Geschrieben am 24. Dezember 2009 in Kino von Reaktorblock || Keine Kommentare
Vorsicht, diese Kritik enthält Spoiler. Weiterlesen auf eigene Gefahr
James Cameron hat die Seiten gewechselt. So jedenfalls könnte man den Endfight aus Avatar deuten, wenn man ihn mit Camerons legendärem Action-Meilenstein Aliens 2 vergleicht. Damals prügelte sich die nette Sigourney Weaver in einem Battlemech mit der bösen Fauna (der Alienqueen). Heute prügelt sich die nette Fauna mit den bösen Battlemechs der menschlichen Invasoren.
Bio ist toll. Die Botschaft hängt so plakativ vor dem Film, das man keine 3D Brille braucht, um sie zu erkennen. Bio sieht klasse aus. Es leuchtet schimmernd blau in der Nacht, wenn man sich nur traut, die Fackel auszumachen. Überhaupt, mit dem Feuer kam ja das Schlechte in den Menschen. Licht aus, Bio an, und alles wird gut (und blau). Etwa auf diesem Niveau bewegt sich die Moral des Filmes. Der dünne Plot ist aufgeladen mit symbolischen Bildern und erhobenen Zeigefingern. Riesenbäume stürzen zusammen wie das World Trade Center. Die Indi-Aliens vernetzen sich via Neuronen-Zopf mit ihrem planetaren Supi-Netzwerk. Netzwerke sind OK, solange sie Bio sind.
Das alles wäre soweit ganz nett, wenn eines mit dabei wäre: interessante Charaktere. Es fehlt die hemdsärmelige Ripley, die durchgeknallte Sarah Connor mit ihrem rotzfrechen Sohnemann. Es gibt keinen menschlichen Roboter, wie den T-800 und keine beinharte Vazquez, die sich am Ende mit ihrem verhassten Lieutenant zusammen in die Luft sprengt. Die beste Rolle mit der besten Dialogzeile ( “Ich muss Proben nehmen…”) hat am Ende wieder Mrs. Weaver. Der Rest beibt blass, trotz der satten Blau-Töne. Oder gerade deswegen? Ansätze sind vorhanden, werden aber nicht weiter entwickelt: Jack Scullys Querschnittslähmung und seine Avatar-Sucht oder seine nerdigen Kollegen aus dem Wissenschafts-Team. Das alles hätte viel Stoff für interessante Handlungsstränge oder den einen oder anderern witzigen Dialog liefern können. Statt dessen aber Bio in 3D. Das sieht natürlich super aus und rechtfertigt astronomische Produktions-Budgets. Und führt wieder mal dazu, dass die Charaktere des Films von der Technik an die Wand gedrückt (nicht gespielt) werden. Nennen wir es mal das Jar-Jar-Binks-Syndrom.
Der kritische Symbol-Charakter des Films ist, gerade für eine US-Produktion, sicher lobenswert. Klar, wir waren fies zu den Indianern und genauso beschissen benehmen wir uns heute in der arabischen Welt. Leider macht das Avatar nicht einen Millimeter interessanter. Die Schauwerte bleiben bunt und blau leuchtend im 3D-Vordergrund. Und da das ganze auch noch als Sience-Fiction (nicht Fantasy) rüber kommt, muss sich Avatar auch noch ein bisschen Kritik an den Plotholes gefallen lassen: wieso funktioniert die Avatar-Verbindung zwischen Jack und seinem Kunstkörper auch dort, wo alle anderen Funk und Ortungssignale ausfallen: in den (verschwurbelten) Flux-Zonen? Und welchen biologischen Zweck erfüllt eigentlich das mystische Leucht-Lametta-Netzwerk, abgesehen davon dass es am Ende als Deus Ex Machina herhalten muss?
Fazit: der Film ist eher eine Fortsetzung von Camerons Wunderbare-Welt-der-Tiefsee-Produktionen, als eine Anknüpfung an seine meisterhaften Action-Dramen.
Aber hübsch sieht er aus. Und ziemlich blau.
Geschrieben am 10. September 2009 in Kino, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare
Wenn man die Entstehungsgeschichte von District 9 kennt, weiss man: das Teil war billig. Da man als gläubiger Nerd natürlich davon ausgeht, das wiederum Billigfilmer Geld durch Kreativität ersetzen, geht man wohlgemut ins Kino und sieht sich das Machwerk des Südafrikanischen Regisseurs Neill Blomkamp an. Und Simsalabim, die Regel stimmt: District 9 ist ein unterhaltsamer Film. Schnell und intelligent. Und Eklig. Wenn Sie etwas gegen Kotzen haben, bleiben sie besser zu Hause, denn in District 9 wird gereiert, das die Speiseröhre raucht. Wenn gerade niemand mit Magenproblemen zu kämpfen hat, zerplatzen Menschen in farbenfrohen Schleim-Blut-Explosionen, die IMMER, IMMER, IMMER auch die blairwitchartige Wackel-Kamera mit einsauen. Was steht der Kameramann auch immer direkt bei den Einschlägen rum…
Klar, Sabber, Schleim und Blut sind billiger als aufwendige CGI-Effekte a la Lucas, Spielberg & Emmerich. Aber die eine oder anderer Rotz-Super-Nova hätte sich Blomkamp gerne sparen können. Zumal die restlichen (sauberen) Spezialeffekte ziemlich professionell aussehen. In meiner Lieblingseinstellung kotzt sogar ein Roboter sein Schmiermittel aus. Lecker.
Aber genug gelästert. District 9 ist ein guter Film, weil er trotz des nerdigen Szenarios ein paar heisse Eisen anpackt: die Aliens sind eine klare Metapher auf die südafrikanische Apartheid (und jeden anderen Slum der Welt) und auch die modernen Rassenunruhen innerhalb der schwarzen Bevölkerung werden aufgegriffen. Aber nur aufgegriffen. Der Film ist wie ein Dokumentarfilm gedreht und geschnitten und mehr will er auch nicht sein. District 9 ist weder episch noch pathetisch, sondern eine kleine Episode am Rande eines dunklen, menschlichen Abgrundes. Manchmal wirken die Charaktere dabei etwas stereotyp. Weisse Hautfarbe: fieser Ausbeuter, schwarze Hautfarbe: selbstsüchtiger Egoist, grüne Hautfarbe: desorientierte Fressmaschine. Lediglich der Protagonist Wikus Van der Merwe und sein Alien-Kumpel, mit dem ihn das Schicksal verbindet, scheinen etwas mehr Grips zu haben. Vielleicht hätte etwas weniger Action (und Kotzen) den Film noch besser gemacht. Denn die Jagd durch die Alien-Slums lässt keine Zeit für eine tiefere, emotionale Erforschung der seltsamen Situation, in die Van der Merwe hinein gerät. Nochmal: wer ins Kino geht, um eine Geschichte erzählt zu bekommen, ist mit dem Film schlecht beraten. Aber genau diese Konzentration auf den Dokumentar-Stil macht den Film so echt und glaubhaft.

Aliens: verfressene Käfer-Krabben, die auf Katzenfutter stehen.
Was District 9 ebenfalls aus der Masse heraus stechen lässt, ist die einfache Tatsache, dass er aus Südafrika stammt. Kein Hollywood, keine Silikon-Arsch-Polster, kein Hans Zimmer, keine Computer-Mega-Explosionen. Brad Pitt und George Clooney dürfen zu Hause bleiben und das ist gut so. Und das Gekotze muss wohl so eine Art Sahnehäubchen auf dem Splatter-Kuchen sein.
Geschrieben am 19. April 2009 in DVD, Kino, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare
Und wieder ein netter Kino-Nachmittag-Ausflug in virtuelle Welten: Monsters vs Aliens. Natürlich mit digitaler Projektion und mit 3D Brille in der Kinder-Nachmittagsvorstellung. Die gute Nachricht: für Actionfilme und Animationskino ist 3D eine feine Sache. Sieht klasse aus, keine Kopfschmerzen und die blöde Brille passte sogar über meine Sehbrille drüber. Und ich dachte schon ich brauch Kontaktlinsen. Der Film an sich ist schnell, lustig und warmherzig/schmalzig. Schön ist auch, dass es eine weibliche Identifikationsfigur (30 Meter gross) gibt, so dass sich nicht nur Jungs in den Film trauen dürfen. Erwachsene Sience-Fiction-Fans freuen sich über die schrägen Anspielungen auf zahlreiche Genre-Klassiker. Deutlich sichtbar ist, dass der Film von vorneherein als 3D Film konzipiert war. Ständig fliegen Trümmer ins Publikum und Riesenhände kommen dem Zuschauer entgegen. Kunst und Kultur lassen sich so nicht besser vermitteln, aber buntes Event-Kino à la Star Wars oder Matrix dürfte von der Technik profitieren. Ob Filme wie die ‘Herr der Ringe’-Trilogie in 3D besser ausgesehen hätten, darf man aber bereits bezweifeln.
Aber egal, Kino bleibt spannend. Was eine Achterbahnfahrt
))
Ich freue mich schon auf ‘Avatar’ von John Cameron.

Plakat leider nicht in 3D...
Geschrieben am 6. März 2009 in Kino, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare