Der Name des Monats…

Geschrieben am 3. Februar 2010 in Der Name des Monats, Netzkultur, WOW von Reaktorblock || Keine Kommentare

Unser Preis für den Namen des Monats vergeben wir diesmal an einen WOW-Spieler. Der Herr (?) zeigt eindrucksvoll, dass Blizzard nicht nur das grösste Abo-MMO der Welt betreibt, sondern auch eine der gängigsten Plattformen für Cybersex. Falls man es noch nicht aus den Medien erfahren hat (40 jährige Arbeitslose aus Kanada mit 16 jährigem Schüler aus Kentucky usw, usw, usw), weiss man es spätestens wenn man auf HOTLATINO trifft. Schön dass man mal wieder vom Namen auf den Spieler schliessen kann. So kann man selbst entscheiden, ob man mit diesem heissen Burschen raiden geht, oder besser gleich die Webcam anschaltet. Oder vielleicht doch besser aus lässt.

Das dröge Warten auf die tägliche Dosis Pornochat macht mehr Spass, wenn man dabei noch einen Charakter leveln kann. Da müssen Friendfinder und poppen.de echt mal nachlegen…

Mein Freund Ârágòrn

Geschrieben am 7. Januar 2010 in Der Name des Monats, Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene, Netzkultur, RPG, WOW von Reaktorblock || 2 Kommentare

In Fantasy Romanen haben die Helden episch klingende Namen. Wenn die Geschichte gut und der Held interessant ist, bleiben uns diese Namen im Gedächtnis und wir erinnern uns mit wohligem Schauer an Gandalf, den Grauen, der auf einer dünnen Steinbrücke dem turmhohen Balrog entgegen schleudert: “Du kannst nicht passieren!”  Aber wenn wir uns am Samstag-Abend einer Zufallsgruppe im MMO unserer Wahl anschliessen, und dabei auf einen Charakter namens Gändalf treffen, holt uns die Wirklichkeit wieder ein. Wir denken nicht an den Herrn der Ringe, sondern an die zahllosen Hirnleichen, die gemeinsam mit uns in diesen Spielen unterwegs sind. Wir denken an die armen Menschen, für die der Augenblick der Namensfindung bei der Charakter-Erschaffung offensichtlich zur schlimmsten Folter ihres Lebens gehören muss. Anders ist es nämlich nicht zur erklären, dass sich vollkommen bescheuerte Namens-Mutationen in Online-Rollenspielen einer immensen Beliebtheit erfreuen.

Die WOW-Armory, ein herrlicher Ort, der un viele Abgründe offenbahrt. Unter anderem finden wir hier auch Gändalf, den gräuen.
Das WOW-Arsenal, ein Ort, der viele Abgründe offenbahrt. Unter anderem finden wir hier auch Gändalf, den gräuen. Und zwar 52 mal.

Und dabei ist der eigene Charakter in einem MMO das einzige, was noch ansatzweise mit Rollenspiel zu tun hat. Der Rest ist klicken, sammeln, stapeln und im besten Fall etwas Taktik um den WOW-Ringelpietz zu überleben. In Spielen, bei denen der Druck von Gamedesign und Community zwangsläufig dazu führen, das alle Spieler einer Klasse die selben Fähigkeiten (Skills) haben und die gleiche Ausrüstung tragen, ist der Name der letzte Ausdruck von Individualität. Und dann trifft man Gändalf. Ein PnP-Spieler, der diesen Namen mit an den Spieltisch bringt, würde sofort achtkantig aus dem Haus fliegen. Gilden- und Charakter-Name sind Visitenkarten. Sie verraten immer ein bisschen über den dahinter steckenden Spieler. Und wenn man dann dem Char Cool-Alli-Killa über den Weg läuft, hat man sofort eine ungefähre Vorstellung  von dem Typen, und dessen Spielweise. Namen sollten also mit Bedacht gewählt werden. Im richtigen Leben muss man damit klar kommen, was die Eltern-Generation für chique und wohlklingend hielt. In einem MMO hat man selber die Wahl. Eigentlich ein herrlicher Luxus.

Wenn man etwas tiefer in den Sumpf des schlechten Geschmackes eintauchen möchte, empfiehlt sich eine Suche in den Web-Datenbanken der grossen MMOs. Besonders die WOW-Armory ermöglicht ein herrliches Stöbern in den Produkten unserer verkümmerten Phantasie. Ein Ausgangspunkt sollen die Namen aus dem bereits erwähnten Fantasy Standardwerk “Der Herr der Ringe” sein. Eigentlich haben die Gefährten um Gandalf und Aragorn ja nichts auf einem WOW-Server verloren. Aber siehe da, eine Suche liefert immerhin sechs Gandalfs und sieben Aragorns. Eigentlich hätten wir mehr erwartet angesichts der Massen von dämlichen Namensklonen, die einem ständig über den Weg laufen. Ein Blick auf die Support-Seiten von Herstellern wie Blizzard oder Codemasters schafft Klarheit: Namen aus eigenen oder fremden Fantasy-Werken sind unerwünscht. Und natürlich auch alles, was irgendwie mit Sex zu tun hat, klar.  Auch ‘Leetspeak’ oder ‘Dudespeak’ sind untersagt. Das wirft natürlich die Frage auf, wie es besagte sechs Gandalfs und sieben Aragorns geschafft haben, dem wachsamen Auge von Mordor.. ähhh…Blizzard zu entgehen, aber das ist wohl eine Frage, die wir hier nicht abschliessend klären können.

Suchen wir also lieber noch etwas weiter und fügen mal den einen oder anderen kuriosen Strich hinzu. Elfensprache und Tschechisch sind ja offensichtlich eng verwandt. Erste Erfolge haben wir mit der Version Gândalf. 64 Einträge, nicht übel. Unser Stein des Anstosses, der Zauberer Gändalf, der Gräue, schafft es nur auf 52 Server. Ganz offensichtlich schlägt das â den Umlaut ä. Selbst Aragórn kommt weiter mit 76 Servern. Jetzt wollen wir es richtig wissen und verteilen Striche und Dächer was die Tastatur hergibt. Kein Vokal bleibt nackt: Ârágòrn. 3 Einträge, enttäuschend. Schade, denn der Name ist so bescheuert, das er schon fast wieder ironisch ist.

Aragorn
Den ‘echten’ Aragorn finden wir nur sieben mal, Gandalf schafft es nur auf sechs Server.

Kollege Aragórn hingegen existiert sage und schreibe 76 mal im WOW Universum. Soviel zum Thema Individualität.
Kollege Aragórn hingegen existiert sage und schreibe 76 mal im WOW Universum. Soviel zum Thema Individualität.
Fast schon wieder witzig. Allerdings eine Qual für alle Spieler, die den Namen irgendwo mal eintippen müssen. Und auch bestimmt lustig, falls man ihn mal buchstabieren soll.
Fast schon wieder witzig. Allerdings eine Qual beim Eintippen. Oder beim Buchstabieren.

Die absolute Top-Position wird übrigens nicht von einer Tolkien-Verwurstung besetzt, sondern von dem schnittigen, coolen Dunkelelfen Drizzt  Do’Urden aus den Werken des Hack’n'Slay-Poeten R.A. Salvatore. Drizzt selber bringt es nur auf 4 illegale Namens-Kopien, aber sein Schwippschwager Drîzzt hat eine weltweite Fanbase von 102 Kreativ-Zombies. Da kann man nur sagen: Gratz! Oder vielleicht besser: Grâtz?

Drizzt
Zwei rasiermesserscharfe Scimitars und ein gut geeichter Moral-Kompass zeichnen den Forgotten Realms-Helden Drizzt Do’Urden aus…
drîzzt
…und machen ihn zum absoluten Renner für dâch-freudige Namensdiebe: Drîzzt toppt alles mit satten 102 Namenskopien.

Aber nun ist es gut ,wir wollen das ganze nicht zu eng sehen. Das überlassen wir lieber den beinharten Rollenspielern. Auch ein Spassname kann nett klingen und eine Menge gutes über den Spieler dahinter aussagen. Wir erwähnen hier einfach mal den einmaligen Hannebambel Heckeschisser, ein DDO-Char mit einem Urhessischem Gebabbel-Namen, dessen humoriger Spieler eine Zier für jede Gilde ist. Hanne: Rock on!

Trotzdem gibt es, wie man oben sieht, eine Menge wirklich dämlicher Namen die, selbst aus der liberalen Sicht der Exploratoren heraus, am liebsten verboten werden sollten. Ârágòrn ist nicht nur peinlich, sondern er schädigt das Erlebnis der Mitspieler in schmerzhafter und zwanghafter Weise. Ârágòrn, Drîzzt und Gändalf sind nerviger Kreativmüll, dem man einfach nicht ausweichen kann. Man trifft sie nicht nur in Zufallsgruppen, sondern auch vor Auktionshäusern und Briefkästen. Sie erinnern uns immer wieder daran, das ein MMO eben kein Rollenspiel ist und dass gute Geschichten in einem Spiel Perlen vor die Säue sind. Und dass man mal wieder ein ordentliches Buch lesen sollte.

Um allen Geschädigten endlich eine Stimme zu verleihen, haben wir uns entschlossen, eine neue Rubrik einzurichten: den Namen des Monats. Wir wollen aber nicht nur die Deppen anprangern, sondern auch die Poeten ehren. Schickt uns also einen Screenshot von einem Char mit einem bemerkenswerten Namen. Bemerkenswert schön oder bemerkenswert blöd. Dazu einen kurzen Text, wo ihr den Spieler getroffen und warum ihr ihn ausgewählt habt. Die Exploratoren erledigen den Rest. Wir sind gespannt…

Ärägôrn
Und hier der Matchwinner für diesen Monat: Ärägôrn, der Untalentierte. Exakter kann ein Charakterbogen nicht werden…

Kann-Nix, der Verskillte.

Geschrieben am 27. November 2009 in Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene von Reaktorblock || Keine Kommentare

Beim Rollenspielen steht der Spass im Vordergrund. Und wenn man Spass daran hat, einen asthmatischen, amputierten Bettler zu spielen – bitteschön. Aber ein MMO ist kein klassisches Pen&Paper-Rollenspiel. Das Erleben des Abenteuers steht hier nicht im Vordergrund. Viel mehr ist das Verbessern der eigenen Spielfigur das zentrale Element dieser Spiele. Wer das ignoriert, muss damit rechnen, bei seinen Mitspielern auf Kritik zu stossen. Die verlassen sich nämlich darauf, dass man seine Rolle in der Gruppe ausfüllt. Die Rolle, die man spielt, ist eben nicht ‘Kamarus, der Treue Vasall des Königs‘ sondern ‘Untoti-Tot, der effektive Untoten-Vernichter-Paladin‘.

Spätestens wenn man von seinen Gruppen-Kollegen Sätze zu hören bekommt wie: ‘Ey, nun mach ma’ Damage!‘ oder ‘An dieser Falle sind wir bisher noch nie gewiped.’, sollte einem dämmern, dass man bei der Charakter-Entwicklung irgendwo falsch abgebogen ist. Und je mehr Freiheiten ein MMO beim Aufstieg der Charaktere anbietet, je schneller baut man Bockmist. Die meisten grossen MMOs bieten den Spielern eine Möglichkeit an, Skillungs-Fehler rückgängig zu machen. Das nennt man im Fachjargon ‘Respec’.  Ein Respec kann aber, je nach Spiel, ziemlich teuer werden. Die Spielehersteller nutzen hier das Bewusstsein des Spielers ‘einen Fehler gemacht zu haben’ brutal aus…und bitten ihn zur Kasse. Je tiefgreifender der Respec wirkt, je teurer wird er. Meistens wird in In-Game-Währung bezahlt, aber machen wir uns nichts vor: In-Game-Gold = Spielzeit = Geld.

Um solche Desaster zur vermeiden, empfehle ich jedem Spieler, der neu mit einem MMO anfängt:

  1. Holt euch Tipps zum Charakter-Entwurf von Mitspielern. Infos aus Foren und Wikis sind ebenfalls Gold wert (im wahrsten Sinne des Wortes), können aber veraltet sein. An MMOs wird ständig herumgeschraubt. Und die kleinste Änderung an einer einzigen Klasse kann das gesamte Spiel beeinflussen. Ausserdem ist die Spielweise eurer Freunde ein wichtiger Faktor bei Charakterwahl und Ausbau: welche Klasse fehlt noch? Welche Zauber werden noch benötigt? Welche Schadensart haben wir vielleicht schon im Team? Wie gesagt, in einem Online Rollenspiel geht es in erster Linie darum, die Rolle in der Gruppe auszufüllen.
  2. Hebt euch die Experimente für den Twink auf. Spielt eine Klasse, von deren Funktion ihr eine ungefähre Vorstellung habt. Und versucht diese Funktion bei jedem Aufstieg gezielt zu verbessern. Trefft keine Bauch-Entscheidungen! Wenn euch beim Aufstieg eine Fertigkeit, ein Zauber, eine Klasse oder ein Talent unbekannt ist: Finger weg oder nachfragen! Je mehr Freiheiten euch ein Spiel bei der Charakter-Entwicklung bietet, je höher steigt das Risiko.
  3. Benutzt Hilfsprogramme und entsprechende Webseiten, um euren Charakter vom Anfang bis zum letzten Level durchzuplanen! So vermeidet ihr nicht nur Fehler, sondern verkürzt auch die Zeit, in der ihr planlos vor eurem Trainer-NPC rumsteht, während der Rest der Gruppe bereits am Eingang zur nächsten Instanz auf euch wartet. Eine Entscheidung, die ihr unter Zeitdruck trefft, kann leicht zum Fehler werden.

Sogar für ein Mauerblümchen-MMO, wie DDO,  gibt es einen Charakterplaner, der sogar immer ziemlich Up-To-Date ist. Leider nur auf Englisch.

Natürlich lieben die Exploratoren gerade solche Spiele, die uns jede Menge Möglichkeiten geben.

Natürlich hassen wir Spiele, die uns vorschreiben, wie man sie zu spielen hat.

Trotzdem: um die Freiheiten eines komplexen MMOs zu geniessen, sollte man erstmal die Regeln beherrschen.

Cennex, von den Exploratoren, eine tragische Gestalt. Dieb5/ Magier6. Ungefähr so nützlich wie eine Kaffee-Kanne aus Nougatschokolade. Auch bekannt als Kannix, der Verskillte.
Cennex, von den Exploratoren, eine tragische Gestalt. Dieb5/Magier6. Ungefähr so nützlich wie eine Kaffee-Kanne aus Nougatschokolade. Auch bekannt als Kann-Nix, der Verskillte.

DDO ganz oben

Geschrieben am 23. November 2009 in Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Eine Bewusstseinserweiterung erfährt man beim Spielen von MMOs eher selten. Aber manchmal überraschen einen diese Spiele zumindest mit eine Erweiterung des Sichtbereiches. So erging es zumindest dem Planaren Exploratoren Schwarzdorn, als sein Teleportations-Zauber fehl schlug. Anstatt ihn an seinem Zielort abzuliefern, spukte in der Zauber in mehreren Meilen Höhe über der Stadt Stormreach aus. Da Schwarzdorn als gewitzter DDO-Spieler natürlich einen Federfall-Zauber parat hatte, konnte er die immense Aussicht geniessen, einen Screenshot schiessen UND den Sturz überleben.

Gratz & Danke für das Bild!

Klares We
Klares Wetter, weite Sicht und guter Auftrieb. Ideale Segelflug-Bedingungen über Stormreach.

DDO Unlimited – betrachtet aus 4 Blickwinkeln

Geschrieben am 18. November 2009 in Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene von Reaktorblock || Keine Kommentare

Chris Molsbee hat auf massiveonlinegamer.com einen sehr feinen Artikel über DDO Eberron Unlimited verfasst. Das Spiel, insbesondere das F2P Modell, wird aus dem Blickwinkel eines Noobs, eines Veteranen, eines Wechselspielers (Ex WOW, klar) und aus der Sicht des Chefdesigners betrachtet. Das ganze mit gezielten Fragen und Antworten. Sehr informativ.

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