Ein paar Gedanken zum Thema Meta Gaming

Geschrieben am 7. Februar 2012 in MMO-Szene, Sonstiges von Reaktorblock || Keine Kommentare

Nach zahlreichen Ausflügen in Solo-Spiele und F2Ps haben die Exploratoren (hoffentlich) eine etwas distanzierte Perspektive auf das MMO-Genre gewonnen. Und da wir nun wieder kopfüber in Star Wars: The Old Republic stecken, möchten wir mal einen Schritt zurück machen und fragen: was spielen wir da eigentlich? Wo liegt der wesentliche Unterschied zwischen einem MMO und einem RPG, das wir im Koop-Modus mit Freunden spielen? Warum fasziniert uns das Gefühl, gleichzeitig mit tausend Kollegen durch die virtuelle Welt zu rennen, wenn wir meistens doch nur mit denselben vier Leuten zusammen abhängen? Es sind die Metaspiele. Unter einem Metaspiel verstehen wir (die Exploratoren) einen Mechanismus, der nicht eindeutig bestimmten Elementen des Interface/GUI zugeordnet werden kann. Beispiel gefällig? Das Zuordnen von Skill-Punkten in einem Fertigkeiten-Baum ist eindeutig Teil des Spieles. Aber der Wettstreit, eine optimale Skillung für eine Klasse oder Rolle im MMO zu finden und über längere Zeiträume (und Patches) hinweg aufrecht zu halten ist ein Metaspiel. Metaspiele finden in Chats, Foren, Podcasts und Let’s play Videos statt. Und in tausend weiteren finsteren, staubigen Community-Löchern. Erst wenn man vom Rest der (kleinen) Welt als Autorität auf einem Gebiet akzeptiert wurde, hat man gewonnen. MMOs bieten auf Grund ihrer Komplexität eine extrem breite Plattform für die unterschiedlichsten Arten von Metaspielen. Der wichtigste Mechanismus dabei ist wahrscheinlich die Ökonomie. Einerseits würden nur wenige Leute den virtuellen Kontostand eines Charakters als echten Erfolgsmesser akzeptieren. Andererseits umgibt Spieler, die das Auktionshaus beherrschen, eine geradezu mystische Aura.

Was folgt daraus? Die Möglichkeiten für Metaspiele, die eine Freizeitbeschäftigung bietet, sind ein wichtiger Erfolgsfaktor. Vergleich wir zum Bespiel mal Schach und Poker. Das erste gilt als nerdiger und extrem anspruchsvoller Gehirnsport. Die Varianten und Regeln sind übersichtlich. Ligen, Titel und Turniere kommen einem vor wie in Zement gegossen. Und genauso steht es mit der Akzeptanz und Beliebtheit des Spieles. Poker hingegen hat in den letzten Jahren einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Liegt es daran, dass man hier echtes Geld gewinnen kann? Kaum, denn die absolut überwiegende Masse der Spieler muss sich mit eher kleinen Gewinnen zufrieden geben. Es ist die Vielfalt der Varianten und Metaspiele, die Poker interessant machen. Neben den reinen Spiel-Taktiken und -Strategien zählt vor allem die psychologische Einstellung so stark, dass sie sogar den Einzug in die Alltagssprache (Pokergesicht) gehalten hat. Das Ganze überträgt sich dann weiter auf Kleidung, Stil und generelles Verhalten am Spieltisch. Beim Onlinepoker findet sich das Äquivalent dazu in der Art zu Chatten und in der Wahl des Avatars. Die Möglichkeit reales Geld zu gewinnen, ist unserer Meinung nach nicht nur als Motivator wichtig, sondern vor allem weil es neben einer Ranglistenplatzierung eine Einordnung und Vergleichbarkeit der Spieler ermöglicht. Wir halten fest: Schach macht Spaß, wenn man gut in Schach ist. Poker macht Spaß, wenn man gut pokert, cool ist oder (nur mal so zum Beispiel) Interesse an Statistik hat. Gamedesigner haben diesen Faktor natürlich längst verinnerlicht. Mit dem Aufstieg der F2P-MMOs ist sogar noch ein weiteres (recht beliebtes) Metaspiel dazu gekommen: das Farmen der Bezahlpunkte, mit denen man sich neue Inhalte frei schalten kann. Fast wie Gold farmen. Oder Poker ;-)

Der Name des Monats: die Top 3 SWTOR Namens-Schocker!!!

Geschrieben am 29. Januar 2012 in Der Name des Monats, MMO-Szene, Netzkultur, swtor von Reaktorblock || Keine Kommentare

In unserer Rubrik ‘Der Name des Monats’ herrscht seit einer halben Ewigkeit Funkstille. Nicht, dass in der MMO-Welt plötzlich Stil und Benehmen eingekehrt wäre… ganz im Gegenteil. Praktisch täglich läuft man Charakteren über die Füsse (meistens am Postkasten), die es schaffen, nur durch ihre Namenswahl einen Rollenspieler in Schockstarre fallen zu lassen. Aber leider ist eine Eigenschaft der Stillosigkeit, dass sie eng mit der Einfallslosigkeit und dem Plagiat verwandt ist. Mit anderen Worten: ein blöder Name kommt selten allein. Irgendwo hat man alles schon mal gesehen. Gähn. Lohnt nicht für die Website.

Aber nun ist endlich wieder etwas Leben in unser Kabinett der Ideenlosigkeit gekommen. Warum? SWTOR! Das Spiel beschäftigt alle. Also auch die Deppen.


Und obwohl die Exploratoren sich extra einen RPG Server als Basis für die Fulltime-Wirklichkeitsflucht ausgesucht haben, ist es schier unglaublich, was man geboten bekommt. Das liegt natürlich auch daran, dass wir nach jahrelangem Nischenspiel (DDO) auf einem US-Server endlich wieder zurück in teutonischen Gefilden sind. Natürlich sind die Amis nicht etwa einfallsreicher. Aber auf Deutsch tun uns die verkorksten Namen unserer Mitspieler einfach noch viel doller weh. Also Vorhang auf für die Top 3 der einfallslosesten, albernsten und abgeschmacktesten Namen, die uns auf unserem trauten RPG-Heimatserver begegnet sind.

Platz 3.

platzhalter
Ok, das ist ja noch ganz originell. Aber was will uns der Spieler damit eigentlich sagen? Dass man eine solide Ausbildung in Physik oder Philosophie haben sollte, bevor man mit ihm questen geht? Für alle geistig schwachen, die etwas Nachhilfe brauchen: hier ein passender Wiki-Link.

Platz 2.

platzi
Skywalkér. Dieser Name musste natürlich irgendwann kommen. Die traurige Wahrheit ist aber, dass es keine 2 Wochen Spielzeit gedauert hat (Vorbesteller-Phase mitgerechnet), bis uns dieser intelligente, einfallsreiche Mensch vor die Kamera gelaufen ist. Willkommen auf unserem RPG-Server. Wir freuen uns schon auf seinen alten Kûmpél näméns Hän Sölö.

Platz 1. Mit viel Abstand.

platzo
Wenn man MMOs spielt, um hin und wieder einen kleinen schmutzigen Chat zu haben (vielleicht mit Webcam auf dem Klo),  sollte man allen interessierten Dreckschweinen am Besten gleich klar machen, worauf man steht. Auf den RPG-Servern sind ja auch immer die heissesten Schnitten unterwegs. Gothics und Cosplayerinnen und so. Die stehen auf sowas. Was hier aber noch fehlt sind die echt relevanten Details. Also nächstes Mal: ‘Urinplantscher_28_30cm_HH-Ost’.

So. Das waren unsere Top-Favoriten. Aber auch auf den hinteren Plätzen gibt es noch einige wirklich nette Kandidaten, die man nicht unter den Tisch fallen lassen sollte…

platzu
Eléssar, der edle Elben-Jedi. Hat seinen Herrn der Ringe gelesen. Wahrscheinlich auch die Gedichte und die Anhänge. Und wenn er zufällig den einen Ring finden sollte, kann er ihn ja auch in den grossen Sarlacc werfen, falls er den Schicksalsberg nicht findet.
pltoo
Phallia. Da hat jemand gut aufgepasst in Latein.  Eventuell eine interessante Bekanntschaft, die man an Urinplantscher vermitteln könnte. Aber ob sie auch Bock auf Natursektspielchen hat? Wahrscheinlich reicht ihr auch einfach Khem Vals dickes Ding unter dem Lendenschurz…

Trotzdem noch Lust auf MMOs? Dann schnell zu Amazon und SWTOR-Krams kaufen…

Fallout New Vegas. Teil 1 der Exploratoren-Kritik: ein Spiel wie eine (kaputte) Kathedrale.

Geschrieben am 12. August 2011 in Netzkultur, RPG, Single Player, Sonstiges von Reaktorblock || 5 Kommentare

Die Liste der Games, die die Exploratoren unbedingt noch spielen wollen, bevor wir in die Kiste hucken, ist verdammt lang. Aber nun haben wir es geschafft, eine der peinlichsten Lücken in unserer Gaming-Historie zu schliessen: wir haben ein Spiel aus der Fallout-Reihe durchgezockt. Und was sollen wir sagen? Fallout New Vegas (FONV) ist ein verdammtes Meisterwerk.

Wir können und wollen das Spiel nicht mit seinen Vorgängern vergleichen, weil wir Fallout 1-3 ja nicht gespielt haben. Möglicherweise sind diese Games orgineller und New Vegas ist nichts weiter als der vierte Aufguss eines tollen Konzeptes. Wenn man das Spiel aber allein stehend betrachtet, ist es echte Kunst. FONV hat nicht nur die Exploratoren begeistert, sondern auch in der Presse kam das Spiel gut an. Ein Kritikpunkt, den man allerdings immer wieder hört, ist die unspektakuläre Grafik. Auch hier stimmen wir zu: New Vegas ist potthässlich. Seit dem Erscheinen beschäftigen sich Horden von gelangweilten Programmierern mit kritischem Freizeitüberschuss (–> Modder) damit, die Optik des Spieles zu verbessern. Aber muss das wirklich sein? Unserer Meinung nach passt die triste Grafik perfekt zum Setting des Games. Sie zeigt uns eine zerbombte, verstrahlte Zukunft, in der niemand wirklich leben möchte. Selbst die ehemals schillernde Glücksspielmetropole Las Vegas wirkt wie ein armseliges Dreckloch. Und das ist gut so! Erst durch den Schmutz und den braunen Staub der traurigen amerikanischen Wüste entfaltet das Setting von Fallout New Vegas seine Wirkung, denn das Spiel ist eine Umkehrung des amerikanischen Traumes.

Ein paar nette Lichteffekte in der staubigen Luft. Mehr Grafik darf man von Fallout nicht erwarten. Trotzdem raten wir davon ab, das Spiel zu modden. Geniessen Sie FONV, so wie es aus der Box kommt.
Ein paar nette Lichteffekte in der staubigen Luft. Mehr Grafik darf man von Fallout nicht erwarten. Trotzdem raten wir davon ab, das Spiel zu modden. Geniessen Sie FONV, so wie es aus der Box kommt.

Die naive Zukunft, die wir in FONV kennen lernen, mit ihren albernen Blech-Robotern und klobigen Strahlenkanonen ist die selbe Art von Sience Fiction, wie man sie sich im selbstverliebten Amerika der 50er Jahre vorstellte. Der einzige und entscheidende Unterschied zwischen New Vegas und der Zukunftsvision der 50er ist: keine Zivilisation der Welt überlebt einen Nuklearkrieg. Während man in den Nachkriegs-USA davon ausging, dass man einem Atomschlag prima entgehen kann, wenn man sich hinter einem Schreibtisch duckt, zeigt Fallout brutal und zynisch was thermonuklearer Krieg bedeutet. Und diese Demontage der amerikanischen Naivität zieht sich stringent durch Optik, Musik und Handlung. Nichts ist gut, nichts ist schön, nichts ist sicher, niemand ist fair.

Gammlige Treppenhäuser, lumpige, abgewetzte Kleidung. Der Dreck steckt im Detail.
Gammlige Treppenhäuser, lumpige, abgewetzte Kleidung. Der Dreck steckt im Detail.

Steve Jobs wurde nie geboren. Das Ifone nie erfunden. Die Handys der Zukunft sehen aus wie aus den 60ern.
Steve Jobs wurde nie geboren. Das Ifone nie erfunden. Die Handys der postnuklearen Zukunft sehen aus wie aus den 60ern.

Das Tolle daran: das Spiel macht trotz aller Finsternis einen Mordsspass. Das liegt zum einen am fiesen Humor. Aber auch der hohe Detailgrad, mit dem die Trümmerwüste beschrieben wird, ist beeindruckend. Es fällt schwer, in New Vegas mit seiner unverbrauchten Spielwelt (keine Elfen, keine Zwerge, keine Zauberer mit spitzen Hüten!) nicht zu versinken. Die Exploratoren haben ca. 70 Stunden Spielzeit in dem Spiel versenkt. Und wir haben lange noch nicht alles erforscht!

MMO-verwöhnte Casual-Gamer sollten aber vorsichtig sein, denn FONV ist nicht WOW. Es schmeisst viele kuschlige und lieb gewonnene Spielmechanismen über den Haufen. Wer damit rechnet, brav an die Hand genommen zu werden, um gemütlich von Belohnung zu Belohnung zu wandern, kann einpacken. Die Kämpfe sind hart, besonders am Anfang. Man muss sich eingehend mit dem Skill-System beschäftigen und man sollte auf keinen Fall glauben, dass man strategische Fehler in der Charakterplanung irgendwie ausgleichen kann. Verskillt ist verskillt. Lieber nochmal von vorne anfangen. Auch die eingebaute Pausen-Funktion (VATS) macht die Gefechte nicht einfacher. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass FONV sich mit einem gut geskillten Charakter auch ohne VATS prima spielen lässt. Mit einer problematischen Skillung hingegen wird das Spiel schnell zu Qual.

Das Item-System ist praktisch die Umkehrung sämtlicher moderner Konventionen: statt ständig bessere Gegenstände einzusacken, ist man die meiste Zeit verzweifelt bemüht, die Ausrüstung, die man sich hart erkämpft hat, in Schuss zu halten. Waffen benötigen ständig teure Munition und sämtliche Ausrüstung leidet stark durch Abnutzung. Der Verfall ist ein zentrales Thema des Spieles. Nichts bleibt für die Ewigkeit.

Fallout New Vegas ist in der internationalen Version recht brutal. Obwohl die Ragdoll-Effekte und das Blut eher comic-haft bleiben, entfaltet das Spiel eine düstere Wirkung. Schon Nietzsche wusste: wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.
Fallout New Vegas ist in der internationalen Version recht brutal. Obwohl die Ragdoll-Effekte und das Blut eher comic-haft bleiben, entfaltet das Spiel eine düstere Wirkung. Schon Nietzsche wusste: ‘Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.’

Wenn man aber irgendwann mal den Bogen raus hat, passiert genau dass, was ein gutes Rollenspiel ausmacht: durch die ständigen Bemühungen wächst einem der Charakter (und seine schrottige Ausrüstung) fest ans Herz. Dann kann man die tollen Stories geniessen, die FONV erzählt. Man kann die skurrilsten Typen kennen lernen und sie seltsamsten Orte finden. Plötzlich wird das Spiel geschmeidig. Und damit das auch bei Ihnen passiert, haben die Exploratoren ein paar Tipps im nächsten Artikel zusammen gestellt, die den Einstieg etwas leichter machen sollten. Bleiben Sie am Radio! Und denken Sie dran, wenn es blitzt: duck and cover!!!

Teil 1 der Exploratoren Kritik: die Schönheit des Verfalls.

Teil 2 der Exploratoren Kritik: Tipps & Tricks

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