SWTOR. Der erste Eindruck.

Geschrieben am 14. Dezember 2011 in MMO-Szene, RPG, swtor von Reaktorblock || Keine Kommentare

Star Wars: The Old Republic. Der Hype ist unausweichlich. Auch die Exploratoren sind weich geworden und haben ihren Schwur gebrochen: niemals ein MMO anfassen, dass nicht mindestens 6 Monate auf dem Markt ist. Aber die Versuchung, dieses Mega-Projekt so früh wie möglich zu beobachten, war einfach zu stark. Und so kam es, dass wir vor ein paar Wochen an der freien Stress-Test Beta teil nahmen. Und natürlich haben wir Screenshots gemacht, und natürlich müssen wir als hoffnungslos verklärte Star Wars Fanboys unseren Senf dazu geben…


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Die ausdrucksstärksten Chars lassen sich, wie in vielen MMOs, bei den Menschen erstellen.

Das Setting der Old Republic (3000 Jahre vor den Filmen, oder so) ist bereits aus den beiden ‘Knights of the Old Republic’ RPGs bekannt. Wir waren kein allzu grosser Freunde des ersten Teils. Vielleicht hatten wir das Spiel zu spät gespielt, vielleicht hatten wir uns die Story gespoilert… egal. Grundsätzlich finden wir die Idee, ein eigenes Universum zu entwerfen, das zeitlich von den Filmen getrennt ist, großartig. Die Entwickler schaffen sich damit jede Menge Freiraum, um ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Ein wenig von dem Freiraum bekommt man dann auch bereits im Charakter-Generator von SWTOR zu spüren. Die Charakter-Erschaffung nimmt nämlich nur wenig Rücksicht auf die Filme. Ein paar bekannt Gesichter wie die Twi’Leks sind dabei. Dafür vermisst man die skurillen Alien-Rassen aus den Raumfahrer-Kneipen, die Yavas, oder die herrlich schweinigen Gamorreaner (die fetten Typen aus Jabbas Palast). Und wer glaubt dass er einen kleinwüchsigen Yedi-Meister a la Yoda spielen darf (wie heisst eigentlich seine Rasse?) hat sich geschnitten. Grössenunterscheide zwischen den Rassen gibt’s nicht. Man darf zwar zwischen vier Körpertypen wählen, die sind aber bei allen Rassen gleich. Na klar, ist natürlich wesentlich einfacher für das Design der Ausrüstung wenn alles normiert ist. Vier Kleidergrößen und fertig. Schade Bioware, Chance vertan. Immerhin gibt es die Möglichkeit, bis zu fünf Begleiter (….fünf Freunde, das sind wir….) frei zu schalten, unter denen sich auch ein paar wirklich abgefahrene Typen befinden.

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Twi’Leks mit niedlichem Tentakel-Muster-Design. Seltsamere Aliens sind leider nicht machbar. Naja, wir hoffen auf künftige Erweiterungen…

Im Spiel selber trifft man dann doch auf eine wirklich gehörige Portion Star Wars Flair. Insbesondere die Startzone der Trooper (Soldaten) hat einiges an echter Krieg der Sterne-Optik zu bieten. Vielleicht liegt es daran, dass Krieg der Sterne eben ein Krieg der Sterne ist. Und das kommt in der Anfangsqueste dieser Klasse am Besten rüber. Auf den Jedi und Sith-Planeten gefällt uns die Landschaften hingegen am meisten. Die Vegetation, die Hügel und die Tiere wirken für ein MMO fein modelliert. Wer sich über die Technik des Spieles beschwert, sollte sich vor Augen halten, wie groß diese nahtlosen Level sind und wie viele Spieler-Charaktere darin herum rennen.

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Sieht nach Star Wars aus. Hört sich so an. Spielt sich auch so.

Was uns dann aber doch an der Technik stört, sind Schüsse, die um die Ecke oder um die Kurve fliegen, wenn sich das Ziel vom Fleck bewegt. Oder laufende Charaktere, die auf Biegen und Brechen (ihres Rückgrates) ihr anvisiertes Ziel im Auge behalten wollten. Und sich deshalb satte 90 Grad in der Hüfte zur Seite drehen können. Wohlgemerkt, beim geradeaus Laufen. Hier wird deutlich, dass SWTOR eben kein action-basiertes MMO wie Tabula Rasa oder DDO ist, sondern einfach nur… ein MMO. Ok, das wussten wir vorher, also wollen wir uns nicht zu laut beschweren.

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Die Gegner reagieren nicht wirklich auf Treffer. Hier steht der finstere Separatist gemütlich in seiner schicken voluminösen Explosionswolke und wartet auf den nächsten Einschlag.

Auch sonst trifft man auf bekannte MMO-Kompromisse: die Umwelt ist wesentlich grösser, als sie ergonomisch gesehen sein müsste. Gänge sind breit, Räume sind immer ganze Hallen. Dieser Trick sorgt dafür, dass Gebäude nicht mit Chars verstopft werden. Das ist verständlich, erzeugt aber bei uns ein starkes Gefühl der Künstlichkeit. Hinzu kommt noch, dass es in den Städten und Instanzen nichts gibt, was nicht direkt mit dem Spiel zu tun hat. Man kann keine Fässer zerkloppen, Bücher lesen, oder angeln. Wenn es die Massen der Mitspieler nicht gäbe, würde die SWTOR Galaxis ein ziemlich leerer Ort sein. Hier muss Bioware (unserer Ansicht nach) mal ein bisschen nachbessern. Ähnliche Probleme hatten schon die alten KOTOR Spiele und das Action RPG-Mass Effect. Single Player Spieler wie Assassins Creed, Skyrim oder Witcher zeigen, wie man eine glaubhafte Spielumgebung schafft. Selbst das viel gescholtene WOW kommt lebhafter rüber. Auf der anderen Seite: den meisten Spielern dürfte das wahrscheinlich angesichts der Massen von menschlichen Mitspielern, die durch die Welt hasten, nicht im geringsten auffallen. Wir Exploratoren sind halt empfindliche Wesen ;-)

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Man beachte den Piloten unten rechts… dieser Vorläufer des Millenium Falken ist offensichtlich etwas geräumiger als das spätere Modell aus den Filmen. Noch ein Stück grösser und wir haben einen eigenen Sternzerstörer.

Eines bleibt festzuhalten: SWTOR schafft es, das Gefühl zu vermitteln, dass wir in einer riesigen Galaxis leben, die (juhuu!!!!) vor langer Zeit weit, weit entfernt existierte. Selbst in der kurzen Zeit der Beta hatten wir bereits das Gefühl, hier auf einen sehr würdigen Erben des Star Wars Universums gestoßen zu sein. Die Exploratoren haben viele Bücher, Comics und Spiele zu diesem großen popkulturellen Thema konsumiert, bis zurück zu ATARI VCS 2600 Spielen. Das meiste davon war Schrott, der niemals durch die Qualitätskontrolle von Lucas Arts hätte durch kommen dürfen. SWTOR ist anders. Es fühlt sich an, wie unser schöner, alter Plastik X-Wing von Kenner (Baujahr 198o, ungefähr). Es fühlt sich an wie Star Wars. Als wir zum ersten Mal die gelbe Schrift ins Sternenfeld schweben sahen, hätten wir fast geheult. Nur die Orginal Kinofilme sind besser. Greg und Ray, das habt ihr gut gemacht. Danke.
Wir sind uns sicher: der Start von SWTOR wird eine heisse Sache…

Thor: zu viel Story.

Geschrieben am 10. Mai 2011 in DVD, Kino, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Wieder eine Marvel-Verfilmung. Und wie es sich heutzutage gehört in 3D. Thor. In unserer Kindheit (vor gefühlt 100 Jahren) faszinierte uns der Hammer schwingende Donnergott von allen Marvel-Helden am meisten. Die Kreativität, mit der Stan Lee die nordischen Mythen in eine glitzernde Fantasy-Landschaft verwandelte, ist einfach unerreicht. Wird der Film von Shakespeare-Spezialist Kenneth Branagh diesem Anspruch gerecht? Die Exploratoren waren im Kino, um es heraus zu finden. Und um sich noch einmal wie ein Zwöfljähriger zu fühlen.

AB HIER GILT: ACHTUNG SPOILER!

Zuerst das Gute: natürlich sieht der Film Klasse aus. Marvel hat nach den Kassenschlagern Spiderman und Iron Man einen Ruf zu verlieren und macht keine Fehler. Insbesondere Thors Heimat Asgard sieht haargenau aus wie die goldschimmernden Traumwelten, die man aus den Comics kennt. Nur eben in 3D. Im Spiegel beschwerte sich der ansonsten stilsichere Andreas Borcholte zwar über den fehlenden Dreck in der nordischen Götterwelt, was aber nur zeigt, dass er in den 80ern beim Comic lesen eben oft gefehlt hat. Auch die Schauspieler machen ihre Sache ganz ordentlich. Über Nathalie Portman könnte man sich vielleicht etwas beschweren, letztendlich ist es aber ihre Rolle, die etwas nervt, weniger ihr Spiel. In Star Wars war sie mieser. Black Swan haben wir nicht gesehen (klar). Die Dialoge sind nett und treffen punktgenau. Hier führt immerhin ein Theater-Mann Regie. Ursprünglich hatten wir befürchtet, dass das Setting ‘Typen aus einer anderen Welt kommen nach Amerika und benehmen sich wie Deppen’ so dünn ausgewalzt wird, bis es albern ist. Man kennt das aus anderen Filmen zur Genüge. Aber auch hier: keine Panik. Marvel und Kenneth Branagh haben das im Griff.

Was sie nicht im Griff haben, ist die Story. Vielleicht haben sie auch einfach (mal wieder) zu viel gewollt. Der Hulk-Effekt. Der Bösewicht (Loki) ist so vielschichtig und interessant, dass man ihn gar nicht richtig als böse wahr nimmt. Das ist nicht der einzige Grund, der verhindert, dass uns Thor mitnimmt (in unsere Kindheit, da wo wir hin wollen). Es passieren einfach zu viele Positionswechsel bei den Charakteren. Mal geht es gegen die Frostriesen, mal gegen einen fiesen Blechmann, mal gegen die Shield-Agenten, mal gegen den einzigen Typen mit Grips in der Birne: Loki. Dann sind die Frostriesen plötzlich die armen Opfer, dann werden die Shield Agenten zu Thors Kumpeln. Weniger wäre mehr gewesen. Was die Sache noch aberwitziger macht: das ganze Hin und Her kommt fast als Kammerspiel rüber. Viele Locations gibt es jedenfalls nicht. Klar, Asgard ist gross und toll. Aber unsere Welt besteht lediglich aus ein paar Hektar Wüste, mit Kleinstadt und provisorischem Geheimdienst-Zeltlager. Das wird dem universellen, mythischen Anspruch der Thor Comics nicht gerecht. Sorry.

Was den Film dann aber rettet, ist die Kamera. Immer wieder wird die Marvel-Tradition der schräg angeschnittenen Panels zitiert. Und wenn es kracht, hat man das Gefühl direkt auf eine 3D animierte Comic-Seite zu blicken. Die Bilder sind dynamisch und kraftstrotzend. Hier wird klar: in diesem Universum ist nichts und niemand stärker als der Gott des Donners. Fast wie damals, als man zwölf war.

Posterboy Chris Hemsworth macht aus Thor fast einen Frauenfilm. Naja. Fast.
Posterboy Chris Hemsworth macht aus Thor fast einen Frauenfilm. Naja. Fast.

Die Empfehlung der Exploratoren: ins Kino gehen, nicht zu viel erwarten, entspannt zurück lehnen und den Film wirken lassen. Für die DVD sind die Bilder eigentlich zu schade.

PS: schöne Grüsse an den Flensburger UCI-Vorführer. Schön, dass Du den Film umsonst sehen darfst. Die Kino-Gäste bezahlen Geld dafür. Dafür könntest Du es doch mal schaffen den Projektor scharf zu stellen, ok?

Tron: Legacy. Ganz wie der Papa.

Geschrieben am 3. Februar 2011 in DVD, Kino, Netzkultur von Reaktorblock || Keine Kommentare

Es gibt ein paar spirituelle Grundannahmen und unveränderliche, allgemeine Standpunkte in der weltweiten Nerdkultur, an denen nicht gerüttelt werden darf. Zum Beispeil: Star Trek Doppel-Folgen sind besser als Star Trek Kino-Filme, die Krieg der Sterne Prequels mussten gemacht werden und mussten zwangsweise in die Hose gehen, der 4. Indy Film war überflüssig und… es müsste endlich mal eine Tron Fortsetzung gedreht werden. An letzteres hat keiner mehr geglaubt. Immerhin hat der Film seinerzeit die Disney Studios an den Rand des Ruins gebracht. Tron war aber auch der Film, der die Tür zum computeranimierten Kino aufstiess und der erste Hollywood-Streifen, der sich mit virtuellen Welten beschäftigte. Und siehe, dass Wunder ist geschehen. Und die Exploratoren haben es im Kino gesehen.

Zuerstmal: Tron Legacy ist genauso wenig perfekt wie sein Vorgänger. Die meisten Charaktere bekommen kaum eine Chance zu schauspielern, weil Drehbuch und Dialoge das einfach nicht vorsehen. Jeff Bridges, der Oscar-Dude, bekommt etwas mehr Platz eingeräumt. Und klar, sein knautschiges Gesicht gepaart mit seiner kauzigen Vaterfigur tun dem Film auf jeden Fall gut. Das war’s dann aber auch. Schade ist zum Beispiel, dass Tron, der Titel-gebende Charakter komplett an den Rand der Handlung gedrängt wurde. Er bekommt noch nicht mal ein Gesicht. Was übrig bleibt, ist eine nett skurrile Handlung, die vor den bösen Gefahren entfesselter Computer-Technik warnt. Computer Ok, aber Gott spielen? Das ist natürlich ganz, ganz böse und muss auf jeden Fall bestraft werden. Wenn es also echtes, neues Leben im Computer geben soll, dann muss es durch ein Wunder entstehen. Auch hier bleiben sich die Disney-Studios treu, wenn sie, wie immer bei solchen Themen, um den heissen Brei herum filmen. Denn natürlich darf nur Gott Leben erschaffen. Aber Vorsicht die christlichen Fundamentalisten sind einflussreich und wachsam! Bevor sich also irgend ein Club der besorgten, frommen Hausfrauen darüber aufregt, dass der Allmächtige sich dazu herab lässt, in virtuellen Welten herum zu fummeln, sprechen wir lieber schön verschwurbelt von einem Wunder. Dadurch vergibt Tron die Chance, sich ein paar interessanten philosophischen Fragen zu stellen. Zum Beispiel: ist der Wunsch der Computerlebewesen auf Zutritt zu unsere Welt nicht vielleicht berechtigt? Aber lassen wir es gut sein, Hollywood liegt immer noch in Amerika und soll in erster Linie unterhalten.

Und das macht Tron wirklich gut. Der Film ist weder hektisch noch lahm. Und er wurde mit extrem viel Liebe gemacht. Hier merkt man, dass die Filmemacher durchaus wussten, wer die Hauptzielgruppe ist und wie man ihr Honig ums Maul schmiert (lecker!). Der Film strotzt vor filmischen Zitaten vom Zauberer von Oz, über 2001 bis zu (logisch) Matrix. Und er huldigt praktisch ununterbrochen den Lieblings-Klischees der Nerdkultur. Es gibt den überheblichen High-Tech-Konzern, samt debilem, technik-fremden CEO. Es gibt Action-Figuren in Kinder-Regalen, die aus dem eigenen Film stammen. Und natürlich gibt es Tonnen von lustig-bescheuertem Technik-Blah, wie bewusstlose Charaktere, die ‘rebooten’ müssen, um wieder aufzuwachen. Soweit alles cool. Es gibt aber auch die Musik von Daft Punk. Erstens ist es ein absolut genialer Schachzug der Produzenten, genau diejenigen Musiker, die sich die letzten 15 Jahre sowohl musikalisch als auch thematisch ununterbrochen mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt haben, in den Film zu holen. Die Jungs rannten ja praktisch während ihrer ganzen Karriere in albernen Tron-Kostümen rum. Und zweitens ist die Musik einfach gut. Und nicht von Hans Zimmer. Teilweise hat der Film-Ballett-Charakter. Tron, das Musikal? Wäre vielleicht gar keine schlechte Idee gewesen.

Was jedem klar sein sollte: Tron sieht natürlich fantastisch aus. Der 3D Effekt hält sich angenehm zurück und beschränkt sich darauf, dem Film Tiefe zu geben. Effekt-Hascherei, wie etwa in die Kamera geworfene Waffen, gibt’s praktisch gar nicht. Dafür hatten wir dann auch keine Kopfschmerzen am Ende ;-). Man darf sich auf jede Menge vollkommen cooler Fahrzeuge freuen, die in heftigen Verfolgungsjagden und Dogfights stilecht in Pixelwolken zerlegt werden. Was Optik und Ausstattung angeht ist der Film ein kleines Meisterwerk. Ganz wie der Papa ;-)

Und wer das Orginal noch nicht kennt, sollte sich was schämen. Und es über die Exploratoren bestellen…

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