Tron: Legacy. Ganz wie der Papa.

Geschrieben am 3. Februar 2011 in DVD, Kino, Netzkultur von Reaktorblock || Keine Kommentare

Es gibt ein paar spirituelle Grundannahmen und unveränderliche, allgemeine Standpunkte in der weltweiten Nerdkultur, an denen nicht gerüttelt werden darf. Zum Beispeil: Star Trek Doppel-Folgen sind besser als Star Trek Kino-Filme, die Krieg der Sterne Prequels mussten gemacht werden und mussten zwangsweise in die Hose gehen, der 4. Indy Film war überflüssig und… es müsste endlich mal eine Tron Fortsetzung gedreht werden. An letzteres hat keiner mehr geglaubt. Immerhin hat der Film seinerzeit die Disney Studios an den Rand des Ruins gebracht. Tron war aber auch der Film, der die Tür zum computeranimierten Kino aufstiess und der erste Hollywood-Streifen, der sich mit virtuellen Welten beschäftigte. Und siehe, dass Wunder ist geschehen. Und die Exploratoren haben es im Kino gesehen.

Zuerstmal: Tron Legacy ist genauso wenig perfekt wie sein Vorgänger. Die meisten Charaktere bekommen kaum eine Chance zu schauspielern, weil Drehbuch und Dialoge das einfach nicht vorsehen. Jeff Bridges, der Oscar-Dude, bekommt etwas mehr Platz eingeräumt. Und klar, sein knautschiges Gesicht gepaart mit seiner kauzigen Vaterfigur tun dem Film auf jeden Fall gut. Das war’s dann aber auch. Schade ist zum Beispiel, dass Tron, der Titel-gebende Charakter komplett an den Rand der Handlung gedrängt wurde. Er bekommt noch nicht mal ein Gesicht. Was übrig bleibt, ist eine nett skurrile Handlung, die vor den bösen Gefahren entfesselter Computer-Technik warnt. Computer Ok, aber Gott spielen? Das ist natürlich ganz, ganz böse und muss auf jeden Fall bestraft werden. Wenn es also echtes, neues Leben im Computer geben soll, dann muss es durch ein Wunder entstehen. Auch hier bleiben sich die Disney-Studios treu, wenn sie, wie immer bei solchen Themen, um den heissen Brei herum filmen. Denn natürlich darf nur Gott Leben erschaffen. Aber Vorsicht die christlichen Fundamentalisten sind einflussreich und wachsam! Bevor sich also irgend ein Club der besorgten, frommen Hausfrauen darüber aufregt, dass der Allmächtige sich dazu herab lässt, in virtuellen Welten herum zu fummeln, sprechen wir lieber schön verschwurbelt von einem Wunder. Dadurch vergibt Tron die Chance, sich ein paar interessanten philosophischen Fragen zu stellen. Zum Beispiel: ist der Wunsch der Computerlebewesen auf Zutritt zu unsere Welt nicht vielleicht berechtigt? Aber lassen wir es gut sein, Hollywood liegt immer noch in Amerika und soll in erster Linie unterhalten.

Und das macht Tron wirklich gut. Der Film ist weder hektisch noch lahm. Und er wurde mit extrem viel Liebe gemacht. Hier merkt man, dass die Filmemacher durchaus wussten, wer die Hauptzielgruppe ist und wie man ihr Honig ums Maul schmiert (lecker!). Der Film strotzt vor filmischen Zitaten vom Zauberer von Oz, über 2001 bis zu (logisch) Matrix. Und er huldigt praktisch ununterbrochen den Lieblings-Klischees der Nerdkultur. Es gibt den überheblichen High-Tech-Konzern, samt debilem, technik-fremden CEO. Es gibt Action-Figuren in Kinder-Regalen, die aus dem eigenen Film stammen. Und natürlich gibt es Tonnen von lustig-bescheuertem Technik-Blah, wie bewusstlose Charaktere, die ‘rebooten’ müssen, um wieder aufzuwachen. Soweit alles cool. Es gibt aber auch die Musik von Daft Punk. Erstens ist es ein absolut genialer Schachzug der Produzenten, genau diejenigen Musiker, die sich die letzten 15 Jahre sowohl musikalisch als auch thematisch ununterbrochen mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt haben, in den Film zu holen. Die Jungs rannten ja praktisch während ihrer ganzen Karriere in albernen Tron-Kostümen rum. Und zweitens ist die Musik einfach gut. Und nicht von Hans Zimmer. Teilweise hat der Film-Ballett-Charakter. Tron, das Musikal? Wäre vielleicht gar keine schlechte Idee gewesen.

Was jedem klar sein sollte: Tron sieht natürlich fantastisch aus. Der 3D Effekt hält sich angenehm zurück und beschränkt sich darauf, dem Film Tiefe zu geben. Effekt-Hascherei, wie etwa in die Kamera geworfene Waffen, gibt’s praktisch gar nicht. Dafür hatten wir dann auch keine Kopfschmerzen am Ende ;-). Man darf sich auf jede Menge vollkommen cooler Fahrzeuge freuen, die in heftigen Verfolgungsjagden und Dogfights stilecht in Pixelwolken zerlegt werden. Was Optik und Ausstattung angeht ist der Film ein kleines Meisterwerk. Ganz wie der Papa ;-)

Und wer das Orginal noch nicht kennt, sollte sich was schämen. Und es über die Exploratoren bestellen…

Die explorativen TOP 5 von 2010: Platz 1 (endlich)

Geschrieben am 9. Januar 2011 in Dungeons & Dragons Online, MMO-Szene, RPG von Reaktorblock || Keine Kommentare

Oops, das neue Jahr ist schon 10 Tage alt. Höchste Zeit die explorativen Top5 zu Ende zu bringen. Bevor es 2012 ist.
Unser Top1 ist das MMO mit dem Monsternamen Dungeons & Dragons Online: Eberron Unlimited. Die Entscheidung fällt uns leicht, da wir in 2010 ohne Zweifel die meiste Spielzeit in DDO verbracht haben. Da das Spiel hier in Deutschland komplett ignoriert wird (abgesehen von skurrilen Blogs wie diesem hier), erklären wir euch gerne, was wir an DDO so schätzen…

1. DDO wird gepflegt. DDO wird sogar besser gepflegt als alle anderen MMOs, die uns bekannt sind. Wären MMOs Frisuren, wäre DDO der Kopf von Beyonce Knowles.  Turbine, der Hersteller, des von uns ach so verehrten Spieles, hat allein im Jahr 2010 sechs Updates für das Spiel veröffentlicht. Unter anderem wurde ein komplettes Gildensystem und zwei neue Rassen hinzugefügt. Frische Inhalte sind bei DDO selbstverständlich.

Diese niedliche Hexe gehört zum neuen Inhalte-Paket "Attack on Stormreach". Auch sie ist der Meinung: frischer Content ist immer eine gute Idee!
Diese niedliche Hexe gehört zum neuen Inhalte-Paket “Attack on Stormreach”. Auch sie ist der Meinung: frischer Content ist immer eine gute Idee!

2. DDO ist innovativ. Manchmal könnte man glauben, dass DDO für Turbine eine Art Labor ist, in dem skurille Ideen getestet werden, bevor sie auf LOTRO los gelassen werden. Dazu zählt der gewagte Schritt zum Free-to-Play Modell, die DX11 Unterstützung, aber auch die ungewöhnliche Fantasy Welt Eberron. DDO versucht immer wieder anders zu sein. Und meistens funktioniert das ziemlich gut. Übrigens sind wir nicht alleine mit dieser Meinung ;-)

3. DDO ist das Paradies für Twinker. Die verschiedenen Klassen spielen sich alle extrem unterschiedlich. Was übrigens daran liegt, dass DDO kein Klassen-Balancing benötigt, da es auf PvP verzichtet. Die Basis der elf Charakter-Klassen geht weit über das Tank, Heiler, Damage-Schema der Konkurrenz hinaus. Hinzu kommen sieben Rassen, mit denen die Klassen kombinierbar sind. Für echte Twinkaholics bietet sich noch die Möglichkeit, jede Klasse mit zwei weiteren zu Multi-Klassen-Chars zu verschmelzen. Aber auch das ist noch nicht genug: jede Basis-Klasse hat bis zu drei Spezialisierungen, die praktisch wieder eine eigene Sub-Klasse bilden.

4. DDO ist D&D. Das Spiel hat keinen Ideen-Diebstahl oder irgendeine Form von Plagiat nötig. Es basiert auf dem ursprünglichen und ersten Pen-and-Paper Rollenspiel Dungeons&Dragons, das in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Gary Gygax & Dave Arneson entwickelt wurde. Seit dieser Zeit liefert D&D einen immensen Berg von Ideen, Welten und Geschichten. DDO nimmt diese Herkunft ernst, aber fügt auch ständig neue Dinge hinzu. Dieses ist der wahre Geist von RPGs. Und davor ziehen wir unseren Hut (meistens ist das übrigens ein Dreispitz.)

Oger Kapitän mit Dreispitz
Ein Oger-Piraten-Kapitän mit stilsicherem Hut. Fantasy ist Fantasy, wenn sie mit Phantasie (und Liebe) gemacht wird.

5. Olli’s Axt. Olli’s Axt? Genau: Olli’s Axt! Was soll das heissen? Das heisst, dass DDO ein extrem ausgefeiltes Item-System hat, welches das oben erwähnte Charakter-System super ergänzt. Olli’s Axt ist nämlich eine Waffe, die wir irgendwann, so gegen Stufe 12 herum, von einem Mitglied der Exploratoren (-> Olli) geschenkt bekommen haben. Das gute Stück war ein Glücksfund im Auktionshaus, der anschliessend durch Crafting doppelt verzaubert wurde. Inzwischen spielen wir auf Stufe 18 und die Axt ist immer noch unserer Hauptwaffe. Man kann sicher sein, dass diese Axt auch auf Stufe 20 (Endgame) noch extrem nützlich sein wird.  Sie mag hier als Beispiel dienen für das robusteste, komplexeste und coolste Ausrüstungs-System, das wir kennen.

Rosti auf dem Schiff
Der Exploratoren-Char ‘Rostfreier Federstahl’ auf unserem Gildenschiff. Mit Dreispitz. Und natürlich mit Olli’s Axt.

Aber trotz allen Lobgesanges glauben wir nicht daran, dass DDO auch die 2011er Top5 anführen wird. Inzwischen sind wir seit über 2 Jahren mit dem Spiel beschäftigt. Das ist die längste Zeitspanne, die uns irgendein Computerspiel je gebunden hat. Selbst Space Invaders (Atari2600) und Master of Orion II konnten uns nicht so langfristig fesseln. Die meisten Dungeons haben wir gespielt – und zwar X-mal. In nicht allzu ferner Zukunft werden wir unser Abo auslaufen lassen und das Spiel auf free-to-play umstellen. Und sollte wieder mal interessanter Content veröffentlicht werden, können wir uns den in aller Ruhe Stück für Stück im DDO-Store kaufen. Und auch das lieben wir an DDO: wenn man seine Ruhe haben will, kann man jederzeit gehen.

Wer es ausprobieren will, klickt hier ;-)

Die explorativen TOP 5 von 2010

Geschrieben am 24. Dezember 2010 in Netzkultur, Single Player, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Das Jahr ist rum. Was hat man geschafft? Nix. Gerade was diese Website angeht, haben die Exploratoren 2010 eher Stillschweigen bewahrt, obwohl wir eigentlich eine ganze Menge gespielt hatten. Mit anderen Worten: vor lauter Zocken ist man nicht zum Schreiben gekommen. Das geht natürlich nicht. Also fassen wir unserer Expeditionen und Erlebnisse einfach ein bisschen zusammen und hauen das Ganze als Jahresrückblick raus. Besser noch! Wir machen eine Top 5 Liste. Sowas hat ja seit Nick Hornby jeder gerne. Und damit es spannend bleibt, fangen wir natürlich von hinten an…

TOP5: das Ifone.

Das Ding vereint Marketing-Fussel, Geeks, Gamer & Design-Fetischisten. Alle hocken still in der Ecke und fummeln einträchtig und tuntig auf Apples kleinem Schwarzen rum. Prinzipiell waren die Exploratoren ja skeptisch, als wir das Ding zum ersten mal vom Chef in die Hand gedrückt bekamen. Kein USB, kein Windows, keine austauschbare Grafikkarte? Wozu soll das gut sein? Und das Termine syncen mit Outlook ist auch eine Pest. Aber hey, laden wir uns doch mal was runter…

Peng. Schon hatte uns Steve in der Tasche. Endlich mal eine Handheld-Konsole mit preiswerten Spielen! Für Nintendo & Sony hat sich der Wind im vergangenen Jahr böse gedreht. Warum ein Gameboy Spiel für 40 Euro kaufen, wenn ich mir ein optisch gleichwertiges Spiel mit Online-Part, nachladbaren Leveln und Mods für 2,95 € runter laden kann? Gelobt sei der Wartesaal der Deutschen Bahn! Endlich wissen wir, warum wir stundenlang in Wartezimmern hocken müssen. Endlich Zeit für’s Ifone. Zeit für Doodle Jump, Zeit für Cartoon Wars, Zeit für Plants vs. Zombies, dass wir – dank Ifone –  schon lange durch hatten, bevor Blizzard es im Cataclysmus wieder aufwärmte.

Ein Blick in den (teuflischen) App Store zeigt, dass die Liste nahezu unendlich fortgesetzt werden könnte. Jede Menge Krams zum daddeln, fummeln & exploren. Dafür verzeihen wir Steve Jobs sogar seine faschistoide Porno-Phobie.

Hopsi-Hops
Hops, Hops, Doodle, Doodle. Endlich mal wieder ein Spiel, das innovativ UND einfach ist. Seit Tetris war auf diesem Sektor nicht gerade viel passiert.
Blah
Cartoon Wars II. Ein Echtzeitstrategiespiel, dass soweit runter reduziert wurde, dass es sogar mit einem eindimensionalen Spielfeld funktioniert. Links im Bild die Basis…
Blä
…die Gegner (der putzige Bär) kommen von rechts. Irgendwo weiter rechts ist die Feindbasis, zu der man sich durch hacken muss. Wozu braucht man 3D?
Blö
Peng, Brutzel, weg ist der Zombie. Plants vs Zombies gibt es für alle Plattformen. Auf dem Ifone ist das Spiel ideal für unterwegs und zwischendurch.

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