Mass Effect durchgespielt – Ernst sein macht Spass!
Geschrieben am 2. Oktober 2009 in Single Player von Reaktorblock || Keine Kommentare
Schon vor einigen Tagen hatten die planaren Exploratoren einen leicht euphorischen Zwischenbericht über die Erlebnisse in Mass Effect von Bioware abgeliefert. Nun haben wir das Shooter-Rollenspiel (ShRPG, oder Shrolli) durchgespielt und müssen sagen: Bioware, wir lieben euch! Es ist lange her, seit uns ein Spiel (Rolle oder nicht) so in den Bann gezogen hat.
Das Spiel lässt sicher einige Kritikpunkte zu, die sind aber fast allesamt technischer Natur. Die Aussengebiete (Planeten), die abseits der Haupthandlung besucht und erkundet werden können, sind ziemlich arm an Details. Ein paar Berge, auf denen 2-3 Texturen kleben, ein Mineraliendepot, ein Piratenbunker, eine abgestürzte Sonde…fertig. Immerhin sind die Typen, die man dann in den Piratenbunkern auf den Nebenmissionen trifft, angemessen cool oder schrullig. Bei Mass Effect zählen eben Menschen (oder Aliens) mehr als Technik.
Die eigentlichen Levels sind auch nicht gerade das Non-Plus-Ultra. Meistens sind es schlauchförmig angelegte Spiessroutenläufe, gepflastert mit Gegnern und Deckungsmöglichkeiten. Da die Kämpfe aber durch die verschiedenen Fähigkeiten der eigenen Truppe ziemlich bunt und abwechslungsreich sind, vergisst man schnell, das man sich eigentlich auf einer virtuellen Schiessbahn befindet. Immerhin bietet das Spiel des öfteren ein paar optische Leckerbissen – solange man die Haupthandlung nicht zu weit verlässt. Die Gegner KI geht ebenfalls in Ordnung.
Nette Besichtigungstour. Mass Effect kann auch hübsch. Meistens.
Was macht nun aber den Reiz dieses Spieles aus? Ganz klar: Handlung, Hintergrund und Charaktere. Darüber wurde schon eine Menge geschrieben… Was die Exploratoren aber vor allem fasziniert hat: Mass Effect nimmt sich ernst und ist deshalb echt. Das Universum ist zwar nicht lebendig wie eine Liberty City (GTA4), aber wesentlich glaubhafter. Das Spiel vermeidet alles, was den Spieler aus der Wirklichkeits-Illusion heraus reissen könnte. In Literatur, Kino und Game-Design nennt man das die ‘suspension of disbelief‘ – eine Tugend, die in den Zeiten von ironisch überhöhten Filmen (Tarrantino) oft in Vergessenheit gerät. Niemand gibt coole, gestelzte Kommentare zum Geschehen ab. Weder ein unsichtbarer Sprecher noch irgendein lässiger, unglaubwürdiger Protagonist. Witzig ist anders. Aber das Leben ist nun mal keine Szene-Party.
Was die Glaubhaftigkeit von ME ebenfalls steigert: der Verzicht auf jegliches Baby-Eier-leicht-Gamedesign à la WOW. Wenn man stirbt, ist das Spiel zu Ende und geht nicht auf dem Friedhof einfach weiter, weil’s für den Spieler eben bequemer ist. Eine falsche Entscheidung ist dadurch eine echte falsche Entscheidung. Tot ist Tot. Jedenfalls bis zum neu laden. Aber neu laden mach ich – nicht meine Spielfigur.
Das die suspension of disbelief in Mass Effect so gut funktioniert liegt an den (wie schon gesagt, gesagt und gesagt) exzellenten Charakteren, Dialogen und der feinen Geschichte. Die meisten Dinge sind dabei nicht mal neu, sondern einfach nur besonders liebevoll umgesetzt. Ein schönes Beispiel hierfür sind die weiblichen Charaktere von ME. Man trifft eben nicht auf die übersexten, tättowierten Vasquez-Verschnitt-Baller-Nutten, die seit Aliens 2 die Film- und Spielwelt überschwemmen. Man trifft auf Archäologinnen, Ärztinnen, Botschafterinnen, Technikerinnen und, ja, auch auf eine Soldatin. Die ist aber nicht tättowiert und zieht sich auch nicht aus. Das macht dafür die Archäologin. Und es wirkt glaubhaft - und auch ein kleines bisschen romantisch. Leider scheint der intellektuelle Frauentyp nicht so recht in der Kernzielgruppe angekommen zu sein, denn das letzte ME2 Promo-Video über den weiblichen Character ‘Subject Zero’ zeigt wieder einmal die üblichen Sub-Porno-Standards. Zu einer Kanone gehören wohl nun mal dicke Titten. Vielleicht bezieht sich das ‘Zero’ in ‘Subject Zero’ auf ihren IQ?
Dumm fickt gut, schlau fickt besser. Man verzeihe uns die rüde Formulierung. Aber irgendwie scheint das ja der Ton zu sein, den wir Gamer am besten verstehen….
Trotzdem freuen wir uns wie die Kinder auf die kommende Fortsetzung! Denn Mass Effect 2 verspricht viele Dinge zu korrigieren, die oben erwähnt wurden: mehr Items, coolere Level und schickere Aussengebiete – auch auf den Nebenschauplätzen. Hoffen wir, dass dabei die erzählerischen Stärken des Spieles nicht ruiniert werden. Aber hey, das Spiel kommt von Bioware. Wir sind also trotz allem guter Hoffnung.
Und wenn mir die tumbe Ballerbraut ‘Subject Zero’ auf die Nerven fällt, bleibt sie halt an Bord der Normandy, wenn ich Ausseneinsätze mache.
Nichts da, Shepard. Rente ist später. Im Q1 2010 kommt Mass Effect 2. Olé, Olé, Olé.






