Mass Effect 2: das Urteil (Teil 5 der Exploratoren-Kritik)

Geschrieben am 6. März 2011 in RPG, Single Player von Reaktorblock || 4 Kommentare

Mögen wir Mass Effect2 ? Schwer zu sagen. Zwei Herzen schlagen in unserer Gamer-Brust…

Wenn wir ME2 einfach nur als Videospiel betrachten, ist es unserer Meinung nach kalter Kaffee. Wie bereits erwähnt, werden die drei Teilspiele (Exploration, Action, Dialoge) durch ein Rollenspiel zusammen gehalten. Das funktioniert aus unserer Sicht nicht wirklich. Weder im Kampf, noch bei der Erforschung haben wir irgendwelche nützlichen Spieloptionen bekommen, wenn wir unseren Helden hoch-gelevelt haben. Die Entscheidungen, die wir treffen, sind meistens irrelevant. Wen nehmen wir mit ins Team? Egal, die NPCs verhalten sich im Gefecht alle gleich. Auch die Mitkämpfer, die zu Hause bleiben mussten, bekommen volle XPs für’s rum sitzen. Welche Fähigkeiten werden ausgebaut und gegen welche Gegner eingesetzt? Vollkommen Schnuppe. Solange man vernünftig zielen kann und begriffen hat, wie man aus der Deckung heraus angreift, kann man nicht versagen. Lediglich im Dialogspiel bekam man hin und wieder neue Antwortmöglichkeiten frei geschaltet, die auch teilweise drastische Folgen haben konnten. RPG kann man das eigentlich nicht mehr nennen. Mass-Effect ist ein Adventure, dass sich als Action-Rollenspiel tarnt.

Langweilige Umgebungen, stupide Minispiele, Missratenes RPG. Eigentlich müsste sich Shepard was schämen. Aber da ist ja noch die Story. Und die spannenden Dialoge…

Auf der anderen Seite ist da aber die Story. Das Zerlegen eines Spieles in ein gutes Dutzend Science-Fiction-Kurzgeschichten ist so mutig, dass man Bioware dafür (fast) jeden Fehler verzeiht. Starke Charaktere, stimmige Dialoge, interessante Themen. ME2 tut mehr für das Medium Computerspiel als alle Blizzard-Spiele der letzten 10 Jahre zusammen.

Ach ja, der Sex! Auch in ME2 darf man versuchen, die Einsamkeit des Helden durch körperliche Zuwendung zu lindern. Die Exploratoren haben es leider nicht bis zum Koitus geschafft. Entweder wir waren zu hässlich oder wir haben uns nicht genug Zeit zum Baggern genommen. Tja, wer ficken will, muss freundlich sein.

Teil 1 der Kritik (Überblick)

Teil 2 der Kritik (Exploration)

Teil 3 der Kritik (Action)

Teil 4 der Kritik (Story)

Teil 5 der Kritik (das Urteil)

Mass Effect 2: Story (Teil 4 der Exploratoren-Kritik)

Geschrieben am 3. März 2011 in RPG, Single Player, Sonstiges von Reaktorblock || 3 Kommentare

Das dritte Teilspiel sind die Dialoge. Und in diesen Dialogen liegen 95% des Spielspasses versteckt. Neben den wirklich spannenden und gut geschriebenen Dialogoptionen (natürlich zu 100% vertont) sorgen vor allem die Gesichts- und Körperanimationen dafür, dass ME2 eines der ersten Spiele ist, dass Hollywoodfilmen den Rang abläuft. Und das obwohl nahezu alles mit Hilfe der Game-Engine erzählt wird. Render-Filme kommen eigentlich nur bei Raumschlachten zum Einsatz. OK, einige unwichtige Rand-NPCs sehen aus wie Fliessband-Gesichter. Aber die Mimik und Körpersprache von Shepard und seiner Besatzung ist einfach grossartig.

Wie im Kino: dramatische Handlung, angespannte Gesichter, Tiefenunschärfe. Und natürlich jede Menge grosskalibrige Wummen, die in die Kamera gehalten werden.



Auch die Aliens sehen cool aus. Und haben ebenfalls Wummen. Unten im Bild: das Renegaten-Symbol zeigt an, dass man durch einen Mausklick drastisch in die die Handlung eingreifen kann. Meistens fliegen dann die Fetzen.

Ein kleines Detail hat uns besonders gefallen: im Laufe der Handlung wird das Gesicht unserer Protagonisten durch die zahlreichen Waffengänge immer zernarbter. Man hat die Option, sich durch plastische Kosmetik wieder aufhübschen zu lassen, wovon wir aber schön die Finger gelassen haben. Am Ende sah unser Shepard aus wie eine satanische Version eines T800 Terminators. Und das passte wunderbar zu dem rücksichtslosen Verhalten, mit dem wir unsere Figur durch die Handlung gepeitscht hatten. Danke Bioware.

Shepard gegen Ende der Story: Schlimmer als die Narben auf der Haut, sind die Narben auf der Seele. Aber die sehen nicht so chique aus…

Was auch noch erwähnt werden muss, ist die eigentlich Story. Die ist, wie im ersten Teil, recht ernst und vielschichtig. Immer noch geht es um die offenen und geheimen Konflikte der verschiedenen raumfahrenden Rassen miteinander. Allerdings tritt der Krieg der (halbwegs) guten organischen Rassen mit den (irgendwie) bösen Maschinenwesen in den Hintergrund. Wichtiger sind in ME2 die einzelnen Geschichten von Shepards Team-Kollegen. Jeder der Mitkämpfer muss in einer Extra-Mission angeheuert werden. Dazu kommt im späteren Verlauf eine weitere Mission pro Mitglied, in der die persönlichen Probleme des jeweiligen Kollegen beseitigt (manchmal auch therapiert) werden. Mit Hilfe dieser Team-Missionen entwirft Mass Effect eine Art Psychogramm der verschiedenen Charaktere. Das geht über simple Gut/Böse-Konflikte weit hinaus. Immer wieder spielen ethische Themen eine Rolle, die sich bereits heutzutage als die Probleme der Zukunft andeuten: Gentechnik, Cloning, technische Allmacht und immer wieder der Umgang mit Maschinen und künstlicher Intelligenz. Das ist interessanter und relevanter als die abgenudelte heldenhafte Queste-Reise von A über B nach C, bei der an jeder Station geballert wird, bis man schliesslich die Galaxis gerettet hat. Die grosse Heldenstory gibt es zwar auch bei Mass Effect, sie fällt aber erfrischend kurz aus. Auch dafür: danke Bioware.

Wie geht man um mit intelligenten Maschinen? Verstehen sie ethische Werte oder zitieren sie nur blind aus der Bibel?

Mutationen, selektive genetische Programme, Retortenwesen. Das Spiel ist voll gepackt mit Freaks und wissenschaftlich erzeugten Schreckgespenstern. Und mit Wummen.

Unser Urteil: am Ende ist es interessanter, Shepards Verhalten, die Probleme der Mitstreiter und die eigene Spieler-Psyche zu erforschen, als sich durch die Galaxis zu klicken. In diesem Sinne ist Mass Effect 2 dann doch ein Explorator-Spiel. (Hurra!) Was man heraus finden kann: wie fies kann der Held noch werden? Oder noch interessanter: wann werde ich weich und klicke im Dialograd auf die Wohlfühl-Antwort, weil ich meinem eigenen moralischen Druck nachgeben möchte? Das macht dieses Spiel zu einem wirklich grossen Spiel. Trotz der Macken.

Selbst solche extrem cineastischen Sequenzen werden mit der Spiel-Engine berechnet. Man erkennt deutlich, dass Shepard die selben Waffen trägt, wie im Action-Teil. Respect, Bioware.

Teil 1 der Kritik (Überblick)

Teil 2 der Kritik (Exploration)

Teil 3 der Kritik (Action)

Teil 4 der Kritik (Story)

Teil 5 der Kritik (das Urteil)

Mass Effect 2: Exploration (Teil 2 der Exploratoren-Kritik)

Geschrieben am 27. Februar 2011 in RPG, Single Player von Reaktorblock || 5 Kommentare

Schauen wir uns also zuerst mal an, wie die Erforschung der Spielwelt so abläuft. Die schicke Galaxis-Karte mit ihren Nebeln, Sternenhaufen und Sternentoren lädt auf jeden Fall zum Erkunden ein. Aber ach, auf den meisten Planeten bleibt nichts weiter zu tun, als nach Rohstoffen zu forschen, mit denen man Ausrüstung und Schiff verbessern kann. Dieses MMO-artige Ressourcen-Farmen ist der absolute Tiefpunkt des Spieles. Vollkommen stupide scannt man man mit dem Mauszeiger die Planetenoberflächen ab, bis man eine Rohstoffquelle entdeckt hat. Dann Maus klicken, Metalle absaugen, fertig. Wenn man auf die vollkommen absurde Idee kommen sollte, alle Planeten auf diese Art zu untersuchen, verbringt man mehr Zeit mit dieser hirntoten Fummelei, als mit Schießen und Reden zusammen. Da die meisten Rohstoffe aber im Überfluss vorhanden sind, kann man sich diesen Gameplay-Autismus nach spätestens 10 Planeten sparen. Warum wurde dieser Mist um Himmels Willen eingebaut? Ganz schwere Spieler-Misshandlung.

Der Weltraum: unendliche Weiten.



Ok, ganz so unendlich sind die Weiten vielleicht doch nicht. Dafür gibt es aber unendliche Langeweile beim zweckfreien Ressourcen sammeln. Aua.

Was bleibt noch? Shepards Schiff, die Normandy, ist schick und angemessen gross. Bietet aber auch nichts wirklich Spektakuläres. Und die Raumstationen? Oh je. Selbst die guten alten 2D Baldurs Gate-Städte boten mehr Abwechslung und schickere Grafiken. Die wenigen Bewohner stehen festnagelt auf ihren Plätzen und füllen mit langweiligen Dialogen ihre sinnlose Existenz. Alles dreht sich um Shepard, seine Aufgaben, seine Siege. Nichts scheint im Mass Effect Universum ohne seinen Helden zu passieren. Man rennt von Questpunkt zu Questpunkt zu Questpunkt. Irgendwann wird einem klar, was hier faul ist: keine Handys! Wer hat im Mass Effect-Universum die Dinger verboten? Wer ist Schuld daran, dass wir die ganzen Kontakte und Auftraggeber nur mittels blöder Lauferei erreichen können? Die Mass-Effect Städte sind nichts weiter als blau leuchtende Wachsfigurenkabinette. Wir empfehlen den Bioware Designern eine Lehrstunde Assassins Creed. Es kann nur besser werden.

In einer Bar (!) laufen wir an einer Junggesellen-Party vorbei. Ist die Freizeit-Kultur des 25. Jahrhunderts wirklich so dröge? Oder ist Bioware vielleicht einfach nicht in der Lage, halbwegs glaubhafte Stadt-Szenen zu bauen?

Nett ist vielleicht noch das schön vertonte Lexikon, auf dass man jederzeit zugreifen kann. Seit dem ersten Teil hat unsere Faszination für diese Datenbank allerdings stark gelitten. Nett ist halt auch unser Hamster. Unser Urteil: Welten-Erforscher lassen besser die Finger von Mass Effect 2.

Immerhin, ein Easter-Egg. Eine süsse Hommage an Baldurs-Gate und an die skurillen Ideen des alten AD&D Rollenspiel-Universums.

Teil 1 der Kritik (Überblick)

Teil 2 der Kritik (Exploration)

Teil 3 der Kritik (Action)

Teil 4 der Kritik (Story)

Teil 5 der Kritik (Das Urteil)

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