MMOs World of Warcraft die Spielregeln des Internet. In ihrem Forum verkündeten sie, dass in Kürze  bei jeder Forums-Antwort auf einen Blue Post (also eine offizielle Mitteilung) die sogenannte Real ID des Schreibers mit angezeigt wird. Mit anderen Worten: wer auf offizielle Blizzard-Nachrichten antwortet, muss das mit seinem echten Real-Namen tun, den Blizzard sich aus den Account- und Bezahldaten zusammen setzt. Schluss mit Reaktorblock, Schluss mit Grassfroschfresser, Schluss mit Noobkilla21. Schluss mit Netzfreiheit.

Ist Blizzard komplett durch gedreht? Oder ist das der Preis, den man dafür zahlen muss, wenn man zum weltgrössten Spiele-Konzern (Activision-Blizzard) dazu gehört? Ist das noch der Geist der Firma, denen Gameplay einst über alles ging? In deren Spielen ein Mensch ohne Einschränkungen gut oder böse sein dürfte? In deren Rollen-Spielen man als einzelne Person eine Vielzahl von verschiedenen Charakteren gleichzeitig entwickeln, spielen und sein durfte? Oder ist es eine verkrampfte Trotz-Reaktion, erzwungen durch endlose Angst-Diskussionen zwischen Konzern-PR-Krawatten-Zombies?

Es ist mit Sicherheit eines: der erste Fall, in denen eine Spiele-Community höchst offiziell mundtot gemacht werden soll. Blizzard ist es offensichtlich egal, dass nun jeder durch eine einfache Google-Suche herausbekommen kann, welche Spiele ich spiele: meine Frau, mein Boss und natürlich alle, die sich aus irgend welchen obskuren Marketing-Daten-Sammel-Gründen für mich interessieren.

Die erste (noch anonyme) Antwort, in dem inzwischen 74 Seiten langen Forums-Beitrag, in dem Blizzard ihre neue Weltordnung erläuterten war:

This is possibly the worst thing I’ve ever read in blue. I can’t even begin to fathom why you would do this.

Besser kann man die Traurigkeit der Spieler über den Verlust der Freiheit wohl nicht auf den Punkt bringen. Die MMO-Seite massively fragte nicht ganz abwegig: ist das vielleicht der WOW-Killer? Nicht Aion. Nicht Warhammer Online. Nicht Old Republic. Blizzard selber verliert offenbar komplett die Bodenhaftung. Man wird sehen, was passiert.

Der Siegeszug der Free to Play Spiele

Geschrieben am 6. Juni 2010 in Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene, Netzkultur, RPG, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Herr der Ringe Online wird Free to Play. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Bei DDO hat das in Deutschland noch niemanden so richtig interessiert, was vielleicht daran liegt, dass Turbine nie viel Geld für Werbung für das Spiel in Magazinen oder Websites ausgegeben hat. Und letztendlich schreiben die kommerziellen Seiten hauptsächlich über Projekte, von denen sie ein finanzielles Feedback in Form von Werbeschaltungen erwarten. Man muss aber auch zugeben, dass es Dungeons & Dragons selbst als Pen & Paper-Version in Good old Germany immer schwer gehabt hat. Im Zweifelsfall heisst der RPG Platzhirsch immer Schwarzes Auge.

Gollum freut sich: den Einen Ring gibt es demnächst im Item-Shop.
Gollum freut sich: den Einen Ring gibt es demnächst im Item-Shop.

Nun aber Herr der Ringe. Das MMO zum zweit-erfolgreichsten Roman aller Zeiten (erster ist Dickens  ‘A Tale of Two Cities’). Da rauscht es auch im deutschen Gaming-Blätterwald und die Foren kochen über mit hassgeschwängerten  Diskussionen à la ‘Nun ist die Scheisse im Ventilator’ oder ‘Hilfe die Free To Play-Kacknoobs kommen…’

Was für ein Schwachsinn. Die planaren Exploratoren gehören ja nicht zu den Typen, die ständig erwähnen: haben wir euch doch gleich gesagt…aber nun muss es sein. Seit der Wechsel von DDO zum Free to Play Modell angekündigt wurde, haben wir uns intensiv mit dem Thema beschäftigt. Und allen RPG-Hardcore-Niemals-OOC-Gamern, die jetzt das Panik-P auf der Stirn haben, sagen wir: bleibt mal locker, Jungens ! ! ! Es wird gut werden. Bestimmt. HdR bekommt endlich die Spielerzahl, die dieses (sicher tolle) Spiel verdient. Und wenn ein paar Kids dabei sind, die ihren ersten Ork im Leben am Briefkasten von Orgrimmar gesehen haben, was soll’s?  Dafür hat euch Turbine die Ignore-Liste gegeben.

Wir spielen seit 1,5 Jahren Dungeons & Dragons Online (DDO). Zuerst in Europa via Codemasters. Dann bei Turbine selber. Codemasters hat seinerzeit NICHTS für das Spiel getan und hinkt Lichtjahre hinter dem aktuellen US-Patchlevel hinterher. Das mag dem miesen Einfluss von Atari zu schulden sein – ist aber so. Wir sind nach dem F2P Launch zu Turbine gewechselt und haben sofort VIP-Abos abgeschlossen, weil wir Vielspieler sind. Glaubt uns: das Free to Play hat das Spiel meilenweit nach vorne gebracht. Es wird extrem regelmässig gepatcht, wobei alle Kundengruppen (free, abo, casual, heavy, stupid) gut bedient werden. Die Community ist jetzt riesengross, also sucht man sich Leute, die zu einem passen und ist nicht gezwungen mit seltsamen Subjekten in einer Mini-Bevölkerung zusammen rum zu laufen.

Der Umstieg von Turbine war bei DDO ein super Erfolg, auch in finanzieller Hinsicht. Und Turbine hat genug Mumm um diesen Erfolg in Form von Pflege und Updates an die Spieler zurück zu geben. So gesehen war der Schritt, auch HdRO ins Free 2 Play Modell zu übertragen, sehr nahe liegend. Wir freuen uns für Spiel und Spieler.

Für MMO ist F2P, wenn es richtig gemacht wird, ein prima Modell. Vielleicht kann man es ähnlich sehen wie TV (gratis) und Kino (Pay per View). Die Rolle des Kinos wird immer mehr von kurzen, effektvollen und teuren Boxed-Games ausgefüllt. MMOs gehen immer mehr in die werbefinanzierte Ecke der TV-Sender. Wir werden Zeuge der Geburt einer ganz neuen Form von Entertainment, die zu Zeit aus extrem vielen Richtungen, wie zum Beispiel den Facebook-Games, beeinflusst wird. Schauen wir zu und staunen. Wer war eigentlich Blizzard?

Richard Garriott über MMOs

Geschrieben am 20. Mai 2010 in MMO-Szene, Netzkultur, RPG, Sonstiges, Tabula Rasa von Reaktorblock || Keine Kommentare

Im aktuellen Podcast von Massively.com (die Nummer 100) interviewt Shawn Shuster die Gamer-Legende Richard Garriott. Wie zu erwarten sind die rund 60 Minuten der Audio-Datei prall gefüllt mit netten Ankedoten und erstaunlichen Einsichten in das Spiele-Biz. Unter anderem gibt es ein paar nebulöse Ankündigungen zu seinen neuen nicht-ganz-so-casual Casual-Game-Projekten. Wenn man sich ein bisschen für Games und deren Geschichte interessiert, ist der cast ein absolutes ‘must-hear’. Garriotts Intelligenz, Verschrobenheit und Arroganz sind einfach immer wieder unterhaltsam.  Gut ihn (wieder) auf der Erde zu haben…

Irgendwie wäre es den Exploratoren ja lieber gewesen, er hätte sich um Tabula Rasa gekümmert. Aber, was soll's...Piloten is nix verboten...
Irgendwie wäre es den Exploratoren ja lieber gewesen, er hätte sich um Tabula Rasa gekümmert. Aber, was soll’s…Piloten is nix verboten…

Galactic Civilisation II: wie man ein Spiel kaputt-kopier-schützt…

Geschrieben am 21. März 2010 in Netzkultur, Single Player, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Vor ungefähr drei Jahren wurden die planaren Exploratoren auf das wirklich ordentliche Galactic Civilisation2 aufmerksam. Das Spiel stammt von der kleinen Firma Stardock und wurde hauptsächlich online vertrieben. Besonders beeindruckt waren wir, als wir lasen, dass das Spiel auf nervige Kopierschutzmassnahmen verzichtete. So jedenfalls der Orginalton der Hersteller. Um das Spiel runter zu laden, musste man einen Account für die Shopping-Software von Stardock anlegen. Das ganze diente auch dazu, um das Spiel automatisch zu patchen. Die Exploratoren ahnten nichts Böses. Irgendwann schickte mit Stardock nachträglich noch die offizielle Collectors-Box ins Haus. Wir waren vollauf zufrieden und hatten unseren Spass mit GalCiv2.

Die Zeit verging. Spiele kamen und gingen und irgendwann wurde der PC ausgetauscht. GalCiv2 blieb eine Weile im Schrank stehen, wir hatten das Spiel ja bereits ausgiebig gespielt. Aber vor gut zwei Wochen packte uns die Sehnsucht nach ein paar knochentrockenen Runden Weltraumstrategie. Also flugs die alte Box aus dem Schrank gegriffen und wieder auf die Platte gespielt. Aber kaum hatten wir die alte Seriennummer aus der Collectors-Box eingetippt, wollte sich das Spiel updaten…und dann kam das böse Erwachen. Zum Updaten brauchte man die neueste Version der bereits erwähnten Shopping-Software… also den Kram (etwas widerwillig) wieder auf die Platte ziehen und neuen Account anlegen. Unsere drei Jahre alten Nutzerdaten hatten wir natürlich längst vergessen. Und das war die Todsünde schlechthin. Meine alte Seriennummer funktionierte offenbar nicht mehr. Wahrscheinlich war sie seinerzeit fest dem Account zugeordnet worden, den wir damals angelegt hatten.  Dadurch dass wir nun neue Nutzerdaten angelegt hatten, hatten wir unsere alte Seriennummer ungültig gemacht. Das bedeutet: keine Patches und auch keine Addons. Denn das alles wird über Stardocks Shopping-Software (…die heisst übrigens ‘Impulse’) verkauft. Oder auch nicht verkauft. Denn da die Exploratoren nicht die geringste Lust haben, Kopierschutz-Dreck der hinterhältigsten Sorte zu unterstützen, haben wir den Müll von der Platte gewischt und die Collectors-Box kurzerhand in den Restmüll befördert.

Ach ja, eine Mail an den Support brachte folgende Antwort:

Hi,

Thank you for your email. Your email has been filtered and has -NOT- been read due to the following reasons…

1) It matched or contained key items which caused it to be flagged as spam

2) It did not have a subject

3) The body of your email was blank

4) The attachment was a BMP file. To conserve size, please convert it to a JPG or GIF.

5) It contained profanity or abusive language

6) You use a mail filtering/certification system, which requires us to validate our email address

Please restructure your email and resend it so that we may assist you. Please do not reply to this email.

Thank you, Stardock Support.

Wir gehen mal davon aus, dass meine Erwähnung des “damned serial keys” unter Punkt 5) fällt.

So kann man sich lästige Beschwerden auch vom Hals halten.

galciv2_in_den_Muell
Asche zu Asche, Müll zu Müll.

Über komische Würfel

Geschrieben am 20. Januar 2010 in Netzkultur, RPG, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Thomas Hillenbrand hat wieder einen exzellenten Artikel in seiner Reihe über Rollenspiele auf Spiegel.de veröffentlicht. Diesmal geht es um einen der Ur-Mythen der Pen and Paper Szene …Würfel ;-D. Wie immer sehr lesenswert.

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