Mythos wird endgültig zum Mythos.

Geschrieben am 20. Oktober 2011 in MMO-Szene, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Das war’s: Mythos Europe macht bereits nach einem 1/2 jahr die Server dicht.

Schade für die Community, aber die Planaren Exploratoren konnten dem Spiel ohnehin nicht viel abgewinnen. Das ist fast schon prophetisch… Mythos. Der Name ist/war Programm, denn der Mythos um das Spiel war das Interessanteste am Spiel. Ein Mini-MMO aus dem engsten Dunstkreis der alten Diablo-Crew… Das kleine Test-Projekt von Hellgate London, dass länger laufen sollte, als das vom Unglück verfolgte Hauptspiel…

Nun ja, irgendwann gerät jeder Mythos in Vergessenheit. Besonders, wenn keine (Gameplay-)Substanz dahinter ist.

PS: Sorry Schwarzdorn, wir wissen, dass Du es gern gespielt hast. Mögen Deine Chars in Frieden ruhen.


Mythos. Entzaubert.

Geschrieben am 13. April 2011 in MMO-Szene, RPG von Reaktorblock || 1 Kommentar

Mythos. Das Spiel hat eine Geschichte. Erst war es das Edel-Diablo vom Diablo-Super-Designer Bill Roper. Eigentlich nur ein Abfallprodukt seiner Firma Flagship Studios, dass als Netzwerktest für das Hauptprojekt Hellgate: London dienen sollte. Da es aber alle soooo cool fanden, machte man kurzerhand ein komplettes Spiel draus. Aber schließlich endete alles mit einem grossen Knall. Hellgate: London wurde von der Kritik verrissen, die Flagship Studios gingen den Bach runter und das kleine, schnucklige Mythos wurde von einer koreanischen MMO-Grinder-Schmiede (Hanbit Soft) aus der Konkursmasse raus gekauft. Danach folgten eine lange Odyssee, bis das Spiel schliesslich von der deutschen Firma Frogster für den Euro-Markt lizensiert wurde. Die planaren Exploratoren haben sich in die Beta gewagt. Einen Diablo-Clone spielen wir ganz gerne mal (zwischendurch). Und ein Spiel mit so einer bewegten Historie müssen wir uns einfach ansehen.

Keine Elfen, keine Zwerge, keine Zauberer mit doofen Hüten. Dafür unser Satyr, der sich mit der Schrotflinte durch die Level ballert. Soweit Ok.

Zuerst sollte klar sein: das Spiel ist nicht neu. Die geplante Veröffentlichung von Mythos wäre wahrscheinlich irgendwann 2008 gewesen. Das sieht man leider auf den ersten Blick. Die Modelle und Charactere sind in niedlichem Comic-Stil mit viel Manga-Anleihen, hauen aber niemanden vom Hocker. Die Texturen sind nett aber ziemlich grob aufgelöst. Also: Design ist ok. Technik ist naja. Aber wie sieht der Rest aus?

Irgendwie hatten wir erwartet, dass die Zeit, die Mythos auf dem Buckel hat, genutzt wurde, um ein wirklich rundes Spiel draus zu machen. Leider Fehlanzeige. Das Game hat zahlreiche Ecken und Kanten. Nach der Installation bestätigt man zum Beispiel einen Nutzungsvertrag mit den bereits erwähnten Flagship Studios. Leider sind die schon seit drei Jahren pleite. Siehe oben. Das hat zwar nichts mit dem Spielspass zu tun, vermittelt uns aber das Gefühl, dass wir es hier mit ungeliebtem Softwareschrott zu tun zu haben. Offensichtlich hatte niemand bei Hanbit oder Frogster in den letzten zwei Jahren Zeit, diesen vollkommen nutzlosen Textfetzen zu entfernen oder upzudaten. Auch ingame tauchen englische Texte auf, die nicht auf die Buttons passen oder Rechtschreibfehler enthalten. Ok, drücken wir mal beide Augen zu. Mythos ist ja schließlich noch in der Beta.

Man merkt schon, die Exploratoren waren nicht wirklich begeistert. Am meisten hat uns das chaotische Interface genervt. Sobald man Menüs wie den Charakterbogen oder das Inventory anklickt, schieben sich fette schwarze Felder von rechts ins Bild und quetschen den Sichtbereich zusammen. Unnötige Informationen wie die Minimap oder die Questliste werden dabei aber nicht ausgeblendet, sondern schieben sich über den letzten offenen Sichtbereich und machen so das Chaos perfekt.

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Listen, Karten, Klötzchen und viele leere schwarze Flächen. Wer hat sich das ausgedacht? Im Ernst liebe Frogsters: wozu brauche ich eine Minimap, wenn ich in mein Inventory gucken will?

Ebenfalls unschön: die Soundkulisse. Hier stimmt die Abmischung nicht. Wenn man vor den Questgebern steht, dröhnen ständig irgendwelche überflüssigen Wooooschs und Boooms aus den Boxen. Wir konnten noch nicht mal raus kriegen, wie die eigentlich verusacht wurden. Diese Mega-Furze waren so penetrant, dass wir kurz davor waren, das Boxenkabel zu kappen. Die Dialogzeilen der NPCs sind dagegen so leise, dass man erst beim dritten oder vierten Hören überhaupt bemerkt, dass die Burschen ja sogar sprechen können. Viel verpasst man dabei nicht, denn zumindest die Sprecher in der englischen Version klangen ziemlich gelangweilt. Generell hinterlassen die Aussengebiete keinen guten Eindruck. In den kleinen Open-World-Bereichen herrscht ein ständiges Gedrängel, dass aus Spielern, Monstern und NPCs besteht. Auch in den Städten wird es nur wenig übersichtlicher.

Stau vor dem Quest-Verteiler. Immerhin bieten die Texte einen gewissen unfreiwilligen Humor. Jedenfalls in der englischen Version.

Im Gegensatz zu den Städten und Aussengebieten wirken die Dungeons, die man solo oder mit Gruppe betritt, erholsam und aufgeräumt. Hier trumpft das simple Gameplay auf und man kommt schnell in den netten Klick-Kill-Sammel-Flow, den man an dieser Art Spiel so schätzt. Aber: wieso musste man daraus eigentlich ein MMO machen? Spass kommt nur in den Kleingruppen-Dungeons auf. Komplexe Bosskämpfe sind bei den super-simplen Mechanismen eigentlich nicht machbar. Aber vielleicht irren wir uns ja, denn schließlich haben wir Mythos bereits mit Level 10 an den Nagel gehängt. Die Mythos-Community scheint ja mit dem Zustand zu frieden zu sein. Was also soll das Gejammer…

Mythos zeigt sich von seiner besten Seite. Mehr als nettes Dungeons-abgrasen sollte man nicht erwarten.

Kommen wir zum Schluss. Was ist dran an dem Spiel, dass durch so viele Hände gehen musste, bevor es in Europa ankam? In unseren Augen nicht viel. Mythos bietet ein komplexes Charakter-System mit Crafting und Achievements. Das konnte uns nicht bei der Free-to-Play-Stange halten. Wir glauben, dass das Hack’n'Slay Gameplay einfach nicht genug her gibt für ein komplettes MMO. Die Quests kommen über Killen und Sammeln einfach nicht hinaus. Dazu kommen die Probleme mit den Menüs, der nervige Sound und die veraltete Grafik. Wenn man nur nach einem simplen Diablo-Clone sucht, ist man nach Meinung der Exploratoren mit Titan-Quest besser bedient. Das Spiel ist zwar weder ein MMO, noch gratis, bringt aber das launige kleine Gruppenspiel für zwischendurch besser auf den Punkt. Und sieht hübscher aus. Und wirklich teuer ist es auch nicht.

Hin und wieder überrascht uns Mythos mit netten Aussichten und coolem Design. Leider zu selten.


Mass Effect 2: das Urteil (Teil 5 der Exploratoren-Kritik)

Geschrieben am 6. März 2011 in RPG, Single Player von Reaktorblock || 4 Kommentare

Mögen wir Mass Effect2 ? Schwer zu sagen. Zwei Herzen schlagen in unserer Gamer-Brust…

Wenn wir ME2 einfach nur als Videospiel betrachten, ist es unserer Meinung nach kalter Kaffee. Wie bereits erwähnt, werden die drei Teilspiele (Exploration, Action, Dialoge) durch ein Rollenspiel zusammen gehalten. Das funktioniert aus unserer Sicht nicht wirklich. Weder im Kampf, noch bei der Erforschung haben wir irgendwelche nützlichen Spieloptionen bekommen, wenn wir unseren Helden hoch-gelevelt haben. Die Entscheidungen, die wir treffen, sind meistens irrelevant. Wen nehmen wir mit ins Team? Egal, die NPCs verhalten sich im Gefecht alle gleich. Auch die Mitkämpfer, die zu Hause bleiben mussten, bekommen volle XPs für’s rum sitzen. Welche Fähigkeiten werden ausgebaut und gegen welche Gegner eingesetzt? Vollkommen Schnuppe. Solange man vernünftig zielen kann und begriffen hat, wie man aus der Deckung heraus angreift, kann man nicht versagen. Lediglich im Dialogspiel bekam man hin und wieder neue Antwortmöglichkeiten frei geschaltet, die auch teilweise drastische Folgen haben konnten. RPG kann man das eigentlich nicht mehr nennen. Mass-Effect ist ein Adventure, dass sich als Action-Rollenspiel tarnt.

Langweilige Umgebungen, stupide Minispiele, Missratenes RPG. Eigentlich müsste sich Shepard was schämen. Aber da ist ja noch die Story. Und die spannenden Dialoge…

Auf der anderen Seite ist da aber die Story. Das Zerlegen eines Spieles in ein gutes Dutzend Science-Fiction-Kurzgeschichten ist so mutig, dass man Bioware dafür (fast) jeden Fehler verzeiht. Starke Charaktere, stimmige Dialoge, interessante Themen. ME2 tut mehr für das Medium Computerspiel als alle Blizzard-Spiele der letzten 10 Jahre zusammen.

Ach ja, der Sex! Auch in ME2 darf man versuchen, die Einsamkeit des Helden durch körperliche Zuwendung zu lindern. Die Exploratoren haben es leider nicht bis zum Koitus geschafft. Entweder wir waren zu hässlich oder wir haben uns nicht genug Zeit zum Baggern genommen. Tja, wer ficken will, muss freundlich sein.

Teil 1 der Kritik (Überblick)

Teil 2 der Kritik (Exploration)

Teil 3 der Kritik (Action)

Teil 4 der Kritik (Story)

Teil 5 der Kritik (das Urteil)

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