Der Siegeszug der Free to Play Spiele

Geschrieben am 6. Juni 2010 in Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene, Netzkultur, RPG, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Herr der Ringe Online wird Free to Play. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Bei DDO hat das in Deutschland noch niemanden so richtig interessiert, was vielleicht daran liegt, dass Turbine nie viel Geld für Werbung für das Spiel in Magazinen oder Websites ausgegeben hat. Und letztendlich schreiben die kommerziellen Seiten hauptsächlich über Projekte, von denen sie ein finanzielles Feedback in Form von Werbeschaltungen erwarten. Man muss aber auch zugeben, dass es Dungeons & Dragons selbst als Pen & Paper-Version in Good old Germany immer schwer gehabt hat. Im Zweifelsfall heisst der RPG Platzhirsch immer Schwarzes Auge.

Gollum freut sich: den Einen Ring gibt es demnächst im Item-Shop.
Gollum freut sich: den Einen Ring gibt es demnächst im Item-Shop.

Nun aber Herr der Ringe. Das MMO zum zweit-erfolgreichsten Roman aller Zeiten (erster ist Dickens  ‘A Tale of Two Cities’). Da rauscht es auch im deutschen Gaming-Blätterwald und die Foren kochen über mit hassgeschwängerten  Diskussionen à la ‘Nun ist die Scheisse im Ventilator’ oder ‘Hilfe die Free To Play-Kacknoobs kommen…’

Was für ein Schwachsinn. Die planaren Exploratoren gehören ja nicht zu den Typen, die ständig erwähnen: haben wir euch doch gleich gesagt…aber nun muss es sein. Seit der Wechsel von DDO zum Free to Play Modell angekündigt wurde, haben wir uns intensiv mit dem Thema beschäftigt. Und allen RPG-Hardcore-Niemals-OOC-Gamern, die jetzt das Panik-P auf der Stirn haben, sagen wir: bleibt mal locker, Jungens ! ! ! Es wird gut werden. Bestimmt. HdR bekommt endlich die Spielerzahl, die dieses (sicher tolle) Spiel verdient. Und wenn ein paar Kids dabei sind, die ihren ersten Ork im Leben am Briefkasten von Orgrimmar gesehen haben, was soll’s?  Dafür hat euch Turbine die Ignore-Liste gegeben.

Wir spielen seit 1,5 Jahren Dungeons & Dragons Online (DDO). Zuerst in Europa via Codemasters. Dann bei Turbine selber. Codemasters hat seinerzeit NICHTS für das Spiel getan und hinkt Lichtjahre hinter dem aktuellen US-Patchlevel hinterher. Das mag dem miesen Einfluss von Atari zu schulden sein – ist aber so. Wir sind nach dem F2P Launch zu Turbine gewechselt und haben sofort VIP-Abos abgeschlossen, weil wir Vielspieler sind. Glaubt uns: das Free to Play hat das Spiel meilenweit nach vorne gebracht. Es wird extrem regelmässig gepatcht, wobei alle Kundengruppen (free, abo, casual, heavy, stupid) gut bedient werden. Die Community ist jetzt riesengross, also sucht man sich Leute, die zu einem passen und ist nicht gezwungen mit seltsamen Subjekten in einer Mini-Bevölkerung zusammen rum zu laufen.

Der Umstieg von Turbine war bei DDO ein super Erfolg, auch in finanzieller Hinsicht. Und Turbine hat genug Mumm um diesen Erfolg in Form von Pflege und Updates an die Spieler zurück zu geben. So gesehen war der Schritt, auch HdRO ins Free 2 Play Modell zu übertragen, sehr nahe liegend. Wir freuen uns für Spiel und Spieler.

Für MMO ist F2P, wenn es richtig gemacht wird, ein prima Modell. Vielleicht kann man es ähnlich sehen wie TV (gratis) und Kino (Pay per View). Die Rolle des Kinos wird immer mehr von kurzen, effektvollen und teuren Boxed-Games ausgefüllt. MMOs gehen immer mehr in die werbefinanzierte Ecke der TV-Sender. Wir werden Zeuge der Geburt einer ganz neuen Form von Entertainment, die zu Zeit aus extrem vielen Richtungen, wie zum Beispiel den Facebook-Games, beeinflusst wird. Schauen wir zu und staunen. Wer war eigentlich Blizzard?

Die Mikro-Transaktionen des Satans

Geschrieben am 8. Januar 2009 in Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene, Sonstiges von Reaktorblock || 2 Kommentare

Eine Meldung geistert über die MMO Seiten: Turbine, die Firma, die ‘Herr der Ringe Online’ (HdRO) und Dungeons & Dragons Online (DDO) betriebt sucht einen Manager für Microtransactions.

OMG! Hilfe! Was fällt denen ein? Die Scheisse ist im Ventilator, alles zu spät, die Arschlöcher drehen durch.

So – oder ähnlich – hörte sich die Reaktion in den Communities an. Und nicht nur auf den Seiten von Turbine. Normalerweise wird nicht aus jeder Personalanzeige in der MMO Branche eine News-Meldung gemacht. Was ist hier passiert?

Im Vorfeld eine kurze Erklärung für die KNBs (Kacknoobs), die mit dem Begriff ‘Micro-Transaction’ vielleicht nichts anfangen können. Hierbei dreht es sich um Online-Zahlungsmethoden, bei denen Inhalte Stück für Stück bezahlt werden. Auf dem IRL-Gemüsemarkt ist dieses Verfahren seit ca. 5.000 Jahren erfolgreich im Einsatz. Bei MMOs hat sich – vor allem in der westlichen Welt – das Abonnement als Zahlungsmodell durchgesetzt.  Mikro-Transaktionen kennt der normale Online Spieler (WOW) aus finsteren Gerüchten über koreanische und chinesische Gratisspiele, deren Betreiber sich durch den Verkauf (virtueller) Ausrüstung für die (virtuellen) Charaktere in sogennanten ‘Item-Shops’ eine goldene Nase verdienen. Ein Geschäftsmodell, bei dem der Spieler sofort die Kontrolle über seine (realen) finanziellen Ausgaben verliert und direkt in den Privatbankrott rauscht. Endstation dieser Spieler-Karrieren sind Online-Poker-Räume und die Schuldnerberatung. Man stelle sich das mal vor: da hat jemand sein voll-lila-IMBA-T15-Set nicht durch monatelanges, ehrliches, stupides Dauer-Raiden in der aktuellen Sado-Maso-Instanz zusammengefarmt sondern einfach so mit echtem Geld gekauft. Wie soll man im Spiel die ehrlichen Vollzeit-Versager (Black Tempel) von den reichen Schnöseln (Item-Shop) unterscheiden?  Solche Gedanken scheinen in den Köpfen der MMO-Spieler rumzuspuken. Micro-Transactions = Itemshop = Untergang der westlichen MMO-Welt.

Zugegeben, für Rollenspiele, in denen man sich die Ausrüstung mit richtigem Geld zusammen kauft, habe ich ebenfall Null Toleranz. Das widerspricht dem Geist eines Spieles, der darin besteht, dass man sich bestimmten Regeln unterwirft und versucht, auf dieser Regelbasis erfolgreich zu sein. Mag sein, dass man heutzutage in den grossen Fussballligen, mit Geld Spieler, Stadien und ganze Vereine kaufen kann. Erfolge müssen aber immer noch durch Tore auf dem Platz erzielt werden. Nun sind MMOs aber nicht nur eine moderne Form des Gesellschafts-Spieles, sondern auch Entertainment. Sie stehen irgendwo zwischen klassischen Daddel-Games, Kino, TV und Vereinssport. Und da ist durchaus Platz für Mikro-Bezahlung. Schliesslich musste man damals 1976 an der Kinokasse auch nur für ‘Krieg der Sterne’ bezahlen. ‘Das Imperium schlägt zurück’ und ‘Rückkehr der Jedi Ritter’ wurden erst bei Erscheinen inkassiert. Niemand käme auf die Idee, Abonnements für Kino-Serien zu zahlen. Oder?

Das Beipiel klingt konstruiert, trifft aber den Kern der Sache. Warum bezahlen MMO Spieler so gerne für Inhalte, die sie erst viel später oder gar nicht nutzen? Warum bezahle ich für zwölf Klassen, wenn ich doch nur den Paladin spielen will? Warum bezahle ich bei WOW für die ‘Allianz’, wenn ich sie eigentlich für einen schleimigen Moralisten-Haufen halte, den ich nie anrühren werde? Wieso zahle ich für den schwarzen Tempel, wenn ich ihn niemals, niemals, niemals betreten werde? Die Antwort: wir sind es durch die alte Traditon des Spiele-Kaufs-in-der-Schachtel-bei-MediaMarkt gewöhnt. Wir wollen immer alles haben, was dazu gehört. Aber MMOs sind grösser als Tomb Raider und Quake. Die Spieldauer ist um ein vielfaches länger. Deswegen gibt es ABOs. Aber die sind meiner Meinung nach nicht immer die optimale Lösung.

Meine These: je grösser ein MMO ist, je länger man levelt, je mehr Start-Optionen an Rassen, Klassen oder Gebieten vorhanden sind, je sinnvoller sind Mikro Transaktionen. Für den Spieler. Für die Hersteller ist es durchaus sinnvoll, sich die teure Entwicklung des gesamten Spieles durch einen Boxverkauf und durch fette ABO-Gebühren von allen Spielern und von Anfang an bezahlen zu lassen. Auch wenn 3/4 der Spieler nach 1/4 des Spieles wieder aussteigt. Man sieht bei ‘Age of Conan’ sehr genau, wohin das führt. Wieso habe ich nicht nur Tortage bezahlt? Das war gut, der Rest des Spieles war Kernschrott.

Die Alternative sind Spiele, bei denen man sich bestimmten Features nach und nach bei Bedarf frei schaltet: Klassen, Rassen, komplette Gebiete oder auch nur Dungeons/Instanzen. Für langsame Gelegenheitsspieler ist das besonders sinnvoll. Guild Wars hat übrigens einen ähnlichen Ansatz. Bei DVDs und Büchern ist es vollkommen logisch, dass man sie an der Kasse bezahlt, wenn man sie konsumiern will. Und weil dieses Verfahren gut ist, wird auch mehr Geld mit DVD Verkauf als mit Pay-TV  (z.B. premiere) verdient. Das Turbine über solche Ansätze nachdenkt, finde ich gut. Einen Item-Shop können sie sich aber in die Haare schmieren…